Grüner Ring Hanau

Erlebnis für Radler und Wanderer

Von Detlef Sundermannring

Frankfurt besitzt seit 25 Jahren seinen Grüngürtel, gut drei Jahre alt ist hingegen erst der Grüne Ring um Hanau, der jedoch mit 60 Kilometer nahezu die gleiche Länge wie das Frankfurter Vorbild misst. Dreizehn Naturschutzgebiete (NSG) und Fauna-Flora-Habitate (FFH) werden vom Grünen Ring eingeschlossen und die manchen Lust bei Radlern und Wanderern sich auf dem Weg zu machen.

Naturverträglicher Tourismus

Leute mit guter Kondition können auf dem Velo den Ring in rund zweieinhalb Stunden schaffen – man muss aber dann auf das Verweilen an manchem schönen Fleck verzichten. Auf Schusters Rappen braucht es einen langen Sommertag und kurze Pausen, um den Ring zu bewältigen. Gut beschildert ist der Verlauf mit quadratischen Tafeln, auf denen die Strecke grün auf weiß stilisiert abgebildet ist.

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Initiator des Grünen Rings ist das Umweltzentrum der Stadt Hanau und dort in Person die Leiterin Gabriele Schaar von-Römer. Ausgangspunkt war die Planung des Stadtsportamtes für einen Radrundweges im Jahr 2008. Zwei Jahre später votierten die Stadtverordneten für die Idee, jedoch unter der Bedingung, dass vorhandene Wege und Straßen für die Ringbildung genutzt werden, um kein Geld für neue Wege auszugeben. Genug Wege und Pfade durch Wald und Feld gibt es, allerdings geht es auf einigen Abschnitten dennoch auf Autostraßen entlang urbaner Bebauung weiter. Das Einbeziehen vorhandener Wege bildete zudem ein Unterfangen, das viel Klärungsbedarf mit Dritten wie Privatbesitzern oder Hessen- und Bundesforst erforderte, so Schaar von-Römer damals. Denn das Budget für den Start war auf 10.000 Euro begrenzt, davon ist ein großer Teil schon für die Streckenausschilderung verbraucht worden.

Schifflache und Urwildpferde

Beim Markieren des Rings bleibt es nicht. Es wird mehr geboten. So können für bestimmte Abschnitte Pedelecs gemietet werden. Außerdem sollen demnächst kurze Etappen für Ausflüge mit einer Dauer von ein bis eineinhalb Stunden ausgeschildert werden. Bereits zum Programm zählen Themenspaziergänge für alle Altersgruppen unter der Leitung von Mitarbeitern des Umweltzentrums Hanau.
Mit dem Grünen Ring soll natur- und landschaftsverträglicher Tourismus in der Region entwickelt werden, heißt es. Schaar von-Römer verweist zudem auf die Landschaftsvielfalt um Hanau, die bislang bei vielen Bewohner unentdeckt sei und deren Entdeckung nun der Ring ermöglichen soll. Einige der besonderen Stationen auf dem Rundweg sind etwa die Naturschutzgebiete Schifflache, Hirzwald oder Campo Pond mit seinen Przewalski Urwildpferden.

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Die Przewalski Urwildpferde. (Fotos: Sundermann)

Das Campo Pond ist ein ehemaliger Panzerübungsplatz der US-Armee bei Großauheim, davor trainierten dort des Kaisertruppen für künftige Schlachten. Mit dem Abzug der GIs im Jahr 2004 stand die weitere Nutzung des Geländes offen. Fachleute entdeckten jedoch eine seltene Magerrasenfläche, die für die Biodiversität von großer Bedeutung ist. Schon bald erhielt das Gebiet den Status NSG. Über Jahrzehnte trugen Panzerketten dazu bei, dass der sandige Boden nicht verbuschte und eine wertvolle Landschaft erhalten bliebt, heute sind es einige der einst aus dem mongolischen Raum stammenden Przewalski-Pferde, die diese Aufgabe sanfter und mit sympathischem Anblick übernehmen. Gut 2000 dieser Tiere soll es weltweit aus Nachzuchten geben. Der Besuch des Geländes und der putzigen Pferde, die harmloser aussehen, als sie von Natur aus sind, ist jedoch nicht frei zugänglich, Termine und Führungen weiß das Umweltzentrum.

