Hurdy Gurdy Girls

Die Geschichte der Louise Ludwig

von Corinna Willführ

In ihrem Buch „Hurdy Gurdy Girl“ erzählt Irene Stratenwerth die Geschichte von Louise Ludwig, die 1863 von ihrem Vater, einem Bauern aus Langenhain-Ziegenberg, an einen sogenannten Landgänger vermietet wurde. In der Sendung „Doppfelkopf“ auf HR-2-Kultur spricht sie am Donnerstag, 26. November 2020, mit Moderator Jörg Bombach über ihre Recherchen.

Die Landgängerei im Blut

„Hurdy-Gurdy-Girls – von Espa in die ganze Welt“ betitelte die Galeristin Holde Stubenrauch 1992 eine Ausstellung, die „auch ein Stück hessischer Geschichte des 19. Jahrhunderts“ wieder ins Bewusstsein der Menschen rufen sollte. Acht Männer und Frauen steuerten insgesamt 45 eigens für die Ausstellung angefertigte Exponate bei. Darunter Karen Roberts-Pitts, die 1955 in der Nähe von Chicago geboren wurde und in 1983 in Nieder-Wöllstadt eine neue Heimat gefunden hatte. „Als Amerikanerin liegt mir die Landgängerei im Blut“, schrieb sie damals. „Außer den Indianern ist jeder Amerikaner von einem anderen Land gekommen.“ So auch die Hurdy-Gurdy-Girls. Ihren Namen erhielten sie nach dem schnurrenden Geräusch, das einige spielten, zu dem die meisten aber tanzten: die Drehleier. In der Palm Arts Press ist nun ein Buch von Irene Stratenwerth erschienen, das die Geschichte der Mädchen, die im 19. Jahrhundert aus ärmlichsten Verhältnissen in einer von Not und Hunger geprägten Region aufbrachen, um der Armut zu entkommen. Eine Hoffnung für die Mädchen einerseits, für die Familien durch deren Verkauf, es lässt sich nicht anders benennen, den oft vielköpfigen Haushalten auf dem Land ein „zusätzliches Einkommen“ versprach.

Tanzen und Geld verdienen

Nun denn: Irene Stratenwerth wird sicher in dem Doppelkopf-Gespräch mit Jörg Bombach darlegen, wie sie zu ihrer Einschätzung gekommen ist, dass die jungen Frauen von ihren Eltern BEWUSST nach Amerika geschickt wurden, „um dort in Saloons und ähnlichen Etablissements von Goldgräbern und Abenteurern zu tanzen und Geld zu verdienen.“ Und sicherlich auch erklären, dass mitnichten all jene junge Frauen „als gefallene Mädchen“ in ihre Heimat zurückkehrten, Vielmehr ob ihrer „neumodischen“ Kleidung in den von Bigotterie und dem durch klerikale Verordnungen geprägten Alltag für Unruhe sorgten.

Also man darf gespannt sein auf das Gespräch zwischen Irene Stratenwerth, Journalistin, Autorin und Kuratorin aus Hamburg, mit dem HR-Moderator Jörg Bombach. Maßgeblich wird es um die Recherchen von Irene Stratenwerth zur Geschichte von Louise Ludwig, die 1863 von ihrem Vater, einem Bauern aus Langenhain-Ziegenberg (heute einem Ortsteil von Ober-Mörlen) an einen sogenannten Landgänger vermietet wurde. Angekündigt wird auch ein Zusammenhang der Hurdy-Gurdy-Girls mit Bad Nauheim. Mal sehen. Zumindest in der Ankündigung zu der Sendung, gibt es keinen Hinweis auf das Musikinstrumentenmuseum in Lißberg, das mit der größten Drehleier-Sammlung Europas unweigerlich auch mit dem Instrument verbunden ist, das den Hurdy-Gurdy-Girls ihren Namen gab.

HR-2-Kultur, „Doppelkopf“ am Donnerstag, 26. November, 12.05 Uhr

Buchhinweis: Irene Stratenwerth „Hurdy Gurdy Girl. Eine weite Reise durch die Nacht, PalmArtPress 2020, 25 Euro

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