Bodenvernichtung

Streit um Ortsumgehung Utphe

Die Hungener CDU fordert Ortsumgehungen für Utphe und Inheiden. Naturschützer sind entsetzt: etwa 100.000 Quadratmeter bester Wetterauer Ackerboden müssten für die neuen Straßen geopfert werden.

Alte Lösungsmuster

In ihrem Zukunftsplan 2021 der Hungener Christdemokraten heißt es: „Um die Lebensqualität der betroffenen Bürger zu erhöhen, fordern wir auch weiterhin die Ortsumgehung von Utphe und Inheiden.“ Die Ortsumgehung Uthpe habe dabei „höchste Priorität“, damit die Anbindung des neuen Gewerbegebietes „Inheiden Trais-Horloff“ an die Autobahn A45 attraktiver und für die Bürger zu keiner Belastung werde.

Mit dieser Forderung bediene die Union „alte Lösungsmuster, anstatt innovative Vorschläge zur Problemlösung zu benennen, wie zukünftig die Mobilität von Personen und Waren zu gewährleisten ist, ohne dabei Natur und Umwelt zu zerstören“, schreiben der Naturschutzbund (Nabu) Horlofftal und der Arbeitskreis Gießen des Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) in einer gemeinsamen Stellungnahme. Der ständig zunehmende Verlust von Flächen und damit einhergehender Zerstörung wertvollster Wetterauer Ackerböden sei aus Gründen der nachhaltigen Bodenbewirtschaftung und regionalen Ernährungssicherung für die heimische Bevölkerung nicht mehr nachvollziehbar und akzeptabel.

Güter per Bahn transportieren

Die Ursachen dramatisch wachsender Verkehrsbelastungen seien vor allem das im allgemein gestiegene Mobilitätsbedürfnis und ein dramatischer Anstieg der Gütertransporte auf der Straße. Ein gut ausgebauter öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) sowie die systematische Verlagerung von Güterverkehren auf die Bahn seien schon seit Jahrzehnten wissenschaftlich begründet von zahlreichen Verkehrsexperten und Forschungsinstituten auf die politische Tagesordnung gesetzt worden. Angesichts des voranschreitenden Klimawandels erhielten diese Forderungen noch einen zusätzlichen Schub.

Die Trassen der Ortsumgehung Uthphe von Süden aus gesehen. Es handelt sich um Wetterauer Ackerböden höchster Güte, die zubetoniert werden, sagen Nabu und HGON..

Dies betriffe gerade auch die hiesige Region mit den zu erwartenden Mehrverkehren durch die großen Logistikzentren in Lich (etwa 20 Hektar, Wayfair-Möbel), Grund-Schwalheim (etwa 5 Hektar, Amazon), Berstadt (etwa 35 Hektar, Rewe) und den geplanten Gewerbepark Hungen-Süd zwischen Inheiden und Trais-Horloff (etwa 22 Hektar), der Utphe und Inheiden direkt betreffen würde. Diese Landschafts- und Bodenverbräuche seien mit Beteiligung der CDU beschlossen worden.

Im Gegensatz dazu seien von amtlichen und ehrenamtlichen Naturschützern viele Maßnahmen zur Förderung der Landschaftsvielfalt und Biodiversität im südlichen Hungener Stadtgebiet angeregt worden. Durch die ökologische Grundlagenarbeit der HGON seit den 1960er Jahren viele „Lebensräume für Menschen & Mitgeschöpfe“ gefördert und zerstörte wiederhergestellt worden. Gerade hierfür sei die HGON mit dem „Europäischen Umweltpreis“ ausgezeichnet worden. „Der Naturschutz hat somit die Landschaft erhalten und entwickelt, die von kommunalen Touristikern gerne in bunten Prospekten beworben wird. Die geplante zusätzliche Landschaftszerstörung durch Straßenneubau zu stoppen, wird gemeinsame Aufgabe von Landwirten, Naturschützern, Touristikern und nachhaltig denkenden Bürgerinnen und Bürgern sein“, erklären Nabu und HGON.

Konzepte von Vorgestern

Im Hinblick auf zukünftige Herausforderungen erwarten die Naturschützer von politischen Parteien wie der CDU innovative Konzepte und nicht Rückgriffe in die „verkehrspolitische Mottenkiste“, wie es die Hungener CDU vor einiger Zeit mit ihrem erbitterten Widerstand gegen die Reaktivierung der Horlofftalbahn entlarvend zum Ausdruck gebracht habe.

Das Opfern von weiteren etwa 100.000 Qudratmeter bestem Wetterauer Ackerboden für die von der CDU Hungen geforderten Ortsumgehungen mit Verkehrsnebenflächen werden vom NABU Horlofftal und dem HGON-Arbeitskreis Gießen abgelehnt. Es sei „absolut nicht nachvollziehbar“, wenn die Hungener CDU auf der einen Seite großflächige Gewerbegebietsentwicklungen vorantreibe, die zu einer starken Zunahme der Verkehrsbelastung führe, und andererseits als Lösung wieder die Konzepte von „Vorgestern“, wie den Bau neuer Straßen, präsentiere. „Die dann neuen Anlieger dieser Straßen in den westlichen Wohngebieten von Utphe und Inheiden sowie der Steuerzahler verdienen eine Antwort auf derartige Widersprüche“, meinen Nabu und HGON.

Titelbild: Die Trasse der Ortsumgehung Uthphe von Norden aus gesehen. Der Berstädter Kirchturm und der Feldberg sichtbar im Hintergrund.

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