Altes Hallenbad in Not

Friedberg will nichts riskieren

Weil die Friedberger Stadtverordneten Angst vor hohen Ausbau-Kosten haben, droht dem Kulturbetrieb im ehemaligen Jugendstil-Hallenbad in Friedberg das Aus. Es zeichnet sich ab, dass sie deshalb sogar auf einen 1,4-Millionen-Zuschuss des Bundes verzichten. Die Entscheidung fällt im Haupt- und Finanzausschuss am 28. August 2019 ab 19 Uhr im Rathaus und am 5. September im Parlament. Falls die Politiker den Daumen senken, droht dem Theaterbetrieb die Schließlung.

Altes Hallenbad in Not

Im Champagnerglas ist Mineralwasser, und zum Feiern gibt es keinen Grund. Doch im Alten Hallenbad an der Haagstraße 29 laufen gerade die Proben für die selbst inszenierte Operette „Die Fledermaus“. Die Premiere beginnt am 6. September um 19.30 Uhr. Foto: Nissen

Alexa Busse ist empört: „Gerade jetzt, wo wir im weiten Umkreis bekannt werden, wird die Zukunft des Alten Hallenbades in Frage gestellt!“ Die Friedbergerin organisiert ehrenamtlich die Kindertheater-Aufführungen im Alten Hallenbad an der Haagstraße 29. Auch für die Konzerte „haben wir immer mehr Besucher“, sagt Michaela vanBlericq, die unbezahlt zahlreiche Kulturveranstaltungen vorbereitet. „Alle Politiker brüsten sich mit unserem tollen Kultur-Angebot“, sagt Andrej Seuss, der Sprecher der Kultur-AG. Es passe ins gerade anlaufende „integrierte Stadtentwicklungskonzept“ (ISEK), für das die Stadtverwaltung intensiv wirbt. „Und gerade jetzt schießt Ihr das Alte Hallenbad ab!“ Man fühle sich vor den Kopf gestoßen. Anstatt wirklich die Kulturarbeit der ehrenamtlichen Theaterbetreiber zu unterstützen, bekomme die Politik nun kalte Füße. „Die Politiker müssen sich jetzt entscheiden, ob sie das Haus haben wollen oder nicht.“ Wenn sie ihre Zusage zurückzögen, gehe auch der siebenstellige Zuschuss vom Bund für den Umbau des Hauses verloren. Falls die frustrierten ehrenamtlichen Kultur-Organisatoren das Handtuch werfen, droht dem Alten Hallenbad ein erneuter Dornröschenschlaf. Unabhängig davon könnte die gemeinnützige Träger-GmbH bei einem Rückzug der Stadt im Jahr 2020 insolvent werden, befürchtet der Vorstand Ulrich Lang.

Rückzug wäre ein Verzicht auf 1,4 Millionen

Gut drei Millionen Euro haben der 1400 Mitglieder zählende Förderverein, private Spender, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und staatliche Stellen schon in den Umbau des Hauses investiert. Bis Jahresende soll ein großes Foyer und eine Theaterbar an der Haagstraße entstehen. Für den folgenden, letzten Bauabschnitt errechnete man Kosten in Höhe von rund 3,3 Millionen Euro, unter anderem für einen Aufzug und ein Café-Bistro im Untergeschoss. Im September 2018 verpflichtete sich das Stadtparlament einstimmig, den Ausbau mit rund 1,8 Millionen mitzufinanzieren, wenn der Bund 1,4 Millionen beisteuert. Die vorläufige Zusage aus Berlin überbrachte im April 2019 der CDU-Bundestagsabgeordnete Oswin Veith. Nun stehen die genauen Bedingungen für den Zuschuss fest. Und diese Auflagen bringen die Entschlossenheit der Friedberger ins Wanken.

Das Geld fließt demnach nur, wenn die Friedberger die Planung und Bauleitung übernehmen und bezahlen. Das würde mehr als 200 000 Euro kosten, schätzte Bürgermeister Dirk Antkowiak gegenüber der Wetterauer Zeitung. Man müsse aber keinen Ingenieur einstellen, meinte ein sachkundiger Friedberger daraufhin in einem Brief an Antkowiak. Wer ehrenamtliche und freiberufliche Bausteuerer einsetze, komme mit 20 Prozent dieser Kosten aus. Kalte Füße bereitet den Politikern auch, dass die Ausbau-Zuschüsse aus Berlin verfallen würden, wenn sich der Bau verzögert. Das sei zu riskant. So lehnte der Magistrat Anfang August den Ausbau des Alten Hallenbades ab und verzichtete auf die siebenstellige Summe aus Berlin. Endgültig würde der Abgesang auf das Friedberger Kulturhaus, wenn der Haupt- und Finanzausschuss am 28. August ebenfalls kalte Füße bekommt.

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