Kultur in Hessen

In Großstädten gibt es mehr Förderung

Zahlreiche Ausstellungen und Theaterprojekte bekommen im Jahr 2020 Geld aus dem Kulturfonds Rhein-Main und vom Land Hessen. Eine Auflistung gab die neue Geschäftsführerin und frühere Kultusministerin Karin Wolff heraus. Das meiste Geld fließt in den Ballungsraum um Frankfurt.

Kulturprojekte in Rhein-Main

Das Museum für Moderne Kunst in Frankfurt bekommt 180 000 Euro für eine Ausstellung über den Künstler Frank Walter. Für so eine Summe könnte eine kleine Kulturstätte auf dem Lande ein ganzes Betriebsjahr finanzieren. Fotos: Wikipedia

Nicht nur für die großen Städte sind die Mittel zur Förderung der Soziokultur im Etat des Landes bestimmt. Dieser Posten wird im Jahr 2020 von 700 000 auf 1,2 Millionen aufgestockt, berichtet die Landesarbeitsgemeinschaft der Kulturinitiativen und soziokulturellen Zentren in Hessen (LAKS). „Wir freuen uns sehr über die Erhöhung für die Soziokultur, aber auch für die vielen
weiteren engagierten Akteure in den Musikschulen, den freien Theatern, den Filmfestivals oder der Museumslandschaft. Wir verstehen diese Erhöhungen auch als Signal, diese Bereiche stärker als in der Vergangenheit in der Landespolitik zu verankern“, so Patricia Link, die Vorsitzende der LAKS Hessen.

Die LAKS Hessen existiert seit 1984 und ist der Dachverband von derzeit 41 Kulturinitiativen und soziokulturellen Zentren. Getragen werden sie von hauptberuflich wie ehrenamtlich tätigen Menschen. Sie organisieren pro Jahr über 5 000 Veranstaltungen aller und werdenvon über einer Million Menschen genutzt. Ein Beispiel ist das Theater Altes Hallenbad in Friedberg, in dem eine ehrenamtliche Kultur-AG auf Non-Profit-Basis pro Jahr mehr als 50 Kulturveranstaltungen pro Jahr auf die Beine stellt.

1,43 Millionen für den Ballungsraum

Deutlich mehr Geld bringt der KulturfondsFrankfurt RheinMain für Projekte im südhessischen Ballungsraum auf. Bei einer Sitzung am 25. November 2019 bewilligten seine Mitglieder für das nächste Jahr 1,43 Millionen Euro zur Förderung von elf Kulturangeboten.

Karin Wolff, frühere Kultusministerin in Hessen, führt jetzt die Geschäfte des Kulturfonds.

Der Kulturfonds Frankfurt RheinMain wurde im Jahr 2007 auf Initiative der Hessischen Landesregierung als gemeinnützige GmbH mit Sitz in Bad Homburg gegründet. Ihre Hauptaufgabe ist es, die Metropolregion durch kulturelle Zusammenarbeit besser zu vernetzen, die Attraktivität zu stärken und die kunst- und kulturgeschichtliche Tradition der Region zu dokumentieren. Der Fonds fördert vor allem Projekte mit nationaler und internationaler Strahlkraft und daneben auch regional vernetzende Kulturaktivitäten. Mitglieder sind das Land Hessen, Frankfurt, Darmstadt, de Hochtaunus- und der Main-Taunus-Kreis, Wiesbaden, Hanau und neuerdings auch Bad Vilbel. Als Jahresbeiträge zahlen die Kreise und Städte jeweils zwei Euro pro Jahr und Einwohner. Das Land Hessen fügt nochmals die gleiche Summe hinzu. Die Geschäfte dieser staatlichen Firma führte bislang der frühere Wiesbadener Oberbürgermeister Helmut Müller (CDU) . Ende 2019 übernahm die frühere hessische Kultusministerin Karin Wolff (CDU) den Posten.

Geförderte Ausstellungen ab 2020

Der Maler Ludwig Knaus (1829 – 1910)

Das Frühjahr 2020 beginnt mit einer Ausstellung des Künstlers Ludwig Knaus in Wiesbaden: Unter dem Titel „Ludwig Knaus – Homecoming“ liegt der Fokus auf jenen Leihgaben aus Amerika, die für seinen Ruhm mitverantwortlich waren und die nun erstmalig wieder „nach Hause“ zurückkehren. Ludwig Knaus war gebürtiger Wiesbadener und gilt als einer der bedeutendsten deutschen Künstler des 19. Jahrhunderts. Nicht nur bedingt dadurch, dass er mit seinen erfolgreichen Genrebildern Generationen von Künstlern beeinflusste, sondern auch, weil er der Genremalerei überhaupt erst zu großer Popularität verhalf. Zahlreiche seiner im In- und Ausland beliebten Arbeiten entstanden in seiner Geburtsstadt Wiesbaden. Das Museum Wiesbaden wird seine Werke vom 14. Februar bis zum 2. August 2020 ausstellen. Die Fördersumme: 170 000 Euro.

