Gefahr für Stroke Units

Weitere Wege für Schlaganfall-Patienten

Von Klaus Nissen

Ein Urteil des Bundessozialgerichts führte sofort zu einer massiven Honorarkürzung für Krankenhäuser, die Schlaganfall-Patienten akut betreuen. Deren schnelle Versorgung  in den Stroke Units ist nun in Gefahr. Das verkündeten am 2. Oktober 2018 der Leitende Notarzt Dr. Reinhold Merbs und Dirk Fellermann, der Chef des Gesundheitszentrums Wetterau (GZW).

Gefahr für Stroke Units

Jedes Jahr erleiden etwa 1300 der 300 000 Wetterauer einen Schlaganfall. Ihre Behandlung kann sich durch ein Urteil des Bundessozialgerichtes verzögern, warnten sie. Es drohe die Schließung vieler deutscher Stroke-Units – auch der in Friedberg. Inständig baten Merbs und Fellermann die ins Bad Nauheimer Hochwaldkrankenhaus gebetenen Bundestagsabgeordneten, schnell einzugreifen.

Professor Tibo Gerriets, Chefarzt der Friedberger Stroke-Unit, erklärt am Computertomografen den Querschnitt durch ein Gehirn. Fotos: Nissen

Es geht um die Bezahlung der Stroke-Units. Wer in der Wetterau über die 112 Schlaganfall-Symptome meldet, wird laut Reinhold Merbs „mit Vollgas“ ins Friedberger Bürgerhospital gebracht. Aus der Region Nidda und dem Vogelsbergkreis kommen die Patienten in die Stroke-Unit der Bad Salzhausener Asklepios-Klinik. Jede Minute zählt, so der Friedberger Chefarzt Tibo Gerriets. Mit High-Tech-Geräten  erforscht man das Ausmaß der Krise. Dann öffnen die Ärzte verstopfte Hirngefäße mit blutverdünnenden Medikamenten oder Kathetern. In der elf Betten zählenden Stroke-Unit in Friedberg werden sofort Therapien eingeleitet. Man  untersucht, ob die Patienten Schluckstörungen haben. Denn die meisten Menschen sterben laut Tibo Gerriets, weil wegen der Schluckstörungen Speisereste in die Atemwege geraten, die zu Lungenentzündungen führen. Etwa drei Tage dauert die Diagnose und das „Komplikationsmanagement“ in der Stroke-Unit. Das senkte laut Tibo Gerriets die Todesrate der Schlaganfall-Patienten um ein Drittel.

Dirk Fellermann, Direktor des Gesundheitszentrums Wetterau.

Aber es ist aufwendig. Das Gesundheitszentrum Wetterau rechnete dafür bisher um die 3000 Euro pro Fall ab. Doch neuerdings zahlt die Barmer Ersatzkasse rund tausend Euro weniger, beklagte Krankenhaus-Manager Fellermann. Sie berufe sich auf ein Urteil des Bundessozialgerichts vom 19. Juni. Nach einem vierjährigen Gerichtsverfahren verschärften  die Richter die 30-Minuten-Frist für die Verlegung eines Schlaganfall-Patienten in die übergeordnete Stroke-Unit.

Bisher lief die Halbstundenfrist vom Fahrtbeginn bis zum Fahrtende. Aus der Wetterau sind die Patienten durchschnittlich 21 Minuten nach Frankfurt oder 25 Minuten nach Gießen unterwegs, wenn eine radiologische Untersuchung oder eine Operation zur Gefäß-Erweiterung (Thrombektomie) nötig wird. So eine Verlegung war 2017 nur bei fünf der 671 Friedberger Schlaganfall-Patienten nötig  – doch die Honorarkürzung betrifft alle, klagte Dirk Fellermann. Denn die Sozialrichter bestimmten,  dass der Honorarsatz OPS 8-981 nur dann gilt, wenn ein Patient von der Verlegungs-Entscheidung des Arztes bis Behandlungsbeginn in der zentralen Stroke-Unit maximal 30 Minuten unterwegs ist.

Die Barmer kürzte das Honorar zuerst

Das sei nicht zu schaffen, versicherten die Wetterauer Ärzte während der Pressekonferenz. Wenn nun alle Krankenkassen wie die Barmer das Honorar kürzen, dann verliert das Gesundheitszentrum laut Fellermann pro Jahr rund 750 000 Euro – sogar rückwirkend seit 2014. „Als Klinik muss man dann überlegen: Führt man es weiter oder lässt man es sein.“ Eine Schließung der Stroke-Unit wäre für die Wetterauer katastrophal,  sagte Gesundheitsamts-Direktor Reinhold Merbs. Bei Schlaganfällen müsse man die Patienten dann gleich nach Gießen oder Frankfurt bringen. Das dauere länger und benötige viel mehr Rettungswagen als jetzt. Zumal die Stroke-Units in den großen Städten nicht auf zwei bis drei zusätzliche Wetterauer Patienten pro Tag eingerichtet seien.

