Landbote-Radtour

Die Lieblingsspeise des Papstes

Von Bruno Rieb

Alle Jahre wieder geht ein Teil der Landbote-Redaktion auf Radtour. Diesmal 440 Kilometer weit an Inn, Donau und Isar. Die Tour bescherte uns das Lieblingsrezept des Ex-Papstes Benedikt XVI, das wir gerne unseren Lesern verraten.

Mit Radl und Maskerl

Das Wetter war ausgezeichnet, die Route einigermaßen bequem und die Biergartendichte hoch. Das Bier ist in Bayern lecker, das Essen auch, was uns nicht ganz so gut schmeckte war der Dialekt. Der klingt hart und knarzig. Das haben die Bayern (dieser Gegend zumindest) auch bemerkt und versuchen, ihn durch Verniedlichung bekömmlicher zu machen, etwa Radl statt Rad oder Maskerl statt Maske). Wir warn mit dem Radl da und das Maskerl war coronabedingt Pflicht.

Die Landbote-Radler auf dem Inn-Radweg. (Foto: Rieb)

Trotz ihres Dialektes sind die Menschen dort sehr nett und jeder grüßt Gott, wenn man an ihm vorbeiradelt. Damit wären wir bei Papst Benedikt XVI alias Joseph Kardinal Ratzinger. Um es weniger kompliziert zu machen, nennen wir ihn einfach Papsterl. Wir saßen in einem Café gegenüber seines Geburtshauses in Marktl, sinnierten über ihn, seinen Bruder und dessen Verhältnis zu den Regensburger Domspatzen, als ein fürchterliches Unwetter losbrach.

Mei liabste Speis

Abends in einem Gasthaus erzählten wir der Wirtin von unserem Besuch beim Geburtshaus des Papsterls. Die Dame war schon weit über 80, aber noch unglaublich rege. Sie kochte und nahm nach dem Essen das Mikrofon in die Hand, um die Gäste – also uns – mit Gassenhauern („Rio Madre do Sul“) zu unterhalten. Nach ihrem Auftritt kam sie zu uns an den Tisch, um sich weiter mit uns über das Papsterl zu unterhalten. Ratzinger sei kurz vor seiner Berufung zum Papst bei ihr zu Gast gewesen, berichtete sie. Hier, an diesem Tisch. Damals sei ein Buch mit Lieblingsrezepten von Prominenten zusammengestellt worden, um Geld für die Restauration der Kirchenglocken einzunehmen. Sie habe Ratzinger angesprochen, und der habe sofort zugesagt, ebenfalls ein Rezept beizusteuern. Als Beweis holte sie das Buch, das schlicht „Mei liabste Speis“ heißt.

Wir haben uns das Rezept des Papsterls notiert:

Millirahmstrudel mit Rosinen

Zutaten

Für den Teig: 250 g Mehl, Salz, 20 g Butter oder 1 Esslöffel Öl, 1 Ei, bis 1/8l lauwarme Milch, zum Bestreichen Butter

Für die Fülle: 4 Eßl Butter, 1/8 – 1/4 l Sauerrahm, 1 ½ – 2 kg Äpfel, 50-100 g Zucker, 50 g Rosinen, ½ Zitronenschale gerieben

Zum Backen: 40 g Butter, ¼ – ½ l Milch

Zubereitung: In das gesiebte Mehl eine Grube machen, zerlassene Butter oder Öl, Ei und die Flüssigkeit darin verrühren, den sehr weichen Teig rasch abarbeiten, mit der flachen Hand fest abschlagen, bis sich der Teig von der Schüssel oder dem Brett löst, in 2 – 3 Teile teilen, glatt formen, leicht mit Butter bepinseln, zudecken (am besten mit einem feuchtwarmen Topf, damit die Oberfläche keine Kruste bekommt und der Teig elastisch wird), ½ Stunde ruhen lassen, auf dem gut bemehlten Tisch den Teig tellergroß ausrollen, mit der zerlassenen Butter bestreichen, vorsichtig erst mit dem Handrücken, dann mit der flachen Hand dünn ausziehen – es dürfen keine dicken Ränder bleiben.

Den ausgezogenen Strudelteig mit zerlassener Buttert leicht betupfen, mit dem Rahm bespritzen, fein geschnittene Äpfel, Zucker, Weinbeeren und die Zitronenschale gleichmäßig darauf streuen, Ränder einschlagen, diese mit Butter bestreichen, den gefüllten Strudel zusammenrollen, in die gefettete Bratform geben, mit Butter bestreichen, goldbraun ausbacken, dann mit Milch übergießen und noch so lange backen, bis die Milch eingezogen ist. Garzeit ¾ bis 1 Stunde.

Vor dem Anrichten den Strudel etwas auf der Herdseite stehen lassen, um das Austreten der Fülle beim Schneiden zu vermeiden.

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