„Die Erfindung von Menschenrassen“

Das Historische Museum Frankfurt befasst sich im Rahmen der Ausstellung „Rassismus – Die Erfindung von Menschenrassen“ vom 16. September 2020 bis zum 24. Januar 2021 mit der Frage nach Struktur und Wirkung von Rassismus. Die Ausstellung analysiert unter anderem die Methoden, mit denen das Unterscheiden von Menschenrassen seinen Anfang nahm. Außerdem beschäftigt sie sich mit der Thematik, warum die Kategorie „Rasse“ doch nur scheinbar menschliche Unterschiede beschreibt, während sie in Wahrheit vielmehr dafür genutzt wird, politische, soziale und kulturelle Ungleichheit zu begründen. Mit zahlreichen Medienstationen, Interview-Filmen und Video-Installationen werden darüber hinaus aktuelle Themenfelder wie Alltagsrassismus oder die Debatte um die Populationsgenetik zur Diskussion gestellt. Die Fördersumme: 100 000 Euro

Retrospektive Frank Walter im MMK

Mit der Ausstellung „Frank Walter: Eine Retrospektive“ widmet das Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main (MMK) dem Künstler, Schriftsteller, Philosophen und Lyriker Frank Walter (1926-2009) die erste institutionelle Einzelausstellung weltweit. Das Gesamtwerk des gebürtigen Antiguaners umfasst dabei eine außerordentliche Bandbreite unterschiedlichster Kunstformen: kleinformatige Landschaftsmalereien in Öl- und Wasserfarbe, Portraitdarstellungen, Holzskulpturen, Fotografien, Tonbandaufnahmen, Gedichte und Musikstücke. Die Ausstellung zeigt seine von hoher Präzision, Intensität und formaler Reduktion gekennzeichneten Arbeiten, welche eine völlig neue Art und Weise der Landschaftsdarstellung in Antigua wie im gesamten karibischen Raum darstellen. Die Ausstellung zieht im Frühjahr des kommenden Jahres ein und läuft vom 14. März 2020 bis zum 16. August 2020. Die Fördersumme beträgt 180 000 Euro.

Der Klang der Disney-Filme

Mit „The Sound of Disney“ präsentiert das DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum e.V. vom 19. Mai bis zum 18. Oktober 2020 in Frankfurt eine Ausstellung zur Klangwelt der Disney-Klassiker. Die Ausstellung beleuchtet den spezifischen Einsatz von Musik, Geräuschen und Dialogen in den Originalfilmen sowie in zahlreichen Synchronfassungen. Präsentiert werden sowohl kurze Cartoons aus den Silly Symphonies (1929-1939) und der Micky-Maus-Reihe als auch zehn ausgewählte abendfüllende Meisterwerke, die unter Walt Disneys maßgeblichen Einfluss entstanden sind. Eine Sammlung des Münchner Stadtmuseums, die 1959 von Walt Disney selbst kuratiert wurde, bildet das Herzstück der Ausstellung. Die Fördersumme: 100 000 Euro

Metamorphosen in drei Städten

Unter dem Titel „Metamorphosen – Mensch und Tier“ plant das Deutsche Ledermuseum Offenbach gemeinsam mit der Kunst- und Kulturstiftung Opelvillen Rüsselsheim und dem Nassauischen Kunstverein Wiesbaden gleichzeitig Ausstellungen zu den Metamorphosen von Mensch und Tier. Die Ausstellungen finden parallel vom 2. Oktober 2020 bis zum 25. April 2021 statt. Sie rücken dabei die Koexistenz von Mensch, Tier und Natur in ihren unterschiedlichen Facetten in den Fokus. Die Fördersumme: 100 .000 Euro

Ottilie Roederstein im Städel

Das Frankfurter Städel Museum widmet im Jahr 2021 unter dem Titel „Ottilie W. Roedertein“ der gleichnamigen, fast gänzlich in Vergessenheit geratenen Schweizer Künstlerin (1859-1937) vom 19. Mai bis zum 29. August 2021 eine Ausstellung in Kooperation mit dem Kunsthaus Zürich. Nach über 20 Jahren ist dies die erste monografische Werkschau in Deutschland.