Hanauer Everglades

Der Hirzwald liegt am südlichen Rand von Hanau-Mittelbuchen. Der Forst zeichnet sich einerseits durch plantagenartigen Pflanzungen und andererseits – das sollte das Ziel des Touristen auf dem Grünen Ring sein – durch seinen urigen Altenbestand aus Buchen und Stileichen etwa, die nach ausreichend Regen im flachen Wasser stehen. Abstecher von der Route lohnen sich nicht nur für so manches Gasthaus. Wer Lust auf eine Exkursion verspürt, sollte zu Fuß – mit dem Rad geht es nicht – den Wald links der Kesselstädter Straße erkunden. Zwischen Waldrand und Wiese führt ein Weg hinein, der sich zu einem Pfad verjüngt und bald durch heimische Wildnis an einem Bachlauf entlang führt (den Hochsitz anpeilen). Ist das Bachbett trocken gefallen, erkennt man an den Spuren darin, dass dort gerne Wildschweine durchtrotteln. Nicht unwichtig: Der Pfad bildet im Sommer auch eine prima Teststrecke, um die Wirksamkeit von Mückensprays auszuprobieren.ring2Hanauer Everglads wird die Schifflache zwischen Großauheim und Großkrotzenburg auch genannt, nicht nur wegen der Mücken im Sommer. Das mehr als 60 Hektar große Sumpfgebiet – ohne Krokodile – bildete einst den Mainlauf. Wer sich das FFH-Gebiet auf Google-Earth anschaut, erkennt dort den alten Flussbogen, in dem Wasser und Bäume stehen. Vor mehr als Hundert Jahren haben dort Großkrotzenburger Torf gestochen, um ihn als Brennstoff und in Einzelfällen auch als Deckung für Alkoholschmuggel über die nahe Bayerische Grenze zu nutzen. Die Drainagegräben und vor allem der später Braunkohleabbau in der Nähe, mit dem das heutige Großkrotzenburger Strandbad entstand, sowie ein defekter Zulauf legten die Schifflache weitgehend trocken. Nach der Wiederherstellung des Zulaufs steht das Sumpfgebiet seit 2004 wieder unter Wasser. Während der Trockenzeit wuchsen Bäume und die nun ob der Dauernässe absterben, was ein wunderbares bizarres Bild abgibt. Eine vielfältige Natur konnte wieder heimisch werden. Ein Revier für Vogelkundler! Ein Radweg quert die Schifflache. Auf östlicher Seite gibt es einen Fußpfad, der dicht den alten Mainbogen gen Großkrotzenburg folgt.

Nur gucken, mehr nicht

Nah am Verlauf des Grünen Rings und einen Abstecher wert ist auch ring1der Erlensee im Süden der gleichnamigen Stadt. Bis 1981 war der heutige See eine Sand- und Kiesgrube für der Autobahnbau. Seit 1989 ist  der Erlensee Teil des 196 Hektar großen Naturschutzgebiets.  Ufernah kann auf einem Pfad die Natur zu Fuß erkundet werden. In unregelmäßigen Abstanden sind sorgsam freigeschnittene Zugänge zum Wasser vorzufinden. Gucken ist dort erlaubt, alles weitere strikt verboten. Es handelt sich um Zugänge für Angler. Der See und die Uferzone in dem FFH-Gebiet gehört dem örtlichen Anglerverein.

Das Umweltzentrum hat für den Grünen Ring eine detaillierte Karte in Stadtplanqualität mit Linienplan der Hanauer Busbetriebe herausgegeben. Die 13 Naturschutzgebiete und Fauna-Flora-Habitate sind mit Name und Nummer versehen. Auf der Rückseite gibt jeweils eine kurze Beschreibung zu „Besonderheiten“ und zur „Tier- und Pflanzenwelt“ samt Foto. Auf den Grünen Ring lässt es gut mit leichten Gepäck bewegen, die Karte zeigt, wo zur Stärkung eingekehrt werden kann. Bei der Tourenplanung sollte das jedoch vorsichtshalber ob der Öffnungszeiten angerufen werden. Die Telefonnummer wird auf der Karte genannt. Denn das hübsch gelegene Restaurant Jagdhaus an der Alten Fasanerie in Klein-Anheim war zur Drucklegung der Karte noch geöffnet, mittlerweile ist dort die Küche auf immer kalt.

Zum Umwetlzentrum: umwelt
Zum Grünen Ring: ring
Für Radler: adfc-main-kinzig

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