Unser Wasser

Weltmeere funken S.O.S.

von Ursula Wöllwasser4

„Das Eis der Erde schmilzt in einem atemberaubenden Tempo, beispielsweise in der Arktis, wo sich die mit Eis bedeckte Fläche in den letzten 30 Jahren um knapp ein Drittel verringert hat“, schreibt der Meereswissenschaftler Professor Mojib Latif 2010 in seinem Buch ‚Warum der Eisbär einen Kühlschrank braucht‘. Um vor den Folgen der Klimaerwärmung zu warnen, veröffentlichte er 2014 ein weiteres Buch ‚Das Ende der Ozeane‘. „Dieses Buch über die Ozeane ist als Weckruf gedacht“, betont er im Vorwort. Am 26. September hält der Forscher aus Kiel an der Uni Giessen einen öffentlichen Vortrag.

Die Gletscher schmelzen

Das ist uns längst aus den Alpen bekannt. Vergleicht man ältere Fotografien mit aktuellen, so sieht man, wie sehr die Gletscherzungen zurückgingen. Ein globaler Prozess, bedingt durch die Klimaerwärmung. Auch im Himalaya ist es heute 2 Grad wärmer als vor 50 Jahren. Um auf die rasante Gletscherschmelze hinzuweisen, entschloss sich das nepalesische Parlament zu einer spektakulären Aktion. Es tagte im Dezember 2009 in 5300 m Höhe, wenige Tage vor dem Klimagipfel in Kopenhagen. „Ein Gipfel auf dem Gipfel vor dem Gipfel“, versucht Mojib Latif zu scherzen. Bald ist es soweit, dass Hemingway heute für seine Erzählung von 1938 „Schnee auf dem Kilimandscharo“ einen anderen Titel suchen müsste. Der jetzige wäre dann Schnee von gestern. Gletscher binden riesige Mengen Süßwasser.  Es überrascht daher nicht, dass die globalen Trinkwasser-Vorräte abnehmen.

Zu hoch, zu warm, zu sauer

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Das Eis schmilzt dem Eisbären unter den Pfoten weg. (Foto: Ansgar Walk/Wikipedia)

Andererseits steigt  der Meeresspiegel durch die Klimaerwärmung, zumal auch das Eis der Antarktis schmilzt. Hinzu kommt, dass sich das Meerwasser durch seine Erwärmung ausdehnt. Ganze Inseln verschwinden im Wasser, Küstenlinien verändern sich. Wie die nepalesische Regierung wollte daher auch diejenige der Malediven spektakulär auf ihre Nöte aufmerksam machen. Im Oktober 2009 hielt das Kabinett in voller Tauchausrüstung seine Sitzung unter Wasser ab. Als am stärksten gefährdet vom „Land unter“ gilt der südpazifische Inselstaat mit dem schönen Namen Vanuatu.

Bisher mildern die Ozeane die Erwärmung, die durch das Verbrennen fossiler Stoffe entsteht. Sie schlucken außerdem große Anteile der CO2-Emmissionen, bisher noch. Denn durch die kontinuierliche Erwärmung und Versauerung des Meerwassers verlangsamt sich dieser entlastende Prozess immer mehr. Da hilft nur ein praktisches Umdenken, eine viel schnellere Umstellung auf Sonnen- und Windenergie. Der Bremsweg ist nämlich enorm. Selbst nach einem totalen Stopp der CO2-Emmissionen steigt etwa der Meeresspiegel noch lange Zeit weiter. Die Ratifizierung von globalen Verträgen (wie aktuell in Berlin das Pariser Klimaschutz-Abkommen) ist zwar erfreulich, aber wie so oft ist Papier geduldig. Sieht man nur die Anzahl der SUVs auf unseren Straßen, so glaubt man nicht an einen Lernprozess und an ein wachsendes Verantwortungsbewusstsein für unsere Kinder und Enkel. „Ein Geländewagen will schließlich mit ausreichend Sprit versorgt sein, denn im Stadtverkehr ist er besonders durstig“, so der Forscher Latif, der bei aller wissenschaftlichen Genauigkeit anschaulich und verständlich informiert.

Müllkippe Ozean

Die zunehmende Verschmutzung der Weltmeere mit Ölresten und Plastikteilchen sowie durch Tanker- oder Bohrinselunfälle sowie ihre Überfischung  lasse ich hier etwas außer acht. Latif stellt sie in seinem jüngsten Buch ausgiebig an den Pranger. Wer verständliches Grundwissen über das gefährdete Ökosystem Weltmeer sucht, wird auf seinen 318 Seiten gut bedient. „Das Ende der Ozeane – Warum wir ohne die Meere nicht überleben werden“ von Mojib Latif ist im Herder-Verlag erschienen. Man kann es auch in der Uni-Bibliothek ausleihen. Generell sind dort beliebige Ausleihen kostenlos sogar für Nichtstudenten möglich, wenn sie sich einen Leseausweis ausstellen lassen (Tel. 99-14030).

Der Autor Prof. Dr. Mojib Latif spricht am 26.9. von 17 bis 18 Uhr zur internationalen Klimapolitik: ‚Wird das Pariser Abkommen den Planeten retten?‘ Er tut dies auf englisch, wie es heute an Unis immer üblicher wird. Ort: Neue Chemie, Hörsaal C112 (Erdgeschoss), Heinrich-Buff-Ring 17/19, Giessen.

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