Windkraft

Drei Türme für Ulfa

Von Klaus Nissen

Nördlich von Ulfa (einem Stadtteil von Nidda im Wetteraukreis) werden drei Windräder gen Himmel wachsen. Der Genehmigungsantrag ist eingereicht, berichteten Vertreter des Wiesbadener Unternehmens ABO Wind bei einer Präsentation im Bürgerhaus von Ulfa. Sie nannten Details dieses Projekts.

Stromausbeute reicht für ganz Nidda

Die Leute von Ulfa hätten an diesem Oktobertag ein kostenloses Abendbrot bekommen – wenn sie denn ihr Bürgerhaus am Dorfrand denn aufgesucht hätten. Doch nur wenige der fast insgesamt 1200 Anwohner ließen sich blicken. Als die Infomesse der Abo Wind gegen 20 Uhr schloss, lagen noch sehr viele Käse- und Wurstbrötchen auf den Tabletts. Die jungen Abgesandten des Windkraft-Entwicklers schauten meistens in einen leeren Saal.

Momentan ist auf dem Stoppelacker nördlich von Ulfa nur der Wald des Johannisküppels zu sehen. Im Jahr 2023 sollen im Vordergrund, vor dem Wald und rechts davon drei Windmasten stehen. Foto: Nissen

Sie hatten zwölf Infotafeln dabei, auf denen man Details über die drei geplanten Windmasten lesen und dann Fragen stellen konnte. Die Anlagen wachsen demnach an der Grenze zum Kreis Gießen in mindestens 1300 Metern Entfernung von Ulfa. Nach Stornfels beträgt der Abstand rund 1,8 Kilometer, nach Gonterskirchen 3,8 und nach Langd drei Kilometer. Das neue Dreieck der Windmasten steht am Katzenberg, vor dem Wald am Johannsköppel und neben einem Hang mit dem eindrücklichen Namen „Im ungeheuren Grund“.

Die Anlagen ragen 246 Meter auf

Die Naben der Rotoren werden in 166 Metern Höhe montiert; zusammen mit dem Rotor ist jede Anlage 246 Meter hoch. Eingebaut werden Generatoren vom Typ Enercon E-160, der nicht mit jenem Windmast-Typ identisch ist, der jüngst bei Haltern am See in Nordrhein-Westfalen einstürzte.

Die Fundamente der drei Windmasten werden viereinhalb Meter tief in den Boden reichen und jeweils rund 20 Meter durchmessen. Für den Bau müssen pro Windmast 1800 Quadratmeter geschottert werden.

Strom für 11 000 Haushalte

Die Generatoren können bei optimalem Wind jeweils bis zu 5,5 Megawatt Strom liefern. Pro Jahr rechnet ABO Wind mit 36 Millionen Kilowattstunden Grünstrom – damit könne man 11 000 Haushalte versorgen, so die Bauherren. Also mehr als alle Einwohner von Nidda.

Profitieren sollen die Anwohner auch finanziell. Man werde von interessierten Bürgern in Nidda Geld für den Bau der Windanlagen leihen, sagte der Projektbetreuer Manuel Schmuck im Bürgerhaus. Die Konditionen würden demnächst gemeinsam mit der Stadtverwaltung oder dem Ortsbeirat festgelegt. Bisher könne man bei solchen festverzinslichen, bei etwa 10 000 Euro gedeckelten Darlehen mit etwa vier Prozent Rendite rechnen.

Die roten Kreise auf dieser Schautafel zeigen die Lage der künftigen Windanlagen nördlich von Ulfa an. Das Areal ist vor Monaten vom Regionalverband zum Vorranggebiet für Windkraftnutzung erklärt worden. Foto: Nissen

Die umliegenden Kommunen sollen noch mehr Geld bekommen. Über 20 Jahre hinweg stehen dabei insgesamt 1,4 Millionen Euro in Aussicht. Davon könne die Stadt Nidda jährlich 46 500 Euro erhalten, Hungen 19 000 und Laubach 6500 Euro. Die Erbauerfirma will den Windpark nach Fertigstellung an noch unbekannte Käufer weitergeben – allerdings will ABO Wind laut Manuel Schmuck die Wartung und Verwaltung der Anlagen über die komplette Laufzeit garantieren.

Bei einer Feldbegegung mit der Firma im Oktober 2020 waren aus dem Kreis der Teilnehmer ökologische Bedenken geäußert worden. Nach neueren Untersuchungen wisse man von zwei Rotmilan-Revieren in 1500 Metern Entfernung, heißt es auf den Schautafeln. Außerdem gebe es dort 15 Fledermausarten. In den Zeiten, in denen Kollisionen der Rotoren mit den Tieren drohen, sollen die Generatoren vorsorglich ruhen. Andere Umweltbeeinträchtigungen sollen mit neuen Hecken und Blühstreifen ausgeglichen werden.

Manch Einheimischer sorgt sich um das Landschaftsbild

Mitte September beantragte das Unternehmen den Bau des Windparks. Im ersten Quartal des nächsten Jahres sollen die Antragsunterlagen veröffentlicht werden. Dann ist auch öffentlicher Erörterungstermin geplant. Für das zweite Quartal 2022 erhofft ABO Wind die Baugenehmigung. Ein Jahr später sollen die drei Masten den ersten Strom liefern.

Vor allem Männer aus der Umgebung schauten sich die Infomesse im Bürgerhaus an. Was er vom Projekt halte, fragte der Kreis-Anzeiger einen von ihnen. „Es muss ja etwas passieren“, antwortete er. „Wir müssen weg von der Kohle“. Auch wenn er nicht daran glaube, dass vor 2038 genug Wind- und Solarstrom erzeugt werde, um die Kohlekraftwerke wie geplant stillzulegen.

Viele Dächer könnten ebenfalls Strom produzieren

Er selber habe schon seit mehr als 20 Jahren eine Photovoltaikanlage auf dem Dach. Er habe sich nun Batterien zum Stromspeichern angeschafft und werde mit dem eigenen Solarstrom künftig ein Elektroauto antreiben. Viele, viele Dächer in Ulfa könnten ebenfalls Strom produzieren, so der Einheimische. Man müsse sich nur mit dem Thema befassen.

Im Eingangsbereich des Bürgerhauses saßen einige Herren beim Feierabendbier. Wie sehen sie das Windparkprojekt? Einer von ihnen schüttelte den Kopf. „Ich stamme aus dem Vogelsberg. Das einzige, was wir da noch haben, ist die schöne Landschaft. Und die wird mit diesen Masten kaputt gemacht!“ Ein anderer: „Die Windmasten sind 80 Prozent der Leute egal. Sie nehmen ja auch hin, dass die Frankfurter unser Wasser abpumpen und dafür weniger Gebühren zahlen als wir selber.“

Mehr über das Windkraftprojekt auf der Webseite

www.windpark-ulfa.de

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