Grüne Wetterau

Neue Kandidaten, neuer Vorstand

Von Klaus Nissen

In den Achtzigerjahren trugen die Grünen ihre politischen und personellen Diskussionen noch in öffentlichen, teils chaotischen Sitzungen aus. Das vermittelte zwar kein gutes Bild von der Partei, aber es machte sie transparent. Heute läuft es anders. In einer nichtöffentlichen Sitzung wechselten die Wetterauer Grünen fast den kompletten Kreisvorstand aus.

Diese Grünen machen künftig Politik

Bundesweit sind die Grünen nach der CDU die zweitstärkste Kraft – doch in der Wetterau landeten sie nach der Kommunalwahl 2016 nur auf Platz vier, hinter der AfD. Das soll sich am 14. März 2021 ändern. Der Kreisverband der Ökopartei ist in den letzten zwei Jahren um 80 auf rund 330 Mitglieder gewachsen. Auf den aussichtsreichen Listenplätzen für den Kreistag tauchen neue Gesichter auf. Und im Kreisvorstand gab es eine große Rochade, die Fragen aufwirft. Der Einfluss des größten Ortsverbandes – Bad Vilbel – hat sich offenbar verringert.

Diese Köpfe stehen für den größten Wetterauer Grünen-Ortsverband – den aus Bad Vilbel. Nur noch wenige von ihnen sind auf der Kreisebene aktiv. Foto: Grüne Wetterau

Nur noch drei Grünen-Politiker aus dem vorigen Kreisvorstand sitzen auch im neuen: Marcus Stadler aus Nidda, Susanne Schmidt aus Butzbach und der Kassenwart Thomas Brachwitz als letzter Bad Vilbeler. Die bisherigen Vorstandssprecherinnen Myriam Gellner und Jana Peters (beide aus Bad Vilbel) traten bei der Mitgliederversammlung vorigen Sonntag in Dortelweil nicht mehr für den Vorstand an. Während Myriam Gellner als Spitzenkandidatin 2021 in den Kreistag wechselt, verschwindet Jana Peters ganz aus der Grünen-Riege auf Kreisebene.

Colletti und Zebunke sind neue Sprecher

Der Bad Vilbeler Clemens Breest verließ ebenfalls den Kreisvorstand und beschränkt sich in der Wetterau auf seinen Teilzeitjob als Mitarbeiter der Bad Vilbeler Landtagsabgeordneten Kathrin Anders. Heike Strohschnitter aus Hainchen und der Altenstädter Jonas Nitzl sind nicht mehr im Kreisvorstand.

Michaela Colletti aus Rosbach

Zu neuen Kreissprechern wählten die Grünen in der nichtöffentlichen Sitzung die Rosbacherin Michaela Colletti und den Friedberger Thomas Zebunke. Colletti ist Stadtverordnete in Rosbach und verdient ihr Geld als Chefin eines Übersetzungsbüros. Die überzeugte Europäerin sei aktives BUND- und NABU-Mitglied, schrieb ihr Co-Sprecher Thomas Zebunke gestern in einer Pressemitteilung. Zebunke selbst ist 1961 geboren. Er stammt aus Nordrhein-Westfalen, studierte Agrarwissenschaften und arbeitet als Referent im hessischen Umweltministerium. Er sitzt seit 2016 im Kreistag und konkurrierte 2018 erfolglos bei der Landrats-Direktwahl mit Jan Weckler (CDU) und Stephanie Becker-Bösch (SPD). Colletti und Zebunke können mit den Plätzen fünf und sechs sicher auf den Einzug in den nächsten Kreistag rechnen. Neu in den Grünen-Kreisvorstand kamen bei der nichtöffentlichen Mitgliederversammlung außerdem Gudrun Neher und Montgomery Wagner aus Florstadt und Heike Roth aus Butzbach.

