Wetterauer Kulturpreis

Harald Steinke ist wöchentlich auf Sendung

Von Corinna Willführ

Auch während des Corona-Lockdowns war Harald Steinke in seiner Stockheimer Kulturhalle aktiv. Publikum durfte er nicht empfangen – aber Sendungen aus der Halle funktionierten. Der Wetteraukreis hat den einfallsreichen Organisiator mit dem 25. Wetterauer Kulturpreis ausgezeichnet.

Kulturpreis an den Mann aus Stockheim

Er bezeichnet sich selbst als „positiv Verrückten“. Was man nachvollziehen kann, wenn ein Mann, Jahrgang 1958 mit Familie, von Beruf Schornsteinfegermeister, viel Zeit, Mut und Geld in eine Idee investiert. Aus dieser ist in den vergangenen zehn Jahren eine feste Kultureinrichtung geworden: die Kulturhalle Stockheim. Einer der wenigen Orte, die in der Pandemie Künstlerinnen und Künstlern noch eine Auftrittsmöglichkeit boten.

Harald Steinke, Träger des 25. Wetterauer Kulturpreises, zwischen Ex-Landrat Rolf Gnadl (links) und dessen amtierenden Amtskollegen Jan Weckler, mit der von Ulrike Obenauer gestalteten Urkunde. (Foto: Corinna Willführ)

Dank neuer Ideen ihres Initiators. Denn aus der direkt an den Gleisen der Bahnstation gelegenen Kulturhalle im Glauburger Ortsteil Stockheim wurden (und werden) Veranstaltungen live ins Netz gestellt. Konzerte, Gesprächsrunden, Events. Für sein Engagement wurde Harald Steinke im September 2021 mit dem 25. Wetterauer Kulturpreis ausgezeichnet – vor Ort, versteht sich.

Er bietet Musikern, Kabarettisten eine Bühne

Auf der Bühne der Kulturhalle Stockheim steht am Abend der Preisverleihung zunächst einmal nicht Harald Steinke, sondern Nadine Wopp mit ihrer Band. Auch wenn der Stockheimer ab und an mal selbst als Moderator zum Mikrofon greift, die Bühne in der im April 2010 eröffneten Kulturhalle soll vorrangig für jene sein, die sich auf ihre Profession oder Leidenschaft besser verstehen: Musiker, Kabarettisten, Schauspieler, Autoren. Was das Künstlerische angeht, sagt Harald Steinke: „Ich bin nur Hobby-Schlagzeuger, der das Glück hatte, in Bands mit professionellen Musikern spielen zu dürfen.“

Ansonsten ist er ein „Kultur-Ermöglicher“, ein „Multitalent, ein Tausendsassa, ein One-Man-Acter“ wie der ehemalige Landrat des Wetteraukreises, Rolf Gnadl, ihn in seiner Laudatio bezeichnete, weil er „an jeder Stelle zu sehen ist: handwerklich, organisatorisch, akquisitorisch (Künstler), administrativ (Behörden) usw., Marketing und Vertrieb.“ Eben einer „der eine Plattform für Kultur bietet“ – und damit unter den bislang 25 ausgezeichneten Preisträgern erst der Dritte ist – nach der Galerie Hoffmann in Friedberg-Bruchenbrücken 1998 und dem Theater Altes Hallenbad in Friedberg 2017. „Außergewöhnliches, Ausgezeichnetes unter dem vielen Guten, das es zu unserem Glück in unseren Kreis gibt“, habe Harald Steinke geschaffen, wie Rolf Gnadl nach einem ausführlichen Exkurs über den Begriff der Kultur und die Verhältnisse und Verhinderungen der Kulturförderung im Wetteraukreis während seiner Amtszeit als Landrat (1992 bis 2008) konstatierte.

Die HSK-Show wendet wöchentlich aus der Kulturhalle

Für Jan Weckler, seit April 2018 Landrat des Wetteraukreises, ehrte die Jury, deren einhelligem Votum der Kreis folgte, mit Harald Steinke „einen Menschen, der in dieser Pandemie genau das Richtige gemacht hat. Und mit neuen Ideen und neuen Formaten das kulturelle Leben im Wetteraukreis bereichert hat. Und gleichzeitig Künstlerinnen und Künstlern zu Auftrittschancen verhilft, die sie sonst nicht haben oder gehabt hätten.“ Das hervorstechendste neue Format: die HSK-Show, in der einmal wöchentlich Veranstaltungen aus der Kulturhalle Stockheim auf Facebook und YouTube eingestellt werden. Weckler: „Das gab vielen Menschen, die Möglichkeit, regionale Kultur auch in kontaktlosen Zeiten zu erleben.“

Realisiert wird das „neue Format“ nicht allein von Harald Steinke, sondern von einem Team junger Menschen, allen voran der 17-jährige „absolut technik-affine“ (Gnadl) 17-jährige Sohn des Preisträgers, Paul Steinke. So wurde die Preisverleihung am Abend in Bild und Ton auch auf einen großformatigen Bildschirm für das Publikum auf der Kulturrampe – im überdachten Freibereich vor der Kulturhalle – übertragen. „Kabarett, Musik oder Lesung, da kulturelle Angebot ist breit und sucht seinesgleichen in der Region.“ Mit dem an die Kulturhalle angrenzenden Wohnmobilstellplätzen und einer Ladestation für E-Fahrzeuge leiste Harald Steinke zudem auch einen Beitrag für die touristische Entwicklung im Wetterauer Ostkreis.

„Für mich gibt es nichts Schöneres, wenn Künstlerinnen und Künstler bei einem Auftritt hier von ‚ihrem Wohnzimmer‘ sprechen“, so der Geehrte. Maximal (ohne Corona-Auflagen) ist in der Kulturhalle Stockheim Platz für ein 120-köpfiges Publikum. Was sich Harald Steinke für die Zukunft wünscht? „Weiterhin mit der Jugend altern zu können.“ Auf neue Ideen, die aus dem Generationenaustausch entstehen, darf man gespannt sein.

Der Wetterauer Kulturpreis

Der Wetterauer Kulturpreis wurde erstmals 1988 an den Schauspieler und damaligen Leiter des „Fresche Keller“ in Ortenberg, Hans Schwab, vergeben. „Dem Diktat der Sparkommissare folgend“, so Ex-Landrat Gnadl, wurde die Kulturförderung im Kreis „weitgehend gestrichen“ und der Kulturpreis wurde in den 1990er Jahren ausgesetzt. Seit 1999 wird er wieder für Künstlerinnen und Künstler aus den Sparten Bildende Kunst, Literatur, Theater, Film und Fotografie sowie Kleinkunst, Regionale Geschichte und Musik vergeben. Preisträgerin 2020 war die Ortenberger Künstlerin Ulrike Obenauer. Der Preis ist nicht nur mit 2500 Euro dotiert, sondern auch mit einer individuell gestalteten Urkunde aus Künstlerhand. Kopien von allen Urkunden die in 25 Jahren Wetterauer Kulturpreis angefertigt wurden, sind im Kreishaus in Friedberg ausgestellt.

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