Ottilie Roederstein (1859 – 1937)

70 Werke und zahlreiche historische Dokumente, Fotografien und Briefe geben Einblicke in das Leben der Künstlerin und ihr vielfältiges OEuvre. Die Realisierung der Ausstellung ist der Erschließung des Archivs von Hermann Jughenn, dem Nachlassverwalter und ersten Biographen Roedersteins, zu verdanken. Die Werke gelangten im Mai 2019 als Schenkung an das Städel Museum. Roederstein wohnte ab 1891 in Frankfurt und später in Hofheim am Taunus. Gemeinsam mit ihrer Lebensgefährtin, der ersten deutschen Gynäkologin und Chirurgin Elisabeth Winterhalter, setzte sich Roederstein besonders für die Frauenbildung ein. Die Fördersumme: 200 000 Euro

Chagall in der Schirn

Marc Chagall (1887 – 1985 im Jahre 1941)

Die Ausstellung „Marc Chagall 1935-1948“ zeigt rund 110 Werke des Künstlers Marc Chagall und findet in der Schirn Kunsthalle Frankfurt statt. Vom 12. Februar 2021 bis zum 6. Juni 2021 wird hier die weniger bekannte, dunklere Seite seines OEuvres offenbart.

Ausgestellt werden Werke, die Mitte der 1930er bis in die 1940er Jahre, zwischen Chagalls Aufenthalt in Polen und seiner Rückkehr aus dem Exil in den USA, entstanden sind. Ergänzt durch historisches Material in Form von Fotos und Briefen ordnet die Ausstellung diese „dunkle Phase“ im Leben des Künstlers in den Kontext seines Gesamtwerkes ein. Die Fördersumme: 150 000 Euro.

Musikfest und Forum Alte Musik

Vom 20. September bis zum 4. Oktober 2020 findet das Musikfest der Alten Oper Frankfurt statt. Dieses rückt ein Schlüsselwerk des 20. Jahrhunderts ins Zentrum, das in sechs unterschiedlichen Interpretationen und Bearbeitungen erklingen wird. Es tritt außerdem in den Dialog mit verwandten Kompositionen der gesamten Musikgeschichte. Im Rahmen von Konzerten, Performances und Gesprächsformaten beschäftigt sich das Musikfest mit den verschiedenen Perspektiven dieses Dialogs. Die Fördersumme: 150 000 Euro

Das Forum Alte Musik macht ab dem 1. Mai 2020 bis zum 30. April 2025 den Kantatenzyklus „Französischer Jahrgang“ des Komponisten Georg Philipp Telemann unter der Leitung von Felix Koch sowohl als Noten-Edition als auch in Form einer Ersteinspielung erstmalig allgemein zugänglich. Die Handschriften des bisher weitgehend unerschlossenen Zyklus des Kantatenschaffenden liegen der Frankfurter Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg geschlossen vor. Aufgeführt werden die Kantaten in Frankfurt, Wiesbaden, Offenbach, Darmstadt und Hofheim. Die Fördersumme: 76 700 Euro.

Rattenfänger von Hameln und Hölderlin

Friedrich Hölderlin (1770- 1843)

Bei den 36. Brüder Grimm Festspielen, die vom 15. Mai bis zum 26. Juli 2020 im Amphitheater Hanau stattfinden, wird die Sage vom „Rattenfänger von Hameln“ in der Grimm’schen Fassung als Schauspiel aufgeführt, die unter dem Themenschwerpunkt „Erzählung.Macht.Identität.“ des Kulturfonds Frankfurt RheinMain läuft. Ein weiteres Highlight der kommenden Festspiele ist die Uraufführung der szenischen Lesung „ICH, HÖLDERLIN!“ von Friedrich Hölderlin, die am 25. Juli vom ehemaligen Festspielleiter Dieter Gring in der Wallonischen Ruine dargeboten wird. Die Fördersumme: 100 000 Euro

Junge Artisten in Wiesbaden

Im Herbst 2020 trifft sich – wie alle zwei Jahre – erneut der Artistennachwuchs zu einem bunten Festival in der Landeshauptstadt Wiesbaden: Vom 22. Oktober bis zum 25. Oktober 2020 findet dort der „Euopean Youth Circus 2020“ statt. Das diesmalige Thema: Europa. Etwa 80 junge europäische Artistinnen und Artisten zwischen 12 und 25 Jahren werden in Zusammenarbeit mit Regisseur und Choreografen eine Show erarbeiten, die sich sowohl am thematisch-künstlerischen Leitmotiv, als auch am jeweiligen künstlerischen Profil und kulturellem Hintergrund orientiert. Der European Youth Circus zählt zu den herausragendsten Kulturveranstaltungen Wiesbadens. Die Fördersumme 100 000 Euro.

Kleines Geld für kleinere Projekte

Mit vier- bis fünfstelligen Summen fördert der Kulturfonds weitere Projekte: 30 000 euro fließen in in kulturtouristisches Konzept für die Kirchenruine Landstein bei Weilrod, 20 000 Euro gehen ans Projekt „Das Feld“ beim Staatstheater Weisbaden. Der Naxos-Bund in Frankfurt bekommt 8000 Euro für das Projekt „Rot oder Tot 5: Wendestress“. Und so weiter.

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