Gießener Silvesterlauf

2000 Starter am Schiffenberg

von Helmut Serowy

Vor Corona schrammten die Teilnehmerzahlen beim traditionellen Silvesterlauf des LAZ Gießen „Rund um den Schiffenberg“ knapp an der 1000er-Marke vorbei. Hoch war auch die Beteiligung bei den folgenden virtuellen Veranstaltungen. Bei der 52. Auflage des Gießener Silvesterlaufes registrierten die Organisatoren schließlich das völlig unerwartete Rekordergebnis von 1920 Startern und exakt 1600 Finishern.

Frauenanteil fast 50 Prozent

„Damit stoßen wir an die absolute Kapazitätsgrenze“, fieberte Mit-Organisator Jörg Theimer vor Jahresfrist dem nächsten Event entgegen. In Absprache mit der Stadt Gießen wurde zur 53. Auflage das Teilnehmer-Limit dennoch auf 2000 und später gar auf 2200 Starter erhöht, der Veranstaltungsablauf weiter optimiert. Im Ziel vor der Gießener Osthalle begrüßten die Moderatoren Markus Bourcarde und Sven Schnitker von den Running-Voices schließlich 1814 Finisher. Neben diesem weiteren Rekordergebnis freute sich Jörg Theimer besonders, dass sich die Frauen-Quote beim Gießener Silvesterlauf auf inzwischen 47 Prozent erhöht hat.

Kräftezehrende 300 Höhenmeter

Zahlreiche Steigungen und verschlungene Wege bis hoch zur Umrundung des Schiffenberger Klosters erwarten die Läuferinnen und Läufer beim Halbmarathon im Rahmen des Gießener Silvesterlaufes. Kräftezehrende 300 Höhenmeter sind bei der Königsdisziplin der Veranstaltung zu bewältigen. Bei frostiger, für die Jahreszeit aber doch angenehmer Witterung und gut zu laufenden Waldböden fanden sie optimale Winterlauf-Bedingungen vor. Von den 581 gemeldeten    Halbmarathon-Läufern konnten immerhin 502 Starter im Ziel registriert werden.

Nach dem Schüler-Rennen eröffneten die Halbmarathon-Läufer um 10 Uhr das kompakte Hauptprogramm des 53. Gießener Silvesterlaufes. Die 10-km-Läufer folgten um 10.45 Uhr, die 5-km-Läufer um 11.10 Uhr. Zum Zieleinlauf vermischten sich alle Gruppen auf dem Rückweg zur Sporthalle Ost zu einer endlosen Läuferschlange.

Halbmarathon

Den Halbmarathon hatte Moritz Weiß (M30) von der LGV Marathon Gießen bereits in den beiden letzten Jahren unter Kontrolle. Auch diesmal setzte er sich auf der zweiten Streckenhälfte von seinem letzten Begleiter ab und lief mit 1:13:44 Stunden einen Vorsprung von zwei Minuten heraus. Der vor Jahren bereits erfolgreiche Jamal Sanhaji (Blau-Gelb Marburg) folgte ebenfalls als Solist nach 1:15:47 Stunden. Er gewann als Gesamt-Zweiter die M35 vor Alexander Claas vom Team Naunheim, der sich mit 1:18:13 Stunden vom vierten Rang des Vorjahres zu Bronze im Männer-Klassement verbesserte. Damit verdrängte er den Vorjahres-Dritten Lars Siegmund vom LC Diabü Eschenburg auf den vierten Rang. Der Vierte der Deutschen Seniorenmeisterschaften über 5000 m der M45 verteidigte mit 1:18:38 Stunden allerdings seinen ersten Rang in der M45 erfolgreich.

Moritz Weiß (LGV Marathon Gießen) gewinnt zum dritten Mal in Folge beim Gießener Silvesterlauf den Halbmarathon

Auf dem fünften Platz folgte der österreichische Extremsportler Rainer Predl (1:19:23 Std) als Dritter der M35 vor den ebenfalls in dieser Klasse startenden Maurice Moufang (1:19:45 Std) und Andreas Ogrizek (1:20:16 Std) von der LGV Marathon Gießen und dem Hauptklassen-Sieger Tom Harder vom SV Brackwede (1:21:06 Std). Schnellster der M40 war Jürgen Murrmann mit 1:21:36 Stunden. Die M50 führte der Deutsche Marathon-Meister der beiden letzten Jahre, Daniel Hoffmann von der LGV Marathon Gießen (1:24:04 Std), die M55 Marco Schneider (1:25:39 Std), die M60 Stefan Kopp vom TSV Krofdorf-Gleiberg (1:33:50 Std), die M65 Volker Walch vom TSV Königsberg (1:43:32 Std) und die M70 Harald Schick vom Lauf-Treff Biebertal (1:46:26 Std) an.

