Holocaust

Zeitzeuginnen berichten Schülern

Die Holocaust-Überlebzeitzeugen1enden Lilo Günzler (Foto) und Eva Szepesi berichteten Schülern im Friedberger Kreishaus von ihren Erlebnissen während der Nazi-Diktatur.

Geltungsjude

Lilo Günzler erzählte am Montag, 7. März 2016, ungefähr 50 von ihren Erlebnissen während des Holocaust, berichtet der Pressedienst des Wetteraukreise. Lilo Günzler wurde als Tochter einer jüdischen Mutter und eines arischen Vaters in Frankfurt am Main im Jahre 1933 geboren. Ihr Bruder Herbert hatte zwar die gleiche Mutter, jedoch war sein Vater auch Jude, daher erlitt der Bruder ein anderes Schicksal als Lilo. Schon während der Schulzeit musste er in eine jüdische Sonderklasse und 1941 wurde er in ein jüdisches Kinderheim geschickt. Als Lilo 1939 eingeschult wurde, sagte ihre Mutter zu ihr: „Wenn dich jemand fragt, was du bist, sag, du bist Geltungsjude oder Mischling ersten Grades“. Lilo konnte damals nicht viel mit den Begriffen anfangen, aber als bei der Reichskristallnacht jüdische Läden zerstört, die Synagoge angezündet und gerufen wurde: „Juden raus!“ verstand sie den Ernst der Lage. Lilo Günzler erlebte den Krieg hautnah mit und musste sich während Bombenangriffen mit unzähligen Menschen im Keller verstecken. Im Februar 1945 wurden ihre Mutter und ihr Bruder nach Theresienstadt deportiert, sie überlebten beide und kamen nach Kriegsende wieder nach Hause.

Nach dem Vortrag konnten die Schüler Fragen stellen. Nikolas, 14 Jahre alt, wollte wissen, ob kontrolliert wurde, dass die Juden alle ihren Judenstern trugen. Die Nachbarschaft habe sehr gut aufgepasst und direkt die SS informiert, wenn sie eine jüdische Person ohne Judenstern erwischt hatte, antwortete Lilo Günzler.

Mit 12 nach Auschwitz

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Gespannt hören die Schüler den Bericht von Eva Szepesi.      (Fotos: Wetteraukreis)

Am Dienstag, 8. März 2016, Tag kam Eva Szepesi in Friedberger Kreishaus und las zwei Schulklassen aus ihrem Buch „Ein Mädchen allein auf der Flucht“ vor. Als Tochter jüdischer Eltern wurde sie 1932 in Budapest (Ungarn) geboren und hatte einen Bruder. Sie erzählte, dass sie bis zum 6. Lebensjahr eine glückliche Kindheit hatte. Danach fing die Diskriminierung und Ausgrenzung an. Ihre Mutter schickte sie mit ihrer Tante auf die Flucht. Sie reisten mit falschen Papieren in die Slowakei und kam bei anderen Familien illegal unter. 1944 kam Eva Szepesi nach Auschwitz, sie war damals 12 Jahre alt. Bei der Registrierung befahl ihr eine Wächterin zu sagen, dass sie 16 Jahre alt sei. Der 13 jährige Schüler Sören, fragte, warum sie dies tun sollte. Alle unter 16- Jährigen seien direkt vergast und die über 16-Jährigen zur Arbeit eingeteilt wurden, antwortete Eva Szepesi. Sie war ungefähr drei Monate in Auschwitz und wurde 1945 durch die Russen befreit.

Die Klassen beschäftigten sich auch mit der Frage, ob so etwas heutzutage noch einmal passieren könnte? Es herrschte Einigkeit, darüber dass der Nationalsozialismus ein einzigartiges Ereignis sei. Katharina (14 Jahre) fragte: „Wenn die Gesellschaft gelernt hätte, warum grenzen wir dann Flüchtlinge aus und schließen zunehmend die Grenzen?“

Traumatische Erlebnisse

Beide Zeitzeuginnen können erst seit wenigen Jahren über ihre traumatischen Erlebnisse berichten, denn „man erlebt das nochmal“, so Eva Szepesi über das Erzählen der eigenen Geschichte. Lange Zeit wussten ihre Familien nicht, was sie während des Nationalsozialismus erduldet mussten.

Die Veranstaltungen gehören zur Respekt-Reihe, die das Jugendbildungswerkes des Wetteraukreises in Kooperation mit der Bildungsstätte Anne Frank anbietet. „Mit der Veranstaltungsreihe versuchen wir Schülerinnen und Schüler zu Offenheit, Neugier und konstruktivem Umgang mit Fremdheit sowie zu aktiver Gestaltung von Vielfalt zu motivieren“, so Sozialdezernent Helmut Betschel.

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