Was nun? Der Honorarschlüssel muss vom Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ausdrücklich auf die 30-minütige Transportzeit bezogen werden, forderten die Bundestagsabgeordneten Kordula Schulz-Asche (Grüne) und Bettina Müller (SPD) am Dienstag. Das sei für 2019 geplant, meldete  Spahns Ministerium auf eine Grünen-Anfrage. GZW-Direktor Fellermann bat brieflich den Hessischen Sozialminister Stefan Grüttner (CDU), auch schon 2018 Jahr die Honorarkürzung durch die Krankenkassen zu beanstanden.

Gesundheitszentrum Wetterau

Seit 2005 vereinigten der Kreis und die Stadt Bad Nauheim ihre Kliniken im  Gesundheitszentrum Wetterau (GZW). Es behandelt an sechs Standorten (auch in Schotten) mit 1850 Mitarbeitern pro Jahr rund 25 000 Menschen stationär und 50 000 ambulant. Die 14 einrichtungen machen rund 110 Millionen Euro Umsatz. Eine Stroke-Unit betreibt das GZW seit 2011 in Friedberg. Es soll 2024 nach Bad Nauheim umziehen. In Bad Salzhausen gibt es schon seit 1996 die Stroke-Unit des Asklepios-Konzerns.

2 Gedanken zu „Gefahr für Stroke Units“

  1. Die angepriesene Computertomografie ist so gefährlich wie eine Atombombe!
    Mit der Computertomografie bekommt man schon bei einmaliger Anwendung eine Strahlendosis verpasst, die entspricht der 100- bis 1000-fachen Strahlendosis des konventionellen Röntgens, vgl. z.B. http://www.pm.ruhr-uni-bochum.de/pm2007/msg00110.htm oder der Strahlung, die Atombomben-Opfer erhielten, die sich 1945 etwa 3,2 Kilometer entfernt vom Zentrum der Detonationen aufhielten, vgl. z.B. https://www.welt.de/wissenschaft/article1667375/Experten-warnen-vor-Computertomografie.html. Nach dem Urteil des BGH, 03.12.1997 2 StR 397/97 stellt ein um 100-faches herkömmliches Röntgen über einen Zeitraum von ca. 10 Jahren eine gefährliche strafbare Körperverletzung dar.
    Als das Urteil erging, gab es noch keine Computertomografie.
    Da bereits ein 100-faches herkömmliches Röntgen gefährliche Körperverletzung ist, stellt bereits nur eine Computertomografie eine gefährliche Körperverletzung dar. Mein betreuter Vater erhielt 9 unnütze Cts des Hirnschädels, also 9mal Atombombenstrahlung, ohne dass ich als Betreuer gefragt wurde. Das herkömmliche Röntgen oder die Magnetresonanztomografie scheinen weniger Profit zu bringen.
    Weitere Berichte zu menschenrechtswidrigen Verfahrensweisen kann man im Internet z.B unter „unser täglich Gift“ sowie unter „Rechtsbeugung“ finden.