Drei Siegerinnen am Start

Die Halbmarathon-Siegerinnen der letzten drei Jahre trafen diesmal beim Silvesterlauf aufeinander. 2023 hatte die Triathletin Jessica Lewerenz vom Team Naunheim schon einmal die Frauen-Wertung des Halbmarathon gewonnen. Bei der 53. Auflage glänzte sie erneut und stürmte nach hervorragenden 1:27:46 Stunden mit über vier Minuten Vorsprung zum nächsten Erfolg und dem Sieg in der W35. Vorjahressiegerin Elisa Bade vom Laufteam Kassel knüpfte an ihre Leistung vor Jahresfrist an und holte sich mit 1:32:05 Stunden den zweiten Rang. Bronze sicherte sich mit 1:32:40 Stunden die Siegerin von 2022, Julia Altrup vom ASC Breidenbach. Die frühere 800-m-Spezialistin, die sich inzwischen den längeren Strecken zugewendet hat und unter anderem bei den Deutschen Triathlon-Meisterschaften über die Kurzdistanz den Titel in der W25 holte, erreichte das Ziel nach 1:32:40 Stunden.

Die Triathletin Jessica Lewerenz (Team Naunheim) glänzt als Frauen-Siegerin über die 21,1-km-Distanz

Ihre Stärke unterstrich als Vierte die W50-Läuferin Karin Hahnfeld vom MTV Gießen (1:33:15 Std) vor Elisabeth Grund (W30 – 1:33:36 Std), der Hauptklassen-Dritten Tara Kiani von der LGV Marathon Gießen (1:33:59 Std) und der U23-Siegerin Lorena Kohlas vom SV Fun-Ball Dortelweil (1:36:21 Std). Die W40 führte als Achte Jana Schütt vom SF Blau-Gelb Marburg (1:36:31 Std) an.

Monika Donges vom Team Naunheim – Führende in der Deutschen Jahresbestenliste der W70 im Halbmarathon mit 1:43:57 Stunden – glänzte auf der kräftezehrenden Strecke in Gießen mit einer Verbesserung auf 1:41:24 Stunden. Weiter Klassen-Erfolge schafften bei den Seniorinnen in der W45 Kerstin Schmitz vom RVW Gambach (1:49:18 Std), in der W55 Ruth Graulich von der LGV Marathon Gießen (1:53:56 Std), in der W60 Daphne Huber von Eintracht Frankfurt Triathlon (2:14:15 Std) und in der W65 Petra Tamme (2:14:58 Std).

10 Kilometer

Beliebteste Strecke ist beim Gießener Silvesterlauf der 10-km-Lauf. Das unterstreichen auch wieder die 947 Meldungen und 794 Finisher bei der 53. Auflage. Auch dieser Wettbewerb mit seiner langen Steigung im Mittelteil und 120 Höhenmetern ist recht anspruchsvoll und erfordert eine sinnvolle Renneinteilung.

Diese beherrscht Niklas Raffin vom TSV Krofdorf-Gleiberg, der vor drei Jahren den Halbmarathon anführte und anschließend zweimal über 10 Kilometer erfolgreich war. Früh übernahm er auch zum Jahreswechsel 2025 am Anstieg die Initiative und baute auf der Bergab-Passage seine Führung weiter aus. Im Ziel feierte er nach 33:02 min seinen dritten 10-km-Sieg in Folge. Der Jugendliche Lennox Hardt vom LGV Marathon Gießen hielt am längsten Anschluss und holte sich nach 33:56 min den zweiten Rang vor Benjamin Lückert vom ausrichtenden LAZ Gießen (35:00 min).

Ebenfalls dreimal hintereinander stürmt Niklas Raffin (TSV Krofdorf-Gleiberg) zum 10-km-Erfolg

Philip Scharck von der LGV Marathon Gießen verteidigte mit 35:48 min seinen vierten Rang im Gesamteinlauf und den Sieg in der M35. 800-m-Spezialist Niklas Harsy vom Athletics-Team Karben verbesserte sich mit 36:13 min vom siebten auf den fünften Platz – gefolgt von Luis Graulich (LGV Marathon Gießen, 36:17 min), Simon Mussie (Team Naunheim, 36:35 min), dem  M35-Zweiten Timo Biedenkapp (SV Saasen, 36:47 min) sowie den Siegern der M40 und der M30 – Florian Beuermann (TSV Krofdorf-Gleiberg, 37:08 min) und Janek Waldschmidt (MTV Gießen, 38:02 min).

Sven Bartels vom Triathlon Wetterau Friedberg (38:30 min) holte sich den Titel in der M45. Markus Schraub vom TSV Krofdorf-Gleiberg (38:41 min) lag in der M50, Peter Kern (Laufen fürs Leben, 47:54 min) in der M55, Hartmut Gogol vom RVG Rockenberg (44:53 min) in der M60, Achim Stangl vom TV Geiss-Nidda (47:10 min) in der M65, Hermann Kracht von der DLRG Wetzlar (52:14 min) in der M70 und Günther Scheibehenne vom SC Hinterland (54:19 min) in der M75 in Front.

