interreligiöser Dialog

Ahmadiyya-Gemeinde hilft Lebenshilfe

„Schön, dass Sie uns entdeckt haben“, sagte Martina Ertel, Leiterin der Ambulanten Hilfen der Lebenshilfe Gießen beim Gespräch mit Sehrish Mubarik und Sadiya Rehman von der muslimischen Ahmadiyya-Gemeinde aus Gießen. Die beiden Schwestern mit pakistanischen Wurzeln sind Teil der Frauenorganisation „Lajna Imaillah“ (Dienerin Allahs) der Ahmadiyya-Gemeinde. Grund der Zusammenkunft im Innenhof der Frühförderung in der Gießener Grünberger Straße war die Übergabe von 200 selbstgenähten Masken an die Lebenshilfe Gießen.

Vorurteilsfreie Zusammenarbeit

Seit Beginn der Corona-Pandemie hat die Frauenorganisation der islamischen Gemeinde mit Sitz in der Marburger Straße schon 1.625 Masken gespendet, die in den letzten Monaten von 14 Näherinnen der Gemeinde produziert wurden. Was als reine Hilfe-Maßnahme im März 2020 mit 500 Masken für die Stadt Gießen mit Übergabe an die Oberbürgermeisterin begann, hat sich mittlerweile zum interkulturellen Dialog entwickelt, berichtet die Pressestelle der Lebenshilfe in einer Reportage.

Sehrish Mubarik und Sadiya Rehman sind selbst ein wenig überrascht, was sie da angestoßen haben. „In Deutschland sind rund 18.000 Frauen Teil der Frauenorganisation unserer Gemeinde. Als die Bundesvorsitzende der Frauenorganisation dazu aufrief, Masken zu nähen, haben wir angefangen, uns zu organisieren. Auch wir möchten als Bürgerinnen Deutschlands in dieser schweren Zeit unsere Unterstützung und Hilfe anbieten, wo diese benötigt wird“, berichtete Sehrish Mubarik, die Vorsitzende der Gießener Frauenorganisation ist. „Als Kinder von Flüchtlingen aus Pakistan sind wir froh und dankbar, in Deutschland geboren zu sein“, ergänzte die junge Frau aus Hadamar, die in Gießen Biologie studierte.

Martina Ertel und ihre Kollegin Gabi Mehmet nutzten die Gelegenheit, die Angebote der Lebenshilfe speziell für junge Familien zu erklären. Im Gegenzug stellten die beiden jungen Frauen die Angebote ihrer Gemeinde dar. Sadiya Rehman, die jüngere der beiden Schwestern, ist in der Gemeinde für interreligiösen Dialog und Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Ihr ist es ein wichtiges Anliegen, darüber aufzuklären, dass der Islam in seiner Grundlage nicht frauenfeindlich ist: „Bildung von Frauen ist eine wichtige Voraussetzung für gesellschaftlichen Fortschritt“, sagte Rehman.

Hilfe bei Übersetzungen

Im Laufe des sehr lebendigen Austausches zwischen den beiden Organisationen wurde eine erste Kooperationsidee entwickelt. Gabi Mehmet, die bei der Lebenshilfe Gießen auch für Unterstützte Kommunikation zuständig ist, ist bemüht, die geltenden Abstandsregelungen für Besucher*innen in möglichst vielen Sprachen vorzuhalten. Urdu, die Muttersprache von Mubarik und Rehman, ist noch nicht dabei. Man vereinbarte kurzerhand, dass die beiden jungen Frauen künftig bei notwendigen Übersetzungen helfen. Und Martina Ertel von der Lebenshilfe freut sich, dass sie die 200 Masken im Bereich der Ambulanten Hilfen verteilen kann: „Wir möchten die Masken Menschen anbieten, die zu uns in die Beratungsstellen kommen und selbst wenig Zugang zu Masken haben. Wir freuen uns sehr über die Spende – und über die spannenden Gespräche und den begonnenen Austausch mit der Ahmadiyya-Gemeinde!“

Titelbild: (von links) Gabi Mehmet und Martina Ertel (Lebenshilfe Gießen) freuen sich über die Masken der Ahmadiyya-Gemeinde, die von Sehrish Mubarik und Sadiya Rehman übergeben wurden. (Foto: Lebenshilfe)

lebenshilfe-giessen.de

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