US-Wahlen

Votum gegen Rechenzentren

Von Dietrich Jörn Weder

Die siegreichen Demokraten haben bei den US-Zwischenwahlen auch gegen neue monströse Rechenzentren und die dahinter stehenden Tech-Milliardäre votiert. Das wird den bisher ungebremsten Siegeszug der Künstlichen Intelligenz zügeln und verteuern. US-Bürger widersetzen sich dem Flächenfraß der Rechenzentren und ihrem gewaltigen Strom- und Wasserverbrauch, der vielerorts zu Lasten der Anwohner geht.

Auftrieb für Solar und Wind

So regelfrei-ungebremst, wie sich das Donald Tump wünscht, wird es für die Künstliche Intelligenz in den USA nicht weitergehen. Die Aktienkurse der KI-Konzerne sind als Reaktion auf den Wahlausgang kräftig gefallen. Die Aktien von Solar- und Windenergie-Unternehmen stiegen dagegen. Die Börse glaubt offenbar, dass der politisch geschwächte US-Präsident die Erneuerbaren Energien nicht mehr so wirksam wie bisher kleinhalten kann.

Erneuerbares Texas

Texas betreibt auf seinem großen Territorium mehr Windmühlen als jeder andere US-Bundesstaat und die neue demokratische Gouverneurin wird sich auf diesem Feld noch weniger als ihr republikanischer Vorgänger Fesseln anlegen lassen. Die neue demokratische Kongress-Mehrheit wird