Wolf wird gezähmt

Wie der Mensch auf den Hund kam

Von Corinna Willführwolf

In der Keltenwelt am Glauberg wurde die Sonderausstellung „Die Zähmung des Wolfes – eine archäologische Spurensuche“ am 28. April 2016 eröffnet.

Der Wolf wird gezähmt

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Der „Star“ der Ausstellung: Das Präparat des „Gartower Rüden“, der 2015 am Preungesheimer Dreieck überfahren wurde. (Fotos: Willführ)

Der Anruf ging morgens um 6 Uhr im Polizeirevier in Frankfurt-Eschersheim ein. Die Meldung: Am Preungesheimer Dreieck liege ein „überfahrenes großes hundeähnliches Tier“. Es war der 21. April 2015. Das „große hundeähnliche Tier“ war ein Wolf. Genetische Untersuchungen konnten dies zweifelsfrei feststellen, auch, dass der Wolf aus Niedersachsen stammte. Er erhielt den Namen „Gartower Rüde“, wurde im Auftrag des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie präpariert und ist jetzt „Star“ der Ausstellung „Die Zähmung des Wolfes – eine archäologische Spurensuche“ in der Keltenwelt am Glauberg.
Die Sonderausstellung im Jubiläumsjahr – die Keltenwelt am Glauberg wurde 2011 eröffnet – besteht aus drei eigenständigen, sich ergänzenden Präsentationen. Aus dem Keltenmuseum im baden-württembergischen Hochdorf/Enz stammt der Teil, der ihr den Namen gab: „Die Zähmung des Wolfes – eine archäologische Spurensuche“. Mit ausgewählten Funden aus der frühkeltischen Siedlung bei Hochdorf und Leihgaben stellt sie den Prozess der Domestikation des Wildtieres in den Mittelpunkt. Was können archäologische Funde über die Geschichte des Hundes erzählen? Welche Rolle spielt der Hund für den damaligen Menschen? Wer sich die Tierschädel und -knochen in den Modulen betrachtet und die erläuternden Texte liest, erfährt zudem viel über die Arbeitsweise der Archäozoologie.

Gefährte seit Jahrtausenden

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Ein eisernes Stachelhalsband für Hunde aus dem frühen Mittelalter ist in einer der Vitrinen zu sehen.

Dass der Hund seit alters her ein Begleiter des Menschen ist, zeigen auch die Funde, die Museumsdirektorin Dr. Vera Rupp für die Schau „Der Hund in Hessen, Gefährte seit Jahrtausenden“ zusammengetragen hat. Zu den eindrucksvollsten Exponaten des Museums (in der Dauerausstellung zu sehen) gehört eine reich verzierte Schwertscheide aus dem fünften Jahrhundert vor Christus, die bei den Ausgrabungen am Glauberg entdeckt wurde. Sie zeigt in einer auf die Waffe eingravierten Szene, wie sich zwei groß gewachsene Hunde „kräftigen Bestien“ entgegenstellen. Um sich die Exponate in den eigens für die Sonderausstellung angefertigten Vitrinen anzusehen, empfiehlt es sich für den Museumsbesuch Zeit mitzubringen. Bieten sie doch – nach Themen und nicht chronologisch geordnet – eine außergewöhnliche Sicht auf die Beziehung zwischen Mensch und Hund von der Jungsteinzeit vor rund 7500 Jahren bis ins Mittelalter. Und diese war durchaus wechselvoll. Mal war sie von großer Zuneigung geprägt, wie das Beispiel einer römischen Statuette mit Schoßhündchen zeigt, mal vom Glauben an die Kraft der Tiere, wie man bei einer jungsteinzeitliche Kette mit Hundezähnen aus einem Grab in Butzbach vermuten kann (War sie ein Talisman oder ein Amulett?) mal durch ein reines Zweckverhältnis. Bei diesem galt der Hund seinem Besitzer als Hüter von Haus und Hof oder als Gefährte bei der Jagd. Dass er auch „Begleiter ins Jenseits“ war, zeigt (nicht nur) ein beeindruckendes Foto: Zwei auf Zwei Meter ist es groß und gewährt unter dem Titel „Mit Pferden und Hunden ins Reich der Toten“ einen Blick auf eine von Archäologen bei Nieder-Erlenbach freigelegte Grube.

„Dem Wolf eine Chance zum Überleben geben“
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Boris Rhein, Hessischer Staatsminister für Wissenschaft und Kunst (Mitte) mit Museumsdirektorin Dr. Vera Rupp und dem Glauburger Bürgermeister Carsten Krätschmer bei einem Rundgang durch die Ausstellung.

Von der Vergangenheit in die Gegenwart und damit zu Teil 3 der Sonderausstellung. „Der Wolf – Rückkehr nach Hessen?“ „Objektiv und neutral will diese über das Wildtier informieren“, so Professor Thomas Schmid, Präsident des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie. Denn der Wolf spaltet: Gilt er den einen „als Partner im Ökosystem“, ist er anderen ein „Störenfried“. Auf jeden Fall, so Schmid, „sollte man ihm wie der Libelle oder dem Frauenmantel eine Chance zum Überleben geben.“ Wie er sich anhört: Einfach die Kopfhörer aufsetzen und in der Ausstellung dem Heulen von „Ayla“ und „Scott“, zwei Exemplaren seiner Art aus dem Wildpark Hanau, lauschen.
Neben der Ausstellung (bis 16. Oktober) bietet die Keltenwelt am Glauberg zum Thema zahlreiche Veranstaltungen für die ganze Familie an. Ein Besuch der Sonderausstellung ist im Eintrittspreis für das Museum enthalten.
keltenwelt-glauberg.de

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