„Der Tag“ auf HR2

Einschalten – um mal abzuschalten

von Corinna Willführ

„Ein Thema mit vielen Perspektiven“ so heißt es in der Programmzeitschrift bietet unter der Woche das zweite Programm des Hessischen Rundfunks mit seiner Sendung „Der Tag“ eine Stunde lang ab 18 Uhr. „Kenntnisreich, ironisch, witzig, pointiert“, kennzeichnet der Sender selbst, was seiner Hörerschaft geboten wird. Und übertreibt damit nicht. Denn „Der Tag“ mit seinem kompetenten Moderationsteam widmet sich aktuellen Ereignissen in einer immer wieder inspirierenden Zusammenstellung von Analysen, Kommentaren, Interviews – und was quasi nebenbei mitgeliefert wird, aber dennoch der Recherche bedarf: Hinweise auf lesenswerte Literatur.

Welterkundung für die Ohren

Wie könnte es anders sein: Die Corona-Pandemie bestimmt auch die Themensetzung von „Der Tag“. Im Fokus am Montag: das Reisen, einst, heute, zukünftig. Normalerweise folgt auf die Sendung die „Hörbar“, zu frühabendlicher Stunde eine Welterkundung für die Ohren und damit manch Inspiration für eine Reise. Wenn man für sein Ziel nicht festgelegt ist. Denn es gibt Fado aus Portugal, Tarantelle aus Italien, Dixie aus New Orleans, Balkanrock aus Rumänien, Liebeslieder aus Berlin zu hören. Doch seit Montag zwischen „Der Tag“ und „Der Hörbar“: 15 bis 30 Minuten Kammermusik.

Der ursächliche Grund ist ein schwerwiegender: Denn sowohl das hr-Sinfonieorchester wie die hr-Bigband haben aufgrund der für Corona geltenden Vorschriften zu den Abstandsregelungen für die laufende Saison alle Konzerte für die großen Klangkörper absagen müssen. Bereits seit April gibt es im Netz tägliche Live-Konzerte unter dem Titel „Stage@Seven“. Bislang indes nur von Solisten oder im Duo.

Seit einer neuen Verordnung des hessischen Landesregierung vom 7. Mai sowie an Empfehlungen der Berufsgenossenschaft orientiert, können nun im Sendesaal des Hessischen Rundfunks an der Bertramstraße in Frankfurt sowie im Tonstudio der HR-Bigband wieder mehrere Musiker gemeinsam – mit entsprechendem Abstand – musizieren. „Die darin beschriebenen Empfehlungen zu verschiedenen Instrumentengruppen und insbesondere zum Aerosolausstoß von Blasinstrumenten ergeben eine gute Handlungsempfehlung für unseren Orchesterbetrieb. Wir freuen uns, nun auch mit Teilbesetzungen des Orchesters und der Bigband arbeiten zu können und somit auch musikalisch wieder eine größere Bandbreite anzubieten“, ist vom hr-Musikchef Michael Traub auf der Homepage des Senders zu lesen.

Die Lebenfreude spüren

So gibt es nun zwischen „Der Tag“ und „Der Hörbar“ einen Break. Ist etwa Musik von Smetana oder Dvorcak in Kammermusik-Besetzung zu hören. Ein Grund mehr, auch wenn man keine große Affinität zu klassischer Musik hat, montags bis freitags zwei Stunden lang ab 18 Uhr HR2 einzuschalten. Denn: Auch wenn einen die aktuellen Ereignisse, aufbereitet von „Der Tag“ verstört, empört, entrüstet haben. Bei den wenigen Minuten mit Stage@Seven kann man darüber noch mal nachdenken, Emotionen runterfahren, seine Wut, Enttäuschung, Traurigkeit in diesen Tagen nachempfinden. Um in dem ein oder anderen anschließenden Titel aus der „Hörbar“ die Lebensfreude zu spüren, die einem Musik gibt.

Und hier der Literaturhinweis aus der Sendung „Der Tag“ von Montag, 11. Mai: „Die Reise um mein Zimmer“ von Xavier de Maistre, Aufbau-Verlag, Berlin 2011, 172 Seiten, 16,95 Euro. Ersterscheinungsjahr der „Dokumentation“ des für 42 Tage nach einem Duell eingesperrten Xavier de Maistre ist das Jahr 1794. Eine Lesung in zwei Teilen unter ard-audiothek.de

hr2.de

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