  2. Die Computertomographie ist lebensgefährliche Körperverletzung!

    Entstehung von Krebs:
    Die Daten von 10,9 Millionen Menschen aus den Jahren 1985 und 2005 wurden retrospektiv untersucht und die Inzidenz von Krebserkrankungen mit der Anzahl der CT-Untersuchungen verglichen. Die Ergebnisse, kurz zusammengefasst:
    • Menschen, die eine CT-Untersuchung über sich ergehen ließen, hatten knapp 10 Jahre nach der Strahlenexposition ein etwa 24% (Konfidenzintervall 20-29%)
    höheres Risiko, eine Krebserkrankung zu entwickeln als Menschen, die keine CTUntersuchung hatten.
    • Die durchschnittliche Strahlendosis einer CT-Untersuchung betrug bei den ausgewerteten Daten etwa 4,5 mSv.
    • Alter, Geschlecht oder Geburtsjahr stellten dabei keine signifikanten Konfounder dar.
    • Mit jeder weiteren CT-Untersuchung stieg das Risiko einer Krebserkrankung um etwa 16% (Konfidenzintervall 13-19%). Es gibt also eine nachvollziehbare Dosis-Wirkungs-Relation
    • Vor allem Menschen, die in jungen Jahren Röntgenstrahlen ausgesetzt waren, hatten ein erhöhtes Krebsrisiko nach Strahlenexposition. Die nach Alter aufgeschlüsselten Risiken betrugen:
    • CT Untersuchung im Alter von 1-4 Jahren: 35% höheres Krebsrisiko (Konfidenzintervall 25-45%)
    • CT Untersuchung im Alter von 5-9 Jahren: 25% höheres Krebsrisiko (Konfidenzintervall 17-34%)
    • CT Untersuchung im Alter von 10-14 Jahren: 14% höheres Krebsrisiko (Konfidenzintervall 6-22%)
    • CT Untersuchung im Alter von mehr als 15 Jahren: 24% höheres Krebsrisiko (Konfidenzintervall 14-34%)
    • Vor allem Leukämien, Myelodysplasien, Lymphome, solide Tumore des Magendarmtrakts, Melanome, Weichteilsarkome, Tumore des weiblichen Genitaltrakts, urologische Tumore, Hirntumore und Schilddrüsenkrebs zeigten einen signifikanten Anstieg in der strahlenexponierten Bevölkerung. Einige besonders eklatante Beispiele:
    • Das Risiko, nach einer CT-Untersuchung des Schädels einen Hirntumor zu entwickeln, stieg in der untersuchten Population um 144% an
    (Konfidenzintervall 112-181%)
    • Das Risiko, nach einer CT-Untersuchung des Abdomens eine Leukämie zu entwickeln, stieg in der untersuchten Population um 224% an
    (Konfidenzintervall 117-384%)
    • Das Risiko, nach einer CT-Untersuchung des Brustkorbs einen Weichteiltumor zu entwickeln, stieg in der untersuchten Population um 364% an (Konfidenzintervall 74-1140%)
    (Quelle: https://www.ippnw.de/commonFiles/pdfs/Atomenergie/Krebs_nach_niedrigen_Strahlendosen.pdf)
    Entstehung von Schlaganfällen und anderen Herz- Kreislauferkrankungen:
    Zitat aus https://cordis.europa.eu/article/rcn/31402/de (mit dortiger Abbildung eines Computertomographen): „Das Forscherteam am Imperial College London, Vereinigtes Königreich, entwickelte ein Computermodell zur Vorhersage von Herz-Kreislauf-Risiken durch niedrig dosierte Strahlung. Herzerkrankungen und Schlaganfall, die beiden häufigsten Todesursachen in entwickelten Industrieländern, stehen, wie das Modell zeigte, in starkem Zusammenhang mit der empfangenen Strahlendosis.“
    Entstehung von Alzheimer:
    Zitat aus https://www.helmholtz-muenchen.de/aktuelles/uebersicht/pressemitteilungnews/article/36513/index.html: „Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München haben in Kooperation mit Kollegen aus Dänemark, Italien und Japan in der Fachzeitschrift Oncotarget beschrieben, dass Strahlung eine molekulare Änderung im Hypocampus auslöst.“
    Bei Mäusen führten schon viel geringere Dosen zu Alzheimer-Symptomen,
    Zitat aus: https://netzfrauen.org/2016/10/30/studie-universitaet-sued-daenemark-es-gibt-befuerchtungen-dass-radioaktive-bestrahlungen-zur-entwicklung-von-alzheimer-beitragen-koennen-concern-that-radiation-may-contribute-to-development-of-alzhe/:
    „Bei einem Kopf-CT variieren die Dosen zwischen 20 und 100 mGy. Sie dauern ungefähr eine Minute an. Während eines Fluges ist ein Mensch Ionenstrahlung durch das Weltall ausgesetzt, aber diese Dosierung ist viel geringer als die eines CTs.
    „Wenn man diese Zahlen miteinander vergleicht, stellt man fest, dass wir die Mäuse mit etwa einem Tausendstel der Dosis behandelten, die ein Patient bei einem einzigen CT bekommt – im selben Zeitintervall. Sogar unter diesen Umständen konnten wir Veränderungen in den Synapsen des Hippocampus sehen, wie es sie bei Alzheimer gibt“.“
    Mein Kommentar: Falschangabe zu den Dosen! Laut mir vorliegenden CDs waren es nicht 20- 100 mGy, sondern um 1000 mGy pro Computertomographie!
    Entstehung des Katarakts (Grauer Star):
    Zitat aus https://www.unimedizin-mainz.de/fileadmin/kliniken/betriebsarzt/Dokumente/ssk0907.pdf:
    „Bei Patienten nach computertomographischen Untersuchungen [Kle 93] wurde eine erhöhte Prävalenz an posterioren subkapsulären Katarakten beschrieben mit der Schlussfolgerung, dass bereits Dosen in der Größenordnung von 0,1 – 0,3 Gy kataraktogen sein könnten. Auch in der Untersuchung der radiologischen technischen Assistenten („radiation technologists“) [Cho 08] zeigte sich eine signifikant erhöhte Kataraktinzidenz mit einem Risikofaktor von 1,25 (95 %-KI: 1,06 – 1,47) bei Personen, die aus nicht-beruflichen Gründen > 3 Kopf-/Hals-Röntgenaufnahmen erhalten hatten, gegenüber Personen mit weniger oder keinen Aufnahmen im Schädelbereich.“

    Eine Petition zum Verbot von Computertomograpien z.Zt. unter https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2018/_10/_07/Petition_84560/forum/Beitrag_633591.nc.html .

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