Nur kleine Quellen in Sicht
Zwischen 30 und 40 Euro kostet ein Zeitungsabonnement im Monat. Eine einzelne Zeitung ist für 1,60 Euro zu haben. Immer mehr Menschen wollen nicht so viel zahlen, weil sie die werbefinanzierten Unterhaltungsportale im Smartphone als seriöse Nachrichtenquellen einstufen. Sorgfältig recherchierten Qualitätsjournalismus bekommen sie für diesen Preis aber nicht.
Journalisten ohne Geld
Unser Gesellschaftssystem braucht unabhängige Beobachter, die gut recherchierte Berichte über Missstände liefern. So kommt es, dass fast jede Woche irgendwo in Deutschland Tagungen stattfinden, wo ratlose Journalisten mit wenigen Politikern gemeinsam überlegen, wie sie künftig mit ihrer Arbeit überleben können. Smarte junge Startup-Journalisten von Krautreporter, Correctiv und anderen Plattformen erzählen, wie sie es machen. Sie konnten eine Million aus einer Stiftung für den Anfang ihres Online-Mediums sichern. Andere schafften den Start mit Crowdfunding: Die zukünftigen Leser werden massiv dazu gedrängt, schon mal Geld für das noch nicht gelieferte Produkt einzuzahlen.

Etliche Blogs funktionieren mit Selbstausbeutung. Ihre Redakteure agieren neben der Recherche auch als Anzeigenverkäufer. Sie setzen zusätzlich Praktikanten ein, die nur wenig kosten. Andere betreiben ihr Medium nebenher – ohne Bezahlung. Dazu gehören auch die Redaktionsmitglieder des Landboten. Ohne andere Verdienstquellen könnten wir nicht überleben. Auf Dauer brauchen wir die aber, wenn der Landbote überleben soll. Er ist uns in den ersten beiden Jahren ans Herz gewachsen. Der Bekanntheitsgrad ist genauso gestiegen wie die Klick-Zahlen. Just die Flüchtlingswelle hat dem Landboten mittlerweile vierstellige Leserzahlen beschert. Das bringt uns aber keinen Cent ein.
Was also bewahrt uns vor der Pleite? Hinter einer Paywall versteckte Artikel wollen wir dem Publikum nicht zumuten. In Kürze werden wir es daher auf der Startseite bitten, den Landboten mit einem freiwilligen Förder-Abo zu unterstützen. Es können fünf, aber auch fünfzehn Euro im Monat sein, über deren Verwendung die Redaktion öffentlich und genauestens Auskunft geben wird.

Frustrierend ist, dass all die vielen Tagungen, die Positionspapiere der Journalistengewerkschaften djv und dju, sogar eine Anhörung im Hessischen Landtag keine realistischen und ausreichenden Geldquellen nannten. Auch die Stiftung Partizipation und Vielfalt nicht, die eigens in Nordrhein-Westfalen gegründet wurde, um nach der Finanzierung des Journalismus im 21. Jahrhundert zu forschen. Wenn die letzten klassischen Zeitungsabonnenten ausgestorben sind, werden die Alternativ-Geschäftsmodelle wie etwa das Crowdfunding oder freiwillige Förderabos den Aufwand der Redaktionen auf Dauer nicht finanzieren können.
Eine Haushaltsabgabe für alle Bürger- ähnlich dem Rundfunkbeitrag – schlug Michael Konken vor, der am 2. November 2015 aus dem Amt geschiedene Vorsitzende des Deutschen Journalistenverbandes. Sein frisch gewählter Nachfolger Frank Überall sagte sofort, dass er dieses Modell nicht gut findet. Denn erstens wären die Bürger über die zusätzlichen Rechnungen verärgert. Und zweitens würden die Parteien sofort versuchen, als Gegenwert für das Geld ihren Einfluss in den Redaktionen zu vergrößern. Die Presse-Abgabe wird wohl politisch nicht durchsetzbar sein.
Was dann? In Deutschland gibt es 21 000 Stiftungen bürgerlichen Rechts, zudem viele gemeinnützige Vereine mit Vermögen. 26 von ihnen unterzeichneten im September einen Aufruf an andere Stiftungen, Geld für den Qualitätsjournalismus zu geben. Beim Deutschen Stiftungstag im Mai 2016 in Leipzig will man dieser Bitte Nachdruck verleihen. Gleichwohl: Es ist nur einer Bitte. Die vielen Stiftungen haben bei diesem niedrigen Zinsniveau Mühe, ihr Kapital zu erhalten. Warum sollten sie sich noch einen zusätzlichen Ausgabeposten aufhalsen? Momentan schütten Medienstiftungen zwar einige Millionen aus – es sind aber viel zu wenige. Die Film- und Medienstiftung Nordrhein-Westfalen hat laut djv 31 Millionen Euro zur Verfügung, die Kulturstiftung des Bundes 38 Millionen, die Stiftung Wissenschaft und Kultur 12 Millionen, die Kulturstiftung der Länder 10 Millionen.
Bundes-Stiftung für Journalismus?
Hilflos wirkt letztlich der Bericht der Arbeitsgruppe „Förderung des Lokaljournalismus“. Beim djv-Verbandstag in Fulda machten die sieben Journalisten am 1. November 2015 ein paar Vorschläge. Sie denken an die Schaffung einer bundesweit agierenden Stiftung für Journalismus. Eine unabhängige Medienkommission müsse kontrollieren, wofür das Geld ausgegeben wird. Unklar ist, woher das Geld kommen soll.
Kleine Blogs, die bis zu 500 000 Euro im Jahr brauchen, sollten auf Vorschlag der Arbeitsgruppe Genossenschaften gründen, bei privaten Stiftungen vorstellig werden oder Crowdfunding machen.Medien mit bis zu 50 Millionen Euro Geldbedarf im Jahr kommen nach Ansicht der Arbeitsgruppe in Genossenschaften, beim Anzapfen von Innovationsfonds oder mit dem Anregen von Unternehmensstiftungen an Geld für Qualitätsjournalismus. Es ist nichts als eine Hoffnung.