Schon mehr als 400 Tote in der Wetterau
Täglich sterben im Wetteraukreis Menschen, die mit dem Corona-Virus infiziert waren. Die Inzidenz der Infektionen geht derweil nur langsam nach unten. Für die nächsten Wochen versorgte sich das Wetterauer Gesundheitsamt mit speziellen Schutzanzügen. Und die Kliniken des Gesundheitszentrums Wetterau haben jetzt auf Dauer ein Depot mit Schutzausrüstung für Epidemien.Corona erobert noch ein Altenheim
Genau 8681 der 308 000 Menschen im Wetteraukreis haben sich seit Februar 2020 mit dem Coronavirus infiziert. Am Mittwoch, 17. Februar 2021 kamen 59 Menschen hinzu, berichtet das Wetterauer Gesundheitsamt.

Die Neuinfektionen wurden gemeldet aus Altenstadt (2), Bad Nauheim (3), Bad Vilbel (11), Büdingen (5), Florstadt (1), Friedberg (4), Gedern (3), Karben (2), Münzenberg (1), Nidda (1), Niddatal (5), Ober Mörlen (1), Ortenberg (3), Reichelsheim (2), Rosbach (2), Wölfersheim (2) und Wöllstadt (11). Die Neuinfektionen in Wöllstadt stammen aus einer Senioreneinrichtung. Genau 500 Menschen gelten im Kreisgebiet aktuell als infiziert. Sie alle befinden sich laut Gesundheitsamt in Quarantäne.
Inzidenz bei 62,3
In stationärer Behandlung aufgrund der Corona-Infektion waren am 17. Februar 71 Menschen. Von ihnen lagen 23 in Intensivstationen. Die Zahl der Corona-Toten erhöhte sich um eine auf 446 Menschen. In Karben verstarb eine 90-jährige Frau. Damit sind seit Beginn der Pandemie 446 Menschen im Wetteraukreis an den Folgen der Infektion gestorben. Die Inzidenz liegt bei 62,3 Infektionen pro 100 000 Menschen binnen einer Woche.
Bis zum 16. Februar 2021 sind im Wetteraukreis 10 000 Erst- und Zweitimpfungen vorgenommen worden. Die meisten fanden laut Gesundheitsamt durch mobile Impfteams in Alten- und Pflegeeinrichtungen statt. Im seit dem 9. Februar geöffneten Impfzentrum in Büdingen wurden rund 2 000 Impfungen (250 pro Tag) gezählt. Ausgelegt ist das Impfzentrum für bis zu 1.000 Impfungen pro Tag. Allerdings steht derzeit nicht genügend Impfstoff zur Verfügung.
Impfzentrum öffnet länger
Das soll spätestens zum 1. März anders werden. Dann werden auch die Öffnungszeiten des Impfzentrums erweitert. Zum 2. März wird das Impfzentrum um 8 Uhr mit der Arbeit beginnen, der letzte Impftermin wird für 19.50 Uhr vergeben. Dementsprechend wird auch der Shuttleservice vom Bahnhof Büdingen zum Impfzentrum erweitert.
Die Corona-Pandemie verursacht nicht nur massive Ausfälle in vielen Lebensbereichen. Sie verursacht auch Unmengen an zusätzlichen medizinischem Mülls. Häufig werden für Einsätze im Zusammenhang mit Corona Einmalanzüge verwendet, etwa wenn bei möglicherweise infizierten Personen ein Abstrich gemacht wird.

Im Friedberger Gesundheitsamt hat man nun mehrere Mehrweganzüge für mehr Sicherheit und Ressourceneinsparung angeschafft, berichtet Amtsarzt Dr. Reinhold Merbs. „Mit dem neuen Anzug haben die Menschen, die die Abstriche vornehmen, mehr Kopffreiheit. Ein Gebläse erzeugt einen Überdruck, so dass auch die Brille nicht mehr beschlägt, was eine verbesserte Sicht ermöglicht. Das Gebläse ist mit zwei FFP3-Filtern ausgestattet, so dass auch hier ein Höchstmaß an Sicherheit gewährleistet ist“. Derzeit machen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Friedberger Gesundheitsamtes zwischen 100 und 150 Abstriche am Tag, einen Großteil davon im Testcenter in Reichelsheim, aber auch in Alten- und Pflegeeinrichtungen.
Jetzt haben die Kliniken einen Halbjahresvorrat
Der kommunale Klinikverbund des Gesundheitszentrums Wetterau (GZW) hat nun zwei Konsequenzen aus den Erfahrungen des letzten Corona-Jahres gezogen: Er vereinbarte eine Kooperration mit einem Schutzanzug-Produzenten aus Eichelsdorf bei Nidda und legt zudem in den Kliniken Pandemielager – also ständige Vorräte mit Schutzmaterial für die Behandlung infizierter Menschen an.
Bisher bezog das Gesundheitszentrums Wetterau aus wirtschaftlichen wie aus platztechnischen Gründen seine Verbrauchsmaterialien „just in time“ von einem Logistikzentrum. Mit der Pandemie stieg der Bedarf an Schutzausrüstung rapide. Weil aber die weltweite Produktion von OP- oder FFP2-Masken, Einweghandschuhen und Desinfektionsmitteln ebenso wie von gängigen Arzneimitteln durch internationale Konzerne weitgehend aus Europa heraus in Niedriglohnländer verlagert worden war und erdballumspannende Lieferketten nur begrenzt flexibel sind, wurde die Materialbeschaffung plötzlich zu einer logistischen Herausforderung.
Hektische Einkaufsaktionen werden unnötig
„Auf zusätzliche Lieferungen mussten wir lange warten, die Kosten explodierten. Der Preis für Einmalhandschuhe hat sich in der ersten Welle nahezu verzehnfacht und bleibt auf hohem Niveau, weil die Handschuhe fast ausschließlich in Malaysia produziert werden. Schutzkittel kosteten plötzlich fünfmal so viel, waren teilweise gar nicht mehr zu haben oder nur in schlechter Qualität“, schildert Timo Neeb, Leiter Einkauf im GZW. In tagelangen Telefonaten fand er nach dem ersten Lockdown im Frühjahr einen Lieferanten, der Einmalhandschuhe zu einem vertretbaren Preis anbietet.
Inzwischen gibt es in jedem der drei GZW-Akuthäuser in Bad Nauheim, Friedberg und Schotten ein internes Pandemielager mit Einmalhandschuhen, Mund- und Nasenschutz, FFP2-Masken, Schutzkitteln, Flächen- und Händedesinfektionsmitteln sowie Abstrichtupfern für PCR-Tests, die den Regelbedarf für ein halbes Jahr decken. „Im Ernstfall hätten wir also mehrere Monate Zeit, uns höhere Liefermengen dieser Schutzausrüstung zu sichern. Gleichzeitig sind die Mengen so bemessen, dass wir sie nach dem Prinzip ‚first in – first out‘ durch kontinuierlichen Austausch verbrauchen können, ohne an Haltbarkeitsgrenzen zu stoßen“, erläutert Neeb.
Schutzkittel aus Eichelsdorf
Parallel zum internen Pandemielager hat das GZW die Kooperation mit der Maria Soell GmbH zur Schutzkittelproduktion initiiert. Das Familienunternehmen stellt seit fast 100 Jahren unter anderem beschichtete Vliese her. Seit einem Jahr produziert es nun auch zertifizierte Schutzkittel der qualitativ hochwertigen Kategorie III (die geeignet sind für besonders schutzwürdige Bereiche) und beliefert das GZW nach Bedarf. Der GZW-Geschäftsführer Dirk Fellermann dazu: „Maria Soell ist wie das GZW ein regionales Unternehmen, produziert das Material in Deutschland und lässt in Europa konfektionieren, es gibt kurze Lieferwege und der Preis stimmt.“