Gefährliche Fehleinschätzung
Der Großversorger Hessenwasser unterliege bei den Wasserresourcen einer „gefährlichen Fehleinschätzung“, warnt die Interessengemeinschaft zum Schutz des Wasserhaushalts im Vogelsberg (IG Wasser). Die Wasserschützer appellieren an Hessenwasser, den Vogelsberg nicht durch den Entzug riesiger Grundwassermengen für die Mainmetropole auszutrocknen, sondern alles Notwendige zu tun, um den Grundwasserverbrauch zu senken.Wassersparen unbedingt nötig
Durch die anhaltende Trockenheit gehe der Trinkwasserverbrauch steil nach oben. Während Kommunen zum Wassersparen aufrufen und die Oberhessische Versorgungsbetriebe AG (Ovag) reduzierte Grundwasserlieferungen ankündige, sehe Hessenwassser kein Ressourcenproblem. Geschäftsführerin Elisabeth Jreisat habe am 23. Juni 2026 erklärt: „Für uns als Vorlieferanten ist die zunehmende Abdeckung des Spitzenbedarfs kein Problem der Grundwasserressourcen.“ Geschäftsführer Wirtschaft Peter Stiens habe das in einem Beitrag der Hessenschau vom 29. Juli 2026 wiederholt. Im Blick hätten beide offenbar nur die technische Infrastruktur, die ausgebaut werden müsse, um eine Verdoppelung der Trinkwasserlieferung im Hitzesommer zu ermöglichen. „Dieses fehlende Problembewusstsein für den Wassernotstand sei geradezu als Aufforderung zum Wasserverbrauch in Wassernotzeiten zu verstehen“, sagt Günther Lißmann von der IG Wasser. Wie solle man den drei Millionen Bürgern im Versorgungsgebiet Rhein-Main erklären, sparsam mit Trinkwasser umzugehen, wenn Hessenwasser verkünde, es sei genug Trinkwasser da.
Kronberg und weitere von Hessenwasser mitversorgte Taunuskommunen ihre Wasserampeln auf rot gestellt, berichtet die IG Wasser. Das bedeute, dass hier der Wasserverbrauch auf das Nötigste begrenzt wird, um die Trink- und Löschwasserversorgung zu sichern und um einen Trinkwassernotstand zu verhindern. Der Wassernotstand, gerade in Süd- und Mittelhessen, sei offensichtlich. „Oberläufe der Bäche fallen trocken. Vielerorts verbieten Kommunen die Entnahme von Wasser aus Seen und Bächen. Bundeswasserstraßen melden Niedrigwasser mit erheblicher Einschränkung des Schiffsverkehrs. Grundwasserpegel sinken auf immer neue Tiefststände. Saftig grüne Wiesen werden zu Trockensavannen und die Trockenschäden in den Wäldern werden immer größer. Beregnungsverbände rationieren Grundwasser für die Bewässerung von Nutzpflanzen“, listet die IG Wasser auf.
Belastungsgrenze im Vogelsberg erreicht
Als Unternehmen mit gesamtgesellschaftlicher Verantwortung sei von Hessenwasser zu erwarten, den Vogelsberg nicht durch den Entzug riesiger Grundwassermengen für die Mainmetropole auszutrocknen, sondern alles Notwendige zu tun, um den Grundwasserverbrauch zu senken, betont die IG Wassere. Dazu gehöre primär, die Bevölkerung vom Wassersparen zu überzeugen. Weiterhin sei es erforderlich, die Nutzung des Oberflächenwassers aus den Flüssen Rhein und Main weiter auszubauen. Diese Möglichkeit habe Hessenwasser. Das koste zwar etwas mehr Geld, sei für Menschen, Natur und Landschaft im Vogelsberg aber zwingend notwendig. Ein weiterer Baustein, Grundwasser einzusparen, sei eine von allen Kommunen verordnete Verpflichtung zur Regenwassernutzung, insbesondere für die Grünbewässerung. Wer mit offenen Augen im Ballungsraum unterwegs sei, sehe viel zu oft, dass die Gartenbewässerung aus dem Wasserhahn und öffentliches Grün sowie Sportplätze über Hydranten aus dem öffentlichen Trinkwasserleitungsnetz bewässert werden.

„Hessenwasser und seine Zulieferer sollten verstehen, dass im einst wasserreichen Vogelsberg die Belastungsgrenze der erstklassigen Grundwassergewinnung überschritten ist. Wassersparappelle müssen ernst genommen werden. Und die Nutzung von aufbereitetem Oberflächen- und Regenwasser muss konsequent ausgebaut werden“, appelliert Günther Lißmann von der IG Wasser.
Titelbild: Der ausgetrocknete Vogelsberg.