Thomas Zebunke aus Friedberg

Im Kreistag war die Grünen-Fraktion 2016 von 13 auf sieben Sitze geschrumpft. Die Aktiven der Partei hoffen nun, dass sich ihre Gruppe bei der Wahl im März wieder stark vergrößert. Die Listen-Aufstellung im Oktober war nach Insider-Angaben stark umkämpft. Auf den vorderen Plätzen gibt es nun eine Mischung bekannter und unbekannter Namen. Zur ersten Kategorie gehören Michael Rückl aus Wölfersheim (Platz 2), Gerhard Salz (8), Christa Degkwitz aus Echzell (11), Dorothea Warns-Ventulett aus Altenstadt (13), Marcus Stadler aus Nidda (14) und die Büdingerin Sylvia Klein, die auf Platz 15 nicht sicher mit einem Kreistagssitz rechnen kann. Weniger bekannt sind die aussichtsreichen Kreistagskandidaten Isabella Mc Nicol und Oliver Seuss aus Niddatal, Isil Yönter und Sascha Nuhn aus Bad Vilbel, Bettina Dascher aus Nidda und Felix Kratz aus Ortenberg. Katja Dombrowski aus Friedberg (Listenplatz 21) wird ihr Kreistagsmandat wahrscheinlich verlieren.

Im Ostkreis ist die Personaldecke dünner

Dass es zuletzt „Verwerfungen“ innerhalb der Wetterauer Grünen gab, ist aus mehreren Quellen zu hören, offiziell aber von niemandem. Parteimitglieder deuteten an, dass die rund 70 Mitglieder des größten Ortsverbandes Bad Vilbel anders „ticken“ als ihre Parteifreunde in den Gemeinden und Kleinstädten der östlichen Wetterau. Auf dem Lande sei es beispielsweise sehr wichtig, stets bei Treffen präsent zu sein. Das sei bei nur etwa 70 Mitgliedern und Mandatsträgern im Ostkreis aber nicht leicht. In der Stadt Ortenberg zum Beispiel reicht die Zahl der aktiven Mitglieder bisher nicht aus, um eine Ortsgruppe zu bilden.

Nun versucht der junge Kreistagskandidat Felix Kratz, daheim in Ortenberg eine Kandidatenliste für das Stadtparlament aufzustellen. Dazu sucht er auch Nichtmitglieder, die bereit sind, eine solche ehrenamtliche Aufgabe anzunehmen. Als „Pate“für diese Liste fungiert der in Florstadt wohnende Gerhard Salz, ein ehemaliger Lehrer an der Gesamtschule Konradsdorf.

Die abgelöste Kreissprecherin Myriam Gellner aus Bad Vilbel ist jetzt Spitzenkandidatin der Grünen für den Kreistag. Der dort schon lange aktive Michael Rückl aus Wölfersheim (links) steht auf Platz 2. Eric Duda (Mitte) hatte bereits seine Chance, groß herauszukommen. Er verlor die Bürgermeister-Direktwahl in Limeshain gegen den Amtsinhaber Adolf Ludwig von der SPD. Alle Fotos Grüne Wetterau

Kreisweit „werden wir uns den Herausforderungen stellen“, sagt die neue Parteisprecherin Michaela Colletti. „Wir werden uns in diesemWinter-und Corona-Wahlkampf mit neuen Formaten präsentieren, vor allem mit Abstand durch Video-und Online-Angeboten. Die Bedürfnisse der Menschen werden wir aber auch vor Ort abholen“, kündigen Colletti und Zebunke für den neuen Vorstand an. Man suche aktiv den Dialog mit der Bürgerschaft suchen.

Zebunke: „Es geht uns um unseren Beitrag gegen den Klimawandel, für mehr Artenvielfalt in unseren schönen Landschaften, regionale Wirtschaftskreisläufe, beschleunigte Digitalisierung, lebendige Dörfer und Innenstädte, ein stabiles Gesundheitssystem und ein starkes Gemeinwesen gegen den Rechtsextremismus.“ Das 25 Seiten umfassende Wahlprogramm der Grünen ist weitgehend fertig, wird aber erst Anfang 2021 beschlossen. Vorrang haben darin der Klimaschutz, die Frauen- und Genderpolitik, Familien und Jugend, das Jugendgästehaus Hubertus, die Integragtion, das Leben im Alter, die Wohnungspolitik und dann die Entwicklung der Bahn-, Bus- und des Radwege-Systems in der Wetterau.

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