Hessenpark

Als Bio-Betrieb anerkannt

Nachdem das Freilichtmuseum Hessenpark bei Neu-Anspach im bio2Hochtaunuskreis im Juni 2012 bereits als Arche-Park zertifiziert wurde, erhielt es jetzt die Auszeichnung zum Bio-Betrieb nach den Richtlinien der EG-Öko-Verordnung. Eine Auszeichnung für eine Landwirtschaft nach historischem Vorbild, die strengste aktuelle Standards an die Tierhaltung, die Landwirtschaft und die Produkte aus beiden erfüllt.

Extreme Auflagen

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Das Rote Höhenvieh im Hessenpark. (Fotos: Willführ)

Dass die Deutschen Sattelschweine, die Vorwerk-Hühner, die Waldziegen, die Rhön-Schafe und das Rote Höhenvieh im Hessenpark genügend Auslauf haben, davon können sich die Gäste in dem Freilichtmuseum bei einem Besuch überzeugen. Doch um nach der EG-Öko-Verordnung die Anerkennung als Bio-Betrieb zu bekommen, gehört weit mehr dazu. Nämlich „extreme Auflagen zu erfüllen“, wie Volker Weber, Fachbereichsleiter Historische Landwirtschaft und Umwelt im Hessenpark, berichtet. Auflagen, die von der Auswahl der Futtermittel über die Größe der Auslaufflächen für die Tiere bis zur überwachten Zucht und der Schlachtung uneingeschränkt von Kontrolleuren nach Bio-Kriterien als positiv bewertet werden müssen. Zu denen unter anderem die Nachhaltigkeit gehört. Im Ackerbau dürfen keine chemisch-synthetischen Düngemittel eingesetzt werden. Pflanzenschutzmittel sind nur erlaubt, wenn sie eine Bio-Zulassung haben. Gentechnisch manipulierte Pflanzen sind strikt verboten. Ebenso wie die Anbindehaltung, wie sie einst in Ställen für Milchkühe üblich war.

Spezialisierung bedroht alte Rassen

„Zwei Jahre hat die vorgeschriebene Umstellungszeit in der Tierhaltung und für die Ackerflächen, Wiesen und Weiden gedauert“, erklärt Weber. Der 54jährige Agraringenieur arbeitet seit 2011 im Hessenpark. Ein Mann mit viel Erfahrung, hatte er doch zuvor als selbstständiger Landwirt einen Bioland-Betrieb in Hüttenberg bei Wetzlar. Heute koordiniert er die Arbeit von zwei Mitarbeitergruppen: den Gärtnern und Landwirten.

Die Tierrassen, die in der Landwirtschaft des Hessenparks gehalten werden, stehen alle auf der Roten Liste. Das Coburger Fuchsschaf, ebenso wie die Leine-Gans oder die Meißner-Widder (Kaninchen). „Diese Tiere sind alle Alleskönner“, sagt Volker Weber. Dass sie heute zu den vom Aussterben bedrohten heimischen Tierarten gehören, erklärt der Agraringenieur damit, „dass sie bei der Spezialisierung in der Tierzucht, zum Beispiel auf den Fleischertrag, nicht ‚mithalten‘ konnten.“

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Volker Weber füttert eine Sattelschwein-Wutz.

So war der große Fettanteil der Deutschen Sattelschweine einst ein Gütezeichen. Mit dem Verbraucherwunsch nach möglichst fettarmen Fleisch hatte diese Rasse in der Zucht kaum mehr eine Chance. Für die jetzt mit dem Güte-Siegel versehenen Hausmacher Wurstsorten oder dem Schweineschmalz erhalten die Produkte aus eigener Produktion wieder eine besondere Wertigkeit. Denn Leber-, Blut- und Bratwurst sowie Presskopf der Deutschen Sattelschweine werden im Bio-Betrieb der hessischen Staatsdomäne Mechtildshausen hergestellt – und AUSSCHLIESSLICH im erst in diesem Jahr eröffneten Museums-Shop vermarktet. Eindeutig zu erkennen an der Banderole, die das grüne Euro-Blatt trägt.

Bio-Qualität auch bei Kartoffeln und Äpfeln

Wie die Kartoffeln, die im Hessenpark geerntet werden. Auf 1,5 Hektar Ackerfläche betreiben Volker Weber und seine Kollegen nach historischem Vorbild eine Drei-Felder-Wirtschaft. Sommer- und Wintergetreide wechseln sich nach dieser ab – mit einem Jahr der Brache. In dem dann Kartoffeln wachsen können. Ihre Ernte, so muss Volker Weber einräumen, ist allerdings meist bereits verkauft, wenn die „Dämpfkolonne“ beim Trecker-Treffer oder dem Erntefest, zwei Großveranstaltungen im Herbst-Programm des Freilichtmuseums, „aktiv“ war und die Knollen vom Feld aus einem Riesentopf als Pellkartoffeln von den. Besuchern verspeist wurden.

Bleiben als Produkte des Bio-Betriebs noch die Äpfel und die Trauben. Volker Weber: „Durch den Schnitt an den Bäumen, den wir konsequent seit drei Jahren an unseren Apfel-Bäumen durchführen, konnten wir die Qualität der Früchte schon an vielen Stämmen vom Kelter- zum Tafelobst verbessern.“ Allein: Schon zum Apfelfest ist ihr aller Saft als Süßer direkt von der Kelter weg vom Publikum des Hessenparks getrunken worden.

Vielleicht auch eine Option für die Reben, die im Hochtaunus bei Neu-Anspach geerntet werden? Volker Weber schmunzelt. „Bislang dürfen wir den Wein, den wir herstellen, nur selbst trinken. Denn unser Weinberg ist bislang durch gesetzliche Regelungen nicht zur gewerblichen Nutzung zugelassen.“ Dass er ebenfalls unter EU-Bio-Kriterien hergestellt wird, keine Frage. Die Oechsle-Grade, seien in diesem Jahr sehr gut. Und in 2016, wenn das vorgeschriebene dritte Umstellungsjahr von der herkömmlichen Landschaft auf einen Bio-Betrieb erreicht sei, dann könne es auch einen „guten Tropfen“ für Weißweintrinker aus dem Hessenpark geben. Garantiert in Bio-Qualität.

hessenpark.de

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