Industriekultur 2

Schwerindustrie ohne Denkmäler

von Ursula Wöllbuderus3 Wetzlar war einmal Sitz der Schwerindustrie. Die Hochöfen der Buderus-Sophienhütte sind lange abgerissen, Buderus ging an BoschThermotechnik. Nun, am 2. August, zwischen 6 und 7 Uhr wird auch der 65 Meter hohe Wärmetauscher des Zementwerks umgelegt. Danach sollen noch zwei sogar 80 Meter hohe Silotürme gesprengt werden, so dass die einst eine ganze Region prägende Industriekultur nur noch auf Foto…

4 Gedanken zu „Industriekultur 2“

  1. Sehr geehrte Frau Wöll,
    vielen Dank für diesen sehr informativen Artikel, in dem Sie sehr gut deutlich gemacht haben wie wichtig und unverzichtbar die Schwerindustrie für Wetzlar war . Als zuständige Dezernentin für die Museen bin ich sehr froh, dass wir mit der Ausstellung „In Licht gegossen“ an die große Bedeutung der Schwerindustrie erinnern können.
    Mein ausdrücklicher Dank geht auch an Herrn Dr. Haus, der diese Ausstellung ermöglicht hat.

  2. Sehr geehrte Frau Wöll, Ihr Hinweis auf die Bedeutung der Schwerindustrie für Wetzlar und Umland ist ebenso richtig wie wertvoll. Verkürzt ist dabei allerdings die von Ihnen gewählte historische Perspektive. Wetzlar ist auch heute noch Standort innovativer und zukunftsorientierter Schwerindustrie – neben der vitalen Optikbranche. Die Niederlegung von architektonischen Zeugen der Vergangenheit mag man bedauern, darf aber nicht den Blick verstellen auf die unmittelbar benachbarte „Industrielandschaft“, in der mit großen Investitionen an der erfolgreichen Zukunft dieser Branche in Wetzlar gebaut wird. Im 150sten Jubiläumsjahr der IHK Lahn-Dill ist es uns ein Anliegen, die breite Palette unterschiedlichster Industrien nicht als Schatz der Vergangenheit zu begreifen, sondern als Chance.
    Freundliche Grüße

    Andreas Tielmann

  3. Nachtrag vom 22. Juli 2015, als Chronik eines angekündigten Todes:
    Der 65 m hohe Wärmetauscher erhält eine Gnadenfrist, seine für den 2. August vorgesehene Sprengung wurde auf ein offenes Datum verschoben. Grund ist nicht etwa mein nostalgischer Artikel, sondern der kürzliche Fund einer Fliegerbombe im Bauschutt nahebei. Diese Halde muss erst auf weitere Bomben untersucht werden, bevor „Krater-Edi“, der Sprengmeister der bayrischen Firma Eduard Reisch Hand anlegt. Er hatte auch den 115 m hohen AfE-Turm der Frankfurter Universität gesprengt.
    Armer Wärmetauscher, es bleibt Dir letztendlich versagt, als Industrie-Denkmal unter Denkmalschutz gestellt zu werden. Du warst eine markante Landmarke weithin, das Herz blutete mir, als ich Dich heute nochmals aus 7 km Entfernung von der Straße Biebertal nach Waldgirmes her stehen sah.
    Es hätte Ikea gut angestanden, den Turm mit etwas Fantasie in seinen Neubau zu integrieren.

  4. Leider ist die Darstellung der aktuellen Wetzlarer „Schwerindustrie“ ein wenig kurz gegriffen. Zwar gibt es keine Hochöfen mehr für die Verhüttung von Eisenerzen, dafür gibt es mit der Buderus Edelstahl GmbH ein Stahlwerk das nach wie vor mit rund 1500 Mitarbeitern Stahl in unterschiedlichsten Güten herstellt und zu diversen Produkten verarbeitet.

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