Buchempfehlung

„Der Report der Magd“

Von Jörg-Peter Schmidt

„Landbote“-Autor Jörg-Peter Schmidt empfiehlt den von Margaret Atwood geschriebenen Roman „Der Report der Magd“, der 1985 herausgegeben und zu einem Weltbestseller wurde. Er wird aus zwei Gründen wieder zunehmend gekauft. Zu einem, weil die fast 80-jährige Autorin kürzlich unter dem Titel „Die Zeuginnen“ ihre Zukunftsgeschichte fortgesetzt hat. Und weil beide Bücher im Zusammenhang mit der „MeToo“-Debatte den Nerv der Zeit treffen.

Parallelen zu heute

Wer die Fortsetzung lesen möchte, aber den Ursprung noch nicht kennt, ist sicherlich gespannt, wie die Story beginnt: In „Der Report der Magd“ geht es um einen totalitären Staat. Er ist nach einer gravierenden Umweltkatastrophe durch einen Putsch einer fundamentalistischen Gruppe, die strengstens christlich orientiert ist, entstanden. Die diktatorische Regierung diskriminiert vor allem die Frauen, die sich den Männern unterzuordnen haben und kein Eigentum besitzen dürfen. Bereits nach ein paar Seiten der erfolgreichsten Erzählung der 1939 in Ottawa geborenen Kanadierin findet man Parallelen zur heutigen Situation in zahlreichen Ländern, in denen Unterdrückung herrscht, auch Männern gegenüber. Und die beschriebene Willkür gegenüber Frauen ist alles andere als Science Fiction. Auch in Deutschland herrschen keine paradiesischen Zustände. Es ist kein Zufall, dass die Plätze in Frauenhäusern nicht reichen. Auch muss man daran erinnern, dass die katholische Kirche mit ihrer mittelalterlichen Haltung noch immer kein Pfarrerinnenamt zulässt. 

Zurück zu Margaret Atwoods Roman: Die Hauptfigur ist die Magd Desfred, die der Leserin bzw. dem Leser über ihre Erlebnisse berichtet. Sie gehört zu den fruchtbaren Frauen, von denen es in dem fiktiven Staat „Gilead“ nur noch wenige gibt. Desfred soll ihrem Vorgesetzten, dem Kommandanten, und seiner dem Vernehmen nach unfruchtbaren Frau im wahrsten Sinne des Wortes ein Kind schenken. Ob dies gelingt, sei nicht verraten. Auf jeden Fall verläuft die weitere Handlung spannend. Selbstverständlich wünscht man sich als Leser, dass Desfred aus dieser Diktatur entfliehen kann. Möglicherweise durch die Hilfe einer Widerstandsbewegung, von der die Rede in dem Roman ist…

Aktueller denn je

(Fotos: Jörg-Peter Schmidt)

Am Ende sieht man sich in der Ansicht bestätigt, die man – wie erwähnt – bereits nach dem Lesen der ersten Seiten hatte: Die Übereinstimmungen der Handlung mit dem Jahr 2019 sind verblüffend, nicht nur, was die Lage in totalitären Ländern betrifft. Auch die Problematik der Umweltzerstörung hat Atwood detailliert herausgearbeitet: Weltweite Verschmutzung durch chemische und bakterielle Stoffe haben in ihrer Geschichte zur Sterilität bei vielen Menschen geführt. Und im Staat „Gilead“ ist Plastik nahezu ausgelöscht, was ja nicht das Schlechteste ist. Auf jeden Fall lohnt es sich, das Buch zu lesen, das so viele Jahre alt, aber aktueller den je ist. Kein Wunder, dass es verfilmt und als TV-Serie gedreht wurde. Übrigens ist in den Medien der Nachfolgeroman „Die Zeuginnen“ auch nicht gerade schlecht besprochen worden.

Margaret Atwood: Der Report der Magd, Berlin Verlag, gebundene Ausgaben, 240 Seiten, 25 Euro, ISBN: 9783827014054

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