Wassermangel

Kostbares Nass

„Der Kampf ums Wasser ist in vollem Gange“, stellt die Schutzgemeinschaft Vogelsberg (SGV) fest. Trotz Wassermangel in Vogelsberg und Wetterau wird das kostbare Nass fleißig ins Rhein-Main-Gebiet gepumpt. Wasserschützer protestieren mit dem „Wasserlauf 2022“ gegen den Raubbau.

„Die seit April anhaltende und für die nächsten Wochen weiterhin prognostizierte Trockenheit und hohe Temperaturen schlagen im und um den Vogelsberg in diesem Jahr erneut heftig zu. Und treffen dort auf Böden, die bereits in der extrem langen Trockenperiode 2018 bis 2020 und sogar noch Weihnachten 2021 bis in größere Tiefen so gut wie kein Wasser mehr hatten. In der Folge fallen schon seit dem Frühjahr immer mehr Gewässer trocken. Die Landkreise Vogelsberg und Wetterau haben deshalb das Entnehmen von Wasser aus Bächen und Teichen verboten. Zudem versuchen hier die Kommunen, mit Rückhaltungen den Abfluss von Oberflächenwasser zu drosseln“, beschreibt die SGV die Situation.

Kaum Grundwasserneubildung

Weniger sichtbar, aber mindestens genauso problematisch sei die Kombination aus ausgetrockneten Böden und akutem Niederschlagsmangel für das Grundwasser. Selbst wenn es jetzt ausgiebig regnen würde, werde es in den nächsten Monaten, ähnlich wie in den Vorjahren, kaum eine Grundwasserneubildung geben. Das sei für die Natur, den Forst und die Landwirtschaft fatal – besonders dort, wo viel Grundwasser abgepumpt wird.

In der Folge müssten besonders diejenigen der großen Grundwasserwerke, die mit hohem ökologischen Risiko Fernwasser nach Rhein-Main exportieren, ihre Entnahmen drosseln. Doch genau das geschehe nicht. Die „Wasserampel“ des Wasserhändlers Oberhessische Versorgungsbetriebe AG (Ovag) stehe bis Oktober lediglich auf Gelb. Das habe im Ballungsraum auf den Verbrauch so gut wie keine dämpfenden Auswirkungen. „Eher ist das Gegenteil der Fall“, beklagen die Wasserschützer.

Im Ballungsraum würden gerade im Sommer regelmäßig Spitzenmengen an Trinkwasser vergeudet. Frankfurt unternehme, trotz vieler Aufforderungen und gegenteiliger Ankündigungen, nichts Greifbares, um seine Liefergebiete zu entlasten, sondern bewirke mit seinen Forderungen nach Zusatzwasser genau das Gegenteil. Das Absurde daran sei der Wasserreichtum der Stadt. Den habe sie in ihrem eigenen Wasserkonzept nachgewiesen und der ließe sich nutzen. „Doch da sich gerade im Sommer mit billigerem Importwasser viel bessere Geschäfte machen lassen, wird hoch anstehendes Grundwasser in Frankfurt lieber in den Kanal gepumpt als in Toiletten oder Bewässerungszisternen“, stellt die SGV fest.

Dass sich der Ballungsraum „eine solch langjährige, im wahrsten Sinn des Wortes maßlose Ignoranz gegenüber den Grundwasserproblemen in Trockenzeiten“ leisten könne, liege auch an schwachen Aufsichtsbehörden. Diese hätten Frankfurt schon längst zur Nutzung der eigenen Wasservorkommen zwingen müssen. „Doch hierfür muss offensichtlich noch sehr viel mehr öffentlicher Druck gemacht werden“, sagt die SGV-Vorsitzende Cécile Hahn. Der Wasserlauf am 16. Juli 2022, bei dem ein Verbund von Wasserschützern bereits geliefertes Fernwasser aus Frankfurt zu Fuß, per Rad und mit einer Pferdekutsche zurück in den Vogelsberg bringen will, sei dazu eine gute Gelegenheit. „Unterstützen Sie die Aktion mit Ihrer Teilnahme, um hierdurch ein deutliches Zeichen gegen ein ‚Weiter so‘ zu setzen“, appelliert Hahn.

Weitere Informationen zu der Aktion, dem zeitlichen Ablauf sowie der Strecke stehen hier: wasserlauf-2022.de.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.