Feuerwehr


Feuerwehr-Showdown in Karben

Von Klaus Nissen

Wen macht die Karbener Feuerwehr zu ihrem Hauptmann? Erstmals seit Menschengedenken gab es bei der Hauptversammlung eine Kampfkandidatur um das Amt des Stadtbrandinspektors. Der 59-jährige Hartmut Töpfer und sein Vorgänger Christian Becker (40) waren mal ein Team, reden nun aber kaum noch miteinander. In geheimer Wahl kürten die 174 Einsatzkräfte am 24. April 2026 im Petterweiler Bürgerhaus ihren Favoriten. Mit einer hauchdünnen Mehrheit.

Kampfkandidatur bei der Feuerwehr

Die Sache ist heikel. Wenn es brennt oder knallt, kann die gute Arbeit der 239 Feuerwehrmänner und -frauen für die Karbener lebensentscheidend sein. Wirklich gut arbeiten können die Blauröcke nur, wenn sie eine von allen akzeptierte Führungscrew mit Durchblick haben. Daran kamen seit 2023 Zweifel auf.

Diese Frauen und Männer entschieden, wer siebis 2028 anführt. Während der stundenlangen geheimen Wahl bildete sich auch vor dem Büffet (im Hintergrund) eine lange Schlange. Foto: Nissen

Stadtbrandinspektor Christian Becker gab damals vorzeitig sein Amt zurück. Die Gründe blieben unklar. Hartmut Töpfer wurde sein Nachfolger. Anfang 2026 meldete Becker den Anspruch an, wieder Feuerwehrchef zu werden, mit dem Rendeler Wehrführer Frank Winkler als Stellvertreter. Wer warum besser für das Amt geeignet sei, diskutierten die Kandidaten mit den Feuerwehr-Aktivn in getrennten Veranstaltungen hinter verschlossenen Türen. Der Burg-Gräfenröder Wehrführer Hendrick Strehl hatte da schon angekündigt, er werde mit weiteren Roggauern die Feuerwehr verlassen, falls Becker Standbrandinspektur würde.

Welches Lager gewinnt, bleibt lange unklar

Am Freitag fiel die Entscheidung. Die Presse bekam zunächst das Signal, sie sei bei der Hauptversammlung unerwünscht. Dann gewährte ihr Stadtbrandinspektor Töpfer den Zutritt doch. Der große Saal des Albert-Schäfer-Hauses war rappelvoll. Im Laufe des Abends wurde es darin immer heißer – wegen der vielen Menschen und der großen Menge an Leberkäse, Bratwürsten und Gemüse-Eintopf, die in beheizten Bottichen auf ihre Esser warteten.

Stadtbrandinspektor Hartmut Töpfer wirkte am Wahlabend konzentriert und ernst. Foto: Nissen

Das dauerte. Die spannende Wahl stand auf Punkt acht der Tagesordnung. Zunächst kam der Einsatzbericht (siehe Infobox), dann die Vergabe zahlreicher Beförderungs- und Anerkennungsurkunden mit Gang zur Bühne und Händedruck durch den Bürgermeister und den Kreisbrandinspektor. Kein Wort darüber, warum erstmals zwei Männer in geheimer Wahl um das Ehrenamt des Stadtbrandinspektors konkurrieren.

Erst nach 80 Minuten reihten sich gut 140 uniformierte Männer und 30 Frauen vor den vier Wahlkabinen auf. Kreisbrandinspektor Lars Henrich, Bürgermeister Guido Rahn, der Erste Stadtrat Thomas Schrage und die Feuerwehrfrau Alicia Wiedemann passten auf, dass alles regelkonform ablief. Sie rechneten mit bis zu drei Wahlgängen.

Geheime Wahl

Es ging schneller: Nach einer Stunde erklärte Thomas Schrage die Wiederwahl von Hartmut Töpfer zum Stadtbrandinspektor. Er hatte 90 der 174 gültigen Stimmen bekommen – nur zwei mehr als die nötigen 88 Stimmen für die absolute Mehrheit. Der Okärber Christian Becker erhielt 77 Stimmen.

Der Herausforderer Christian Becker nahm das Wahlergebnis im Saal regungslos zur Kenntnis. Foto: Nissen

Auch den stellvertretenden Stadtbrandinspektor bestimmten die Blauröcke in geheimer Wahl. Zunächst erhielt Hartmut Töpfers Vize Martin Strehl 82 Stimmen, Beckers Gefolgsmann Frank Winkler 74. Zum zweiten Wahlgang trat er nicht mehr an.Martin Strehl wurde mit 86 Ja-Stimmen bei vier Enthaltungen und 82 Nein-Stimmen im Amt bestätigt.

Danach gab es weder Dankesreden noch strahlende Gesichter. Denn das Wahlergebnis belegt, dass die Karbener Feuerwehr gespalten bleibt. Aus Gründen, die sie nicht öffentlich erläutern will.

Karbens Feuerwehr wächst

Von der Führungskrise abgesehen, gibt es bei der Karbener Feuerwehr diverse gute Nachrichten. Sie wird zum Beispiel größer. Mit 239 Aktiven waren im vorigen Jahr 21 mehr im Einsatz als 2024. Auch die Jugendfeuerwehr wächst, so Hartmut Töpfer. Sie hat nun 34 Jungs und 32 Mädchen in ihren Reihen. In der Kinderfeuerwehr bereiten sich 104 Sechs- bis Zehnjährige auf ihre Retter-Zukunft vor.

Grüße vom Podium: Kreisbrandinspektor Lars Henrich winkte in den Saal. Erster Stadtrat Thomas Schrage (links), Bürgermeister Guido Rahn (Mitte) und Vize-Stadtbrandinspektor Martin Strehl (rechts) lächelten – und waren wohl froh, als sie den heiklen Wahlabend in Petterweil hinter sich hatten. Foto: Nissen

Die Einsatzstatistik für 2025 enthält zum Glück wenig Dramatisches. Neben den 30 289 unbezahlt abgeleisteten Übungs- und Fortbildungsstunden gab es 140 Alarme – im Februar brannten Gartenmöbel auf einer Kloppenheimer Terrasse. Im Juli löschte die Wehr brennende Mülltonnen an der Kloppenheimer Kita – die das Feuer aber so schwer schädigte, dass sie abgerissen werden muss. Im August befreute die Feuerwehr drei Verletzte aus zwei verunglückten Autos auf der Nordumgehung.

Um die Feuerwehr-Freiwilligen zu motivieren, zahlte die Stadt Karben ihnen laut Bürgermeister Rahn für 2025 insgesamt 100 000 Euro als Anerkennungsprämien. Das Land Hessen gab weitere Tausender für langjährig Aktive hinzu. Weitere Millionen kosten die Feuerwehrhäuser und Geräte. Der neue Stützpunkt in Petterweil soll etwa im August komplett fertig sein. Für den Bau eines weiteren Stützpunkts am Burg-Gräfenröder Friedhof gab das Stadtparlament jüngst grünes Licht.

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