Flüchtlingshilfe

Licher Ehrenamtliche bedroht

Die Landrätin des Kreises Gießen, Anita Schneider, besuchte kürzlich Daniela Gillert,  um ihr den Rücken zu stärken. Die ehrenamtliche Flüchtlingshelferin aus Lich engagiert sich seit einem Jahr, gibt kostenlos Deutschunterricht und betreut Flüchtlingsfamilien oder begleitet sie bei Behördengängen. Das brachte ihr nicht nur viele Begegnungen, sondern auch Drohungen in einem anonymen Brief.

Landrätin zeigt Flagge

„Solche Anfeindungen dürfen nicht ignoriert werden“, unterstrich die Landrätin bei ihrem Besuch in Lich. Daher sei es gut, dass das Umfeld von Daniela Gillert so offensiv reagiert und die Polizei und die Medien eingeschaltet habe. In so einem Fall müsse auch die Politik Stellung beziehen. Schneider erklärte, es sei ihr ein persönliches Anliegen, hier Flagge zu zeigen, „denn die Ehrenamtlichen leisten im Flüchtlingswesen einen bedeutenden gesellschaftlichen Beitrag.“ Das Ehrenamt sei in der Lage, Brücken in die Gesellschaft zu bauen und so zur Integration beizutragen. Schneider hob hervor: „Sozialarbeit alleine kann das nicht bewirken.“ Ihr sei es deshalb wichtig, deutlich ihren Respekt und Anerkennung für diese engagierten Menschen zu zeigen. Schneider fuhr fort: „Wir wollen zudem als Landkreis  ein guter Ansprechpartner für die ehrenamtlich Engagierten sein.“ Deshalb finanziere der Landkreis derzeit fünf Stellen bei der Diakonie, die sich um alle Fragen des Ehrenamtes kümmern und eng mit der Kreisverwaltung vernetzt seien. Zudem werde man ein zweites Ehrenamtsforum veranstalten, um intensiv mit den Ehrenamtlichen im Dialog zu bleiben.

Landrätin Anita Schneider sprach mit den ehrenamtlichen Deutschlehrerinnen Daniela Gillert (r.) und Hille Neumann (l.) über Erfahrungen und Herausforderungen in der Flüchtlingshilfe. (Foto: Landkreis Gießen) Landrätin Anita Schneider sprach mit den ehrenamtlichen Deutschlehrerinnen Daniela Gillert (r.) und Hille Neumann (l.) über Erfahrungen und Herausforderungen in der Flüchtlingshilfe. (Foto: Landkreis Gießen)
Ehrenamtlicher Deutschunterricht

Die Landrätin nutzte den Besuch auch, um sich über den ehrenamtlichen Deutschunterricht zu informieren. Die Licher Helfer betreuen dreimal in der Woche etwa zehn Flüchtlinge. „Wir bieten damit eine wichtige Alternative für diejenigen, die noch keine Zulassung für Deutsch- und Integrationskurse haben“, erläuterte Daniela Gillert und lobte die große Motivation ihrer Schülerinnen und Schüler. Einschüchtern lässt sie sich durch die Anfeindungen nicht: „Es hilft, dass ich in dieser Situation so viel Unterstützung erfahren habe.“

Auch die anstehenden Schritte in der Flüchtlingshilfe waren Thema des Austauschs zwischen der Landrätin und den Licher Ehrenamtlichen. „Der Wohnungsbedarf und die Arbeitsmarktintegration sind eine große Herausforderung“, so Anita Schneider. Sie berichtete von dem durch den Landkreis Gießen initiierten Projekt „Dreisprung zur Ausbildung“. Dieses soll Geflüchtete in drei „Sprüngen“ über ein Praktikum und eine Förderphase zu einer Berufsausbildung führen. „Wir können die ersten Erfolge in Form von Ausbildungsverträgen verzeichnen“, bilanzierte sie. Und das Interesse der Unternehmen sei angesichts des spürbaren Fachkräftemangels groß. „Kommen Sie auf uns zu, wenn Sie für das Dreisprung-Projekt infrage kommende Schülerinnen und Schüler haben“, ermunterte  Schneider die Ehrenamtlichen.

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