Leonardo da Vinci

Vortrag über das Genie

Von Jörg-Peter Schmidt

Über die vielfältigen Begabungen Leonardo da Vincis (1452 – 1519) kann man nur staunen. So ging es auch den Besucherinnen und Besuchern, die in die Volkshochschule (vhs) Gießen zu einem Vortrag über den Maler, Bildhauer, Architekten, Erfinder und Wissenschaftler gekommen waren. Das Interesse war groß, der Raum „Botanik“ in der Fröbelstraße gut besetzt. Die VHS war zusammen mit der Deutsch-Italienischen Gesellschaft Veranstalterin.

Fantastische Einfälle und Farbenpracht

Vhs-Leiterin Waltraud Burger  freute sich über das Interesse an dem Vortrag über Leonardo (im Hintergrund als gereifter Künstler). Foto: Jörg-Peter Schmidt

VHS-Leiterin Waltraud Burger konnte den Gästen einen renommierten Fachmann aus München vorstellen: Richard Konstantin Blasy, Fotopublizist für Architektur und Kunstgeschichte. Der 83-Jährige, der auf den historischen Spuren bedeutender Künstler unter anderem in Italien recherchiert hat, begeisterte mit einer Flut von Fotografien vorwiegend von Gemälden und Zeichnungen des Italieners aus dem Dorf Anchiano bei Vinci in der Nähe von Florenz, die zeigten, welche fantastischen Einfälle und welche Farbenpracht in seinen Bildern stecken.Jedes Exponat wurde auf interessante und spannende Weise erläutert.

Welch großartiger Maler Leonardo da Vinci war, zeigte  Richard Konstantin Blasy in seinem Vortrag auf.   (Foto: Schmidt)

Der Referent brachte einige Beispiele für Überraschungen, die sich der Sohn einer Magd und eines Notars im Laufe seines langen Lebens in seinen Werken einfallen ließ. Da ist seine einzigartige in Rom entstandene freche Darstellung des Johannes, die viele Zeitgenossen kopfschüttelnd oder sogar erbost zur Kenntnis nahmen: Die biblische Gestalt im Fellgewand trägt feminine Züge und zeigt lächelnd mit dem Finger gen Himmel. Das Bild hängt im Louvre und bietet Anlass für so manche Spekulationen. Aber warum sollte Johannes  nicht so unbeschwert und spitzbübisch gelächelt haben?

Zum Beispiel „Das Abendmahl“

Der Dozent ging auch näher auf ein anderes legendäres Werk ein, mit dem sich die Menschen seit Jahrhunderten beschäftigen. Das „Abendmahl“ hat seinen Platz im Kloster S. Maria delle Grazie in Mailand und zeigt Jesus im Kreis seiner Jünger, die sich über seine Ankündigung „Einer unter euch wird mich verraten“ erschrecken. Judas sitzt – nicht wie sonst auf den damaligen Bildnissen – vor dem Speisetisch, sondern vor den Aposteln, wodurch seine unheilvolle Sonderrolle noch unterstrichen wird. Zunehmend richtet sich das allgemeine Kunstinteresse seit einigen Jahren auf die Person auf diesem Fresko, die direkt neben Jesus sitzt, lange glatte Haare und weiche, liebliche Züge hat. Der Schriftsteller Dan Brown spekuliert in seinem Roman „Das Sakrileg“, hier handele es nicht um den Jünger Johannes, sondern um Maria Magdalena. Selbstverständlich schauten die vhs-Gäste ganz genau auf diese Stelle im Fresko. Aber an die Theorie Dan Browns  glaubt Blasy allerdings nicht. 

Ein Schwerpunkt des Vortrags war die Rolle der Frauen in den Arbeiten des großen Künstlers.  Er  brachte in seinem Leben und Werk Frauen jeglichen Alters große Achtung entgegen. Auf dem Bild „Verkündigung an Maria“, das Leonardo zusammen mit Andrea del Verrocchio schuf und in den Uffizien in Florenz hängt, kniet der Erzengel Gabriel vor Maria, die voller Würde – lesend – die himmlische Nachricht erfährt. Diese Würde strahlen viele der Frauen, die da Vinci gemalt oder gezeichnet hat,  aus: So auch das Ölbild im Louvre, das Maria und ihre Mutter Anna zusammen mit dem Jesusknaben zeigt. Nicht zu vergessen das berühmteste Porträt im Louvre „Mona Lisa“. Und „Die Dame mit dem Hermelin“, die in Krakau im Nationalmuseum die Kunstliebhaber verzückt, schaut selbstbewusst und stolz den Betrachterinnen und Betrachtern entgegen. 

Der lächelnde Johannes, der mit dem Finger gen Himmel zeigt. (Quellen: Wikipedia)

Der Gast aus München beschäftigte sich – wie erwähnt – bei seinen Ausführungen hauptsächlich mit den Malereien und Zeichnungen  Leonardos , die unter anderem  im Florenz, Mailand und Rom und am Ende seines Lebens in im Schloss Cloux bei Amboise in Frankreich entstanden. Es schadete überhaupt nicht dem Vortrag, dass nur relativ knapp die architektonischen und wissenschaftlichen Arbeiten gestreift  wurden.  Fest steht: Leonardo war  ein Genie, das seiner Zeit um Jahrhunderte voraus war. Nachdem man diesen Vortrag von Richard Konstantin Blasy in der vhs gehört hat, dürfte man um so neugieriger auf ein aktuelles Großereignis in Paris  geworden sein: Im Louvre, wo auch sonst,  strömen die Menschen aus aller Welt zur  spektakulären da Vinci-Ausstellung!

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