Bereits zum vierten Mal in Folge stürmte Lisa Schmitt aus Lahnau am Schiffenberg zum Erfolg über 10 Kilometer. „Ich habe mich heute besser gefühlt wie bei meiner Marathon-Bestzeit von 2:48:09 Stunden in Valencia. Ich hoffe, im März in Frankfurt auch meine Halbmarathon-Zeit weiter steigern zu können“, strahlte die W35-Starterin nach 38:07 min. Eng wurde die Entscheidung um die weiteren Podestplätze. Hier setzte sich Elisa Köhler vom TV Wetter mit 40:28 min gegen die  Siegerin der W50, Marina Wittmann vom 1. Hanauer Lauftreff (40:35 min), durch.

Gar ihren vierten 10-km-Sieg in Folge feiert Lisa Schmitt (Lahnau) am Schiffenberg

Mit Abstand folgten die schnellste W30-Läuferin Amelie Bernshausen vom MTV Gießen (42:34 min), die Vorjahres-Zweite Alina Rubener vom LGV Marathon Gießen (43:58 min), die W50-Zweite Ruta Ozolina vom VfL Marburg (44:46 min) und die Halbmarathon-Zweite des Vorjahres, Luisa Orth vom TuS Driedorf (45:01 min).

Weitere Klassensiege verbuchten bei den Seniorinnen in der W40 Janina Kraft vom Team Naunheim (47:16 min), in der W45 Sophie Cyriax vom SC Hinterland (46:42 min), in der W55 Maria Förster von Dynamo Bortshausen (46:17 min), in der W60 Elke Zender von der TSG Wehrheim (53:54 min), in der W65 Susanne Lühring vom TV Asslar (57:07 min) und in der W70 Petra Schladitz vom TV Kesselbach (56:34 min).

5 Kilometer

Für den leicht veränderten, weitgehend flachen 5-km-Lauf am Fuße des Schiffenberges hatten sich 469 Läuferinnen und Läufer gemeldet. Angeführt wurden sie wieder von den Geschwistern Finn und Svea Regina vom TV Wetzlar, Die Nachwuchs-Talente hatten in den beiden letzten Jahren die Männer- und Frauen-Wertung souverän gewonnen.

Doppelsieg für Geschwister Regina

Nichts anbrennen ließ erneut Finn Regina. Vom Start weg stürmte er dem großen Feld als Solist voraus und siegte überlegen in 15:34 min – 44 Sekunden schneller als im Vorjahr. „Es war schon anstrengend, aber ich bin total zufrieden“, zog der A-Jugendliche nach seinem dritten Sieg in Folge ein positives Resümee. Zu Silber lief der M45-Sieger Florian Bartels vom LSC Bad Nauheim mit 17:04 min. Das Duell um Bronze gewann der U23-Schnellste Lorenz Rojahn in 17:47 min vor dem M35-Lokalmatadoren Loran Tanriverdi vom MTV Gießen (17:48 min).

Der Jugendliche Finn Regina (TV Wetzlar) jagt zum dritten aufeinander folgenden Pokal-Gewinn über 5 km

Zum Hattrick schickte sich bei den Frauen auch Svea Regina an. Die Vorjahres-Dritte Laurine Freitag von der LGV Marathon Gießen – die ihre Marathon-Bestzeit gerade erst auf 2:52 Stunden steigerte – forderte die Süddeutsche U23-Meisterin über 1500 m allerdings heraus. Das packende Duell entschied Svea Regina erst im Zielsprint mit 18:02 min knapp vor Laurine Freitag (18:06 min). Die elfjährige Anna Döring von der TSG Alten-Buseck glänzte mit dem dritten Rang in 21:16 min. 

Über einen Hattrick nach packendem Duell freut sich in der Frauen-Konkurrenz über 5 km auch Svea Regina (TV Wetzlar)
Walker – 5 und 10 Kilometer

Im Rahmen des Gießener Silvesterlaufes wurden auch wieder über 5 und 10 Kilometer separate Walking-Wertungen angeboten. Den 10-km-Wettbewerb dominierten mit hervorragenden 59:54 min Olaf Knecht vom TSV Hessen Frankenberg/Eder und Jessica Caplan mit 1:10:08 Stunden. Eine Klasse für sich war über 5 Kilometer bei den Männern Philipp Wörlein mit 32:34 min. Das Frauenfeld führte Felicitas Beßeler mit 34:14 min an.

Das Titelbild zeigt die Läuferschlange im Schiffenberger Wald beim Gießener Silvesterlauf 2025
Alle Fotos: Helmut Serowy

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