Migrantinnen

Unterkunft für Frauen in Gießen

von Jörg-Peter Schmidtmigrantinnen

Den Migrantinnen Eigenständigkeit und Ruhe ermöglichen: Diese Ziele will der Landkreis Gießen mit der Flüchtlingsunterkunft für Frauen erreichen, die vor einigen Tagen im Gießener Ostviertel eingerichtet wurde. Rund 40 Plätze werden allein stehenden Frauen, Schwangeren sowie Frauen mit kleinen Kindern zur Verfügung gestellt, desgleichen für Migrantinnen, die Gewalt erlitten haben.

Kein Frauenhaus

Landrätin Anita Schneider unterstrich in einer Pressekonferenz in der Kreisverwaltung, dass es sich hierbei um kein Frauenhaus handelt. Dies, zumal sich im Untergeschoss des Gebäudes noch eine Gemeinschaftsunterkunft  für Flüchtlingsfamilien befindet. Eine Sozialarbeiterin oder ein Sozialarbeiter sowie eine Gruppe ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer werden Ansprechpartner sein, wurde in der Pressekonferenz angekündigt, an der außer der Landrätin teilnahmen: Angelika Kämmler (Kreisfrauenbeauftragte), Doris Graf-Lutzmann (Diakonisches Werk Gießen), Achim Szauter (Leiter der Stabsstelle für Flüchtlingswesen beim Kreis Gießen) sowie Nezaket Polat und ihr Mann Erdal Polat als Betreiber der Gemeinschaftsunterkunft.

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Im Gespräch mit den Journalistinnen und Journalisten: von links: Nezaket und Erdal Polat (Betreiber der Gemeinschaftsunterkunft), Achim Szauter (Leiter der Stabsstelle für Flüchtlingswesen beim Kreis Gießen) und Landrätin Anita Schneider. (Fotos: Schmidt)

Doris Graf-Lutzmann vom Diakonisches Werk konnte berichten, dass schnell ein Kreis von Freiwilligen gefunden wurde, die die Neuangekommenen beraten, sie beispielsweise beim Besuch von Ärzten begleiten und Freizeitmöglichkeiten für die Kinder anbieten. Wie Landrätin Schneider ankündigte, wird Männern der Zugang zu den Räumen für Frauen, von denen einige traumatisiert sind, nicht gestattet. Begegnungen sind allerdings in einem Besprechungs- und Aufenthaltszimmer möglich. Wichtig sei, dass die Frauen in ihrer Ruhe nicht gestört werden. Ihnen soll ermöglicht werden, wieder Selbstvertrauen zu gewinnen. Niemand werde in der Unterkunft in „Isolation“ leben, zumal man durch den zentralen Standort in Gießen gute Möglichkeiten habe, in die Gießener Innenstadt zu laufen oder per ÖPNV zu fahren.

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Von links neben der Landrätin: Angelika Kämmler (Kreisfrauenbeauftragte) und Doris Graf-Lutzmann (Diakonisches Werk Gießen) konnten berichten, dass sich bereits viele Helfer für die neue Flüchtlingsunterkunft gefunden haben. Rechts: Oliver Keßler, Pressereferent beim Kreis Gießen.
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Nezaket Polat gehört zu den Betreibern der neuen Gemeinschaftsunterkunft (hier im Gespräch mit Klaus Pradella vom Hessischen Rundfunk).

Aus welchen Ländern die Neuankömmlinge stammen, werde erst feststehen, wenn weitere Plätze in der Unterkunft belegt sind (bisher sind es nur wenige), antworteten Anita Schneider und Achim Szauter auf die entsprechende Frage in der Pressekonferenz. Schneider kündigte zudem an, dass anhand einer wissenschaftlichen Studie untersucht werden soll, wie die Gemeinschaftsunterkunft (GU) für Frauen angenommen wird und ob der Standort optimal ist. Wie Kreisfrauenbeauftragte Kämmler berichtete, habe man sich in anderen Kreisen erkundigt, wie die Erfahrungen an den wenigen Standorten sind, an denen Flüchtlingsunterkünfte für Frauen eingerichtet wurden. Man habe unter anderem im Lahn-Dill-Kreis, in dem es eine solche GU für etwa zehn Frauen gibt, keinen nennenswerte Probleme gehabt. Und man gehe davon aus, dass die Flüchtlingsunterkunft für Frauen im Gießener Ostviertel gut angenommen wird, hieß es abschließend in der Pressekonferenz.

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