Burg Münzenberg

Luthers Morgenstern im „Tintenfass“

Von Corinna WillführBurgspiele2

Im Luther-Jahr 2017 bringt der Freundeskreis Burg und Stadt Münzenberg mit mehr als 100 Laiendarstellern die Geschichte von Luthers Gattin Katharina von Bora auf die Bühne der Burg Münzenberg (Foto), „Wetterauer Tintenfass“ genannt. Regie führt ein Frauen-Quartett.

Luthers Morgenstern im Luther-Jahr

Sie gehört zu den Sehenswürdigkeiten der Wetterau, umso mehr, wenn in ihr ein Theaterstück aufgeführt wird: die Burg Münzenberg, die ob ihrer beiden Türme gerne auch als „Wetterauer Tintenfass“ bezeichnet wird. Zum Luther-Jahr 2017 führt der Freundeskreis Burg und Stadt Münzenberg in dem historischen Gemäuer mit mehr als 100 Darstellern das Stück „Katharina von Bora – Luthers Morgenstern zu Wittenberg“ auf. Der Text stammt von einer Münzenbergerin – und auch die Regie ist fest in der Hand von Bürgerinnen aus der Wetterau-Stadt.

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Freundeskreis-Vorsitzender Uwe-Müller mit dem „Titelbild“ des Stücks, das aus der Feder seiner Frau Petra Müller stammt. (Fotos: Willführ)

„Das Stück ist fertig“, freut sich Uwe Müller und präsentiert das Textbuch für die Theaterproduktion des Freundeskreises Burg und Stadt Münzenberg für das Lutherjahr 2017. Auf dem Deckblatt der rund 60 Seiten im Din-A-4-Format: in einer Zeichnung die Konterfeis von Martin Luther und seiner Ehefrau Katharina von Bora – und der Titel „Katharina von Bora – Luthers Morgenstern zu Wittenberg.“ Der Text stammt aus der Feder von Petra Mülller, der Ehefrau des Vorsitzenden des Freundeskreises. Sie konnte leider krankheitsbedingt ihr Werk im Kulturhaus Alte Synagoge nicht selbst vorstellen. Ihr Mann dürfte es in ihrem Sinne gemacht haben, schließlich sind die beiden gemeinsam für ihr mehr als 20jähriges ehrenamtliches Engagement für die Geschichte und die Kultur ihrer Heimatstadt in 2013 mit dem Wetterauer Kulturpreis ausgezeichnet worden.

Tintenfass wird Vorhof des Reichstags zu Worms

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Uwe Müller mit dem Regie-Team Donata Harazin, Lisa-Maria Mohr und Steffi Kerschner (von links), das von der Autorin des Textes, Petra Müller, komplettiert wird. Krankheitsbedingt konnte sie ihre Stück nicht persönlich vorstellen.

Erster Akt, erste Szene: „Luther erscheint fröhlich pfeifend vom Westturm als Student mit Laute, setzt sich auf die Stufen des Aufgangs zum Palas und spielt.“ Westturm und Palas, oberes Burgtor und Wehrgang: Die aktuelle Produktion des Freundeskreises nimmt die Zuschauer in die Jahre 1505 bis 1546 mit. Sie verwandelt die Gemäuer des „Wetterauer Tintenfasses“ in einen „Vorhof“ des Reichstags zu Worms, in das Kloster Marieenthron bei Nimbschen oder in das Schwarze Kloster zu Wittenberg. Uwe Müller: „1505 ist das Jahr, in dem Katharina von Bora aus dem Kloster flüchtete, 1546 das Todesjahr von Martin Luther.“

Das Ende des 15. Jahrhunderts, der Beginn des 16ten, die Entdeckung Amerikas, die Erfindung des Buchdrucks, Luthers Thesen zu Wittenberg. Eine Zeit, in der es in der Weltgeschichte „unglaubliche Umbrüche“ gab. Eine Zeit auch, die das Theaterprojekt auf der Burg vor große Herausforderungen stellt.
„Das beginnt schon bei unserem Fundus“, erklärt Uwe Müller. „Wir haben Kostüme und Requisiten für das 18. Und 19. Jahrhundert, nicht aber für das 16.“ So manch eine Mönchskutte ließe sich auch noch unter den Requisiten finden, aber die korrekte Ausstattung für die Nonnen im bislang nicht. Darüber wird es noch viel mehr „Kostüme“ brauchen, wollen doch nicht nur Luther, sondern auch sein Freund, der Maler Lucas Cranach, der Ältere, sein Mitstreiter Philipp Melanchthon, die Eltern von Katharina oder die Äbtissin des Klosters historisch gewandet werden. Und all die Bürger und Bürgerinnen, die den Reformator vor dem Reichstag in Worms 1521 begrüßen oder sich um den Karren des Ablasshändlers Tetzel drängen.

Ob auf oder hinter der Bühne: Dabei sein ist alles
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Ob Sprechrolle, Statist oder Helfer hinter der Bühne: Schon bei der Präsentation des neuen Stücks im Kulturhaus Alte Synagoge war der Andrang an Interessenten groß.

„Wir haben 32 Sprechrollen zu besetzen“, sagt Donata Harazin vom vierköpfigen Regieteam, „und jede Menge Statistenaufgaben.“ Mehr als einhundert Schauspielerinnen und Schauspieler werden für die Aufführung benötigt. Was sie mitbringen müssen: Freude am Theaterspielen. Wie die 35jährige, die ebenso wie ihre Regie-Kolleginnen Lisa-Maria Mohr (29) und Steffi Kerschner (36) bereits in mehreren Theaterproduktionen des Freundeskreises mitgewirkt hat. Zunächst als Statistin, dann als Darstellerin mit Text, schließlich als Regie-Assistentin und nunmehr als Co-Regisseurin. Das Quartett komplettiert die Autorin Petra Müller. „Ein feminantes Team“, schmunzelt Uwe Müller. Und eines, das sich bereits bewährt hat. Inszenierten die Vier doch vor zwei Jahren erfolgreich das Stück „Die verbotene Ehe des Chevaliers.“ Die Liste derer, die mitwirken möchten, ist schon am Tag der Vorstellung des Stücks lang.
Apropos Ehe: Im dritten Akt erfährt das Publikum auch von der Liebschaft Katharinas mit dem Patriziersohn Hieronymus Baumgärtner, der indes „ein ehrloser und gewissenloser Patron mit viel Falschheit ist“ und Katharina verlässt. Da trifft es sich, dass dem Herrn Luther in seinem Haushalt die „ordnend Hand“ fehlt. Das ändert sich im Juni 1525, in dem die Jungfer Bora und der Doctor Luther den Bund der Ehe schließen.
„Katharina von Bora war eine unglaublich starke Frau für ihre Zeit, sehr emanzipiert und sie hatte zuhause die Hosen an“, ist Donata Harazin überzeugt. „Ohne diese Frau an seiner Seite wäre Luther wahrscheinlich mit seiner Ess- und Trinklust versackt“, meint Uwe Müller. So könne auch die die Bezeichnung „Luthers Morgenstern zu Wittenberg“ doppeldeutig verstanden werden: ist doch der Morgenstern zum einen ein Himmelskörper, zum anderen eine Waffe.

Katharina von Bora
Die „Lutherin“, wie Katharina von Bora nach ihrer Eheschließung mit dem Reformator Martin Luther auch bezeichnet wird, entstammte einer Familie des Landadels im damaligen Sachsen. Ihr Geburtsdatum, das sich indes nicht belegen lässt, war wohl der 29. Januar 1499. Auch über ihren Geburtsort gibt es unterschiedliche Quellen. Die wohl am besten zu belegende: das Gut Lippendorf.
Was sicher ist: 1504 wird die 16jährige von ihrem Vater in das Chorfrauenstift Brehna zur Erziehung überstellt. Dann in das Zisterzienserinnenkloster in Marieenthron bei Nimbschen. 1515 legt sie dort ihr Gelübde als Nonne ab. Acht Jahre später flieht sie mit acht Nonnen von Marieenthron, findet Obdach im Haus des Malers Lucas Cranach, der Ältere.
Am 13. Juni 1525 ehelicht Katharina von Bora Martin Luther. Ihre Hochzeitsfeier findet erst 14 Tage später statt, am 27. Juni. Im „Schwarzen Kloster“, fortan der Heimstatt der Beiden. Katharina kümmert sich indes nicht nur um den Haushalt, vielmehr auch um die Viehzucht und die Bierbrauerei. Zudem leitet sie ein Hospiz.
Der ehemalige Mönch und die einstige Nonne hatten sechs Kinder. Trotz der Vorsorge Luthers für sich und ihre Kinder geriet Katharina von Bora in Not. 1552 verließ sie Wittenberg, flüchtete nicht zuletzt vor der Pest nach Torgau, wo sie an den Folgen eines Unfalls mit einer Kutsche am 20. Dezember 1552 starb.

Das Theaterstück:
Spielzeit des Stücks „Katharina von Bora: Luthers Morgenstern zu Wittenberg“ ab 23. Juni 2017 (Premiere) bis 2. Juli an sieben Abenden.
Im Rahmen des Kultursommer Mittelhessens lädt der Freundeskreis zur Lutherdekade in diesem Jahr noch für Freitag, 16. September, 20 Uhr, in die Evangelische Kirche Münzenberg zu der Veranstaltung „Aufs Maul gschaud – Fränkische Songs und dem Luther seine Bibel“ mit Wolfgang Buck und Stefan Kügel ein.

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