Karl May

Kara Ben Nemsi wird fortgeschrieben

von Jörg-Peter Schmidt may1

Überregional großes Interesse findet zurzeit ein Projekt, das von der Wetzlarer Phantastischen Bibliothek initiiert worden ist: Ein Autorenteam führt die von Karl May geschriebenen Geschichten mit Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar fort, baut allerdings zusätzlich auf erfrischende Weise Fantasy-Elemente ein.

Gewagtes literarisches Experiment

Zur offiziellen Vorstellung der Reihe „Magischer Orient“ war das Foyer der Bibliothek  gut gefüllt. Man wollte wissen, ob und wie über 100 Jahre nach dem Tod des Autors von „Winnetou“ und „Durchs wilde Kurdistan“ ein solches gewagtes literarisches Experiment überhaupt funktionieren kann.

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Alexander Röder liest aus dem von ihm geschriebenen ersten Roman der Serie „Im Banne des Mächtigen“ vor. (Foto: Jörg-Peter Schmidt)

„Kein Problem, das ist absolut möglich!“, unterstrich während der Präsentation Bernhard Schmid, dessen von ihm geleiteter Bamberger Karl-May-Verlag die Romanserie herausgibt, an der auch die bekannte Schriftstellerin Tanja Kinkel („Die Puppenspieler“) mitwirkt. Der Verleger hat sich von dem Konzept überzeugen und begeistern lassen. So konnte der Start des Zyklus‘ beginnen, deren ersten Bände Alexander Röder aus Marburg verfasst hat. Er hatte bereits für sein erstes Buch „Der Mönch in Weimar“, in dem Johann Wolfgang von Goethe (aber noch keine Figuren Karl Mays) eine bedeutende Rolle spielt, großes Lob der Kritiker erhalten.

Zauber und Hexen tauchen auf

„Wir haben die Chance ergriffen, hochinteressante Ideen zu verwirklichen“, verdeutlichte bei der Präsentation Thomas Le Blanc (Leiter der Phantastischen Bibliothek), der zusammen mit Bernhard Schmid Herausgeber ist. Wie er hervorhob, basieren die Fortsetzungsgeschichten auf der Grundlage der spannend geschriebenen Orient-Romane Karl Mays. Jetzt tauchen allerdings noch allerlei mythische Gestalten wie Zauberer und Hexen auf. Zudem wird der Schurke „Schut“ im wahrsten Sinne des Wortes wiederbelebt. Ihn hatte zwar Karl May in die „Verbrecherspalte“ stürzen lassen. Aber war der Bandit trotz seiner schweren Verletzungen auch wirklich mausetot? Le Blanc: „Magische Gestalten haben die Wunden des Schut geheilt und helfen ihm nun, sein Unwesen wieder aufzunehmen.“

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Bei der Präsentation der Reihe „Magischer Orient“: von links: Thomas Le Blanc (Herausgeber), Alexander Röder (Autor) und Bernhard Schmid (Herausgeber). (Foto: Jörg-Peter Schmidt)

Wie der Herausgeber aus Wetzlar weiter berichtete, haben die Autoren Anspielungen auf Figuren von Schriftstellern phantastischer Geschichten eingewebt, die in der Zeit von Karl May gelebt haben. So scheint plötzlich Kapitän Nemos Unterseeboot „Nautilus“ aus Jules Vernes Klassiker „20 000 Meilen unter dem Meer“ wieder seinen Runden zu ziehen.

Süßholz gekaut, nicht geraspelt
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Die Titelbilder der neuen Reihe sind von der renommierten Illustratorin Elif Siebenpfeiffer gezeichnet. (Copyright „Karl-May-Verlag“)

Darf eigentlich Kara Ben Nemsi im „Magischen Orient“ rauchen? „Das ist heutzutage nicht mehr zeitgemäß“, waren sich die Herausgeber Schmid und Le Blanc einig. Stattdessen lässt Alexander Röder seinen Helden auf Süßholz, dem Ausgangsstoff für Lakritze, kauen. Röder las aus dem von ihm geschriebenen ersten Roman der Serie „Im Banne des Mächtigen“ vor, in dem eine geheimnisvolle Tempelruine eines Dämonenkults eine wichtige Rolle spielt. Zudem zitierte Friedhelm Schneidewind aus seiner Kurzgeschichte „Senitzas wahre Befreiung“, die zu einer Sammlung von Storys verschiedener renommierter Schriftsteller wie Tanja Kinkel oder Rainer Schorm (Science-Fiction-Autor, „Perry Rhodan Neo“) gehört. Diese Kurzgeschichten sind in dem Band „Auf phantastischen Pfaden“ enthalten, die ebenfalls zur Reihe „Magischer Orient“ gehören und sich an dem Werk Karl Mays orientieren.

Am Ende der Präsentation, die eingangs durch einen musikalischen mayBeitrag von dem von Bettina Twrsnick vorgestellten Majd Salloom auf der Oud (der arabischen Laute) eröffnet worden war, gab es langen Beifall der Zuhörer, von denen sich viele die Bücher signieren ließen. Sie erkundigten sich, von wem denn die optisch ansprechenden Titelbilder stammen: Dafür ist die bekannte Illustratorin Elif Siebenpfeiffer verantwortlich. Die gebürtige Kielerin ist spezialisiert auf wunderschöne Fantasymotive.

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