Apfelwein

Wer hat das beste Stöffche?

Von Corinna Willführapfelcontest1

Bereits zum 16. Mal wird am Sonntag, 31. Mai 2015, in der Taunusgemeinde Wehrheim ein Apfelweinkönig aus gut zwei Dutzend Hobby-Kelterern ermittelt. Zum Wettbewerb tritt eine „eingeschworene Solidargemeinschaft“ an, die für das Stöffche ein eigenes Reinheitsgebot entwickelt hat. Ein Kult-Event, der dem Erhalt der Obstbäume dient.

Das Apfeldorf

Er soll „spritzig herb sein, Lust auf Mehr machen“, von der Farbe „golden und klar“, sagt der amtierende Wehrheimer Apfelweinkönig Olaf Bohris – und meint damit die Qualität eines preiswürdigen Stöffchens. Zum 16. Mal wird dieses in einer Veranstaltung des Bund für Umwelt- und Naturschutz am Sonntag, 31. Mai 2015, im Freibad der Taunus-Gemeinde in Kooperation mit den Wehrheimer Apfelweinfreunden und der heimischen Kelterei Ludwig Wagner ermittelt.

Zum Vergnügen für alle Teilnehmer, zur Freude der Verkoster – und zur Erhaltung der Obstbäume in der Gemarkung. Fünf Euro sind pro Tester zu zahlen. Ein kleiner Beitrag, mit dem der BUND Wehrheim Ende der 90er Jahre des vergangenen Jahrtausends bereits als Initiator „durch die Förderung der privaten Herstellung von Apfelsaft und Apfelwein das Interesse wieder auf die örtlichen Bestände Obstalleen und –wiesen“ gerichtet hat, wie Almut Gwiasda, langjährige Vorsitzende des BUND Wehrheim in der Einladung zu der Veranstaltung schreibt. Ein Anliegen, das bereits Früchte getragen hat – Wehrheim nennt sich offiziell „Apfeldorf“, zahlreiche Patenschaften für Obstbäume konnten vergeben werden Ein Anliegen, das weiter Früchte tragen soll.

Die Süße von Kaiser Wilhelm

Ein klassischer Bestandteil für einen guten Apfelwein, sagt Peter Gwiasda, „ist der Bohnapfel“. Die Sorte Kaiser Wilhelm bringe viel Süße, der Trierer Weinapfel einen Anteil Säure und ein Wildapfel Bitterstoffe. Gwiasda, ehemals Leiter der Frankfurter Rundschau im Wetteraukreis und jetzt Journalist im Ruhestand, keltert bereits seit 35 Jahren auf seinem Hof in Wehrheim. „Die Mischung macht’s“, sagt der 71-Jährige. Mit seiner Mischung war er, „Anfang des Jahrtausends“ Wehrheimer Apfelkönig.

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Olaf Bohris (links) und Peter Gwiasda beim Test des Äpplers aus 2014. (Fotos: Willführ)

Olaf Bohris konnte den Titel – und mit ihm den Wander-Bembel im vergangenen Jahr gewinnen. Die Qualität des in heimischen Kellern gekelterten Apfelweins, so Bohris, habe sich in den vergangenen Jahren „deutlich verbessert“. Denn auch wenn am Sonntag gut zwei Dutzend Hobby-Kelterer als Kontrahenten an den Start des Wettbewerbs mit Kultcharakter gehen: „Der Austausch untereinander hat sich bestimmt auf die Qualität unserer Produkte ausgewirkt.“

Eine „verschworene, solidarische Gemeinschaft“
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Wer hat das beste Stöffche? Tester beim Wettbewerb 2013.

Die Apfelweinfreunde Wehrheim sind – mit wenigen Ausnahmen – männlich und im Alter zwischen 20 und „nach oben offen“ (Peter Gwiasda). Bis heute haben sie keinen Verein gegründet, kommen ohne Vorstand, Kassierer und Jahresbericht aus. Sie sind eher eine „verschworene solidarische Gemeinschaft“, so der 71-Jährige. Zu der sich der 21 Jahre jüngere Olaf Bohris sich „in Gedanken schon immer zugehörig fühlte.“ Von seiner ersten Teilnahme bis heute, ist Bohris überzeugt, dass bei aller Fürsorge für den Äppler, die Qualität des Ergebnisses „ein Zufallsprodukt ist“.

Doch eines, das bester Grundstoffe bedarf. Und die müssen dem selbst auferlegten Reinheitsgebot der Wehrheimer Apfelweinfreunde Stand halten. Das legt fest, dass ein „Apfelwein nur dann als ehrlicher reiner Apfelwein gilt, wenn er aus unbehandelten Äpfeln aus der Region gewonnen wurde. Zu seiner Veredelung sind ausschließlich frische heimische Früchte gestattet, vor allem Wildobstsorten wie Vogelbeere, Mispel, Schlehe, Speierling, Quitte sowie Wildapfel und –birne. Zusätze jedweder Art sind nicht erlaubt.“

Immer frühere Keltertermine

Während die Apfelweinfreunde im Oktober, manchmal sogar erst im November keltern, stellt Peter Gwiasda fest, dass „die Keltereien immer mehr bedrängt werden, manchmal schon im August, die Apfel-Ernte zu verarbeiten.“ Zu einem Zeitpunkt, an dem die Früchte noch längst nicht ihre volle Reife haben. Der Grund für den Druck: Zum einen, dass die Besitzer der Grundstücke kein Fallobst auf dem Boden haben wollen, zum anderen, dass sie ihre Ernte einholen wollen, bevor es Diebe tun.

Wie aber war die Ernte in 2014, und lässt sich schon was für den Ertrag in 2015 voraussagen? Im vergangenen Jahr verbuchten die Wehrheimer Hobby-Kelterer eine „mittelmäßige“ Ernte, heißt: Sie war mit einigen Einbußen in der Sortenvielfalt aus den lokalen Anbaugebieten verbunden. Einen ersten positiven Ausblick in die Zukunft kann Peter Gwiasda nach dem Besuch seiner Obstbäume vor wenigen Tagen machen. „Ich habe viele Fruchtstände entdeckt und nur sehr wenige Schädlinge. Was wir jetzt aber dringend brauchen, ist Regen. Einige Bäume leiden schon unter der Trockenheit.“

Gewiss ein Punkt, den die ersten drei Preisträger beim Wettbewerb am Sonntag im Wehrheimer Freibad ansprechen werden, müssen sie doch vor der gestrengen Publikumsjury Auskunft geben, welche Faktoren ihren Apfelwein unter die „Top 3“ gebracht haben. Zuvor aber werden die Tester auf einer Liste ihre Punkte für Farbe und Geschmack des Stöffchens eintragen. Aus der Summe ihrer Voten wird der Wehrheimer Apfelkönig 2015 ermittelt.

Wehrheimer Apfelweinwettbewerb des BUND, Sonntag, 31. Mai 2015, ab 14 Uhr im Freibad Wehrheim.

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