Klimaschutz rettet Leben
Von Dietrich Jörrn Weder
Hitzewellen, eine heißer als die andere, rollen durch Europa. Der Klimawandel verbreitet erstmals mit dieser vollen Wucht Schrecken auf unserem Kontinent. In großer Zahl sterben Menschen in überhitzten Wohnungen. Hohe Temperaturen vereint mit großer Trockenheit lassen Waldbrände außer Kontrolle geraten. Flüsse führen so wenig Wasser, dass es für die Kühlung von Atomkraftwerken nicht mehr reicht.Wohnungen, aber auch Städte kühlen
Regen könnte vorübergehend ein wenig helfen. Der Überhitzung von Wohnungen aber helfen nur Klima-Anlagen ab. Doch die sind derart ausverkauft, dass sich die Leute in Einzelfällen um die letzten raren Stücke in den Geschäften prügeln. So hilflos gegen Extrem-Temperaturen will niemand die nächsten Jahre erleben.
Die Politik muss sich den Hitzeschutz ab sofort mit großen Lettern auf ihre Fahnen schreiben. Der Deutsche Städtetag möchte diesen Schutz als Gemeinschaftsaufgabe am liebsten ins Grundgesetz rücken. Die Städte sollen in einen Wettlauf eintreten, wer die Bürgerschaft mit mehr Grün, Verschattung und. wo möglich, mehr kühlendem Nass am besten vor Überhitzung schützt. In der Rhein-Main-Region – im heißen Südwestdreieck Deutschlands gelegen – tut dies besonders not.
Solar und Wind nicht hemmen!
Gerne hören wir die amtliche Feststellung, dass die Stromerzeugung im ersten Halbjahr sich zu gut 60 Prozent aus erneuerbaren Quellen speiste. Gar nicht gut bei Klimaschützern kommt dagegen ein Gesetzesvorschlag der Wirtschaftsministerin Reiche an. Dieser würde den Zubau von Fotovoltaik und Strom-Mühlen überall dort erschweren, wo ein überlastetes Netz das Mehr an erneuerbarer Elektrizität nicht jederzeit problemlos abführen kann.
Umgekehrt, mit einem beschleunigtem Netzausbau, wird ein Klimaschutz-Schuh daraus. Bundesländer an Nord- und Ostsee mit großen Windparks werden sich hoffentlich, wie angekündigt, im Gesetzgebungsverfahren gegen Einschränkungen wehren. Gesetzliche Hemmschuhe gegen den Zubau von Wind- und Solarkraft sind wirklich das Letzte, was wir brauchen.
Wir wollen doch nicht mit dem klimablinden Trump wetteifern, der sich nicht-fossiler Stromerzeugung prinzipiell in den Weg stellt. Mehr Strom aus erneuerbaren Quellen hilft – und das ist nicht zu viel gesagt – Klima und Leben zugleich zu retten. Die Abkehr von Öl und Gas aus dem Ausland macht die Energieversorgung sicherer und tut auf lange Sicht dem Wirtschaftsstandort Deutschland gut. Diesen Weg unbeirrt zu verfolgen, braucht es sehr langen Atem.
Dr. rer. pol. Dietrich Jörn Weder war Jahrzehnte lang leitender Umweltredakteur und Fernsehkommentator des Hessischen Rundfunks. Seit seiner Pensionierung arbeitet er als freier Autor für Print- und Audiomedien. Er betreibt den Blog Wachposten Frankfurt, auf dem er Kommentare zu aktuellen Themen veröffentlicht. Wachposten
Titelbild: Windpark in Mecklenburg. (Bildquelle: Wikipedia/Von Philipp Hertzog – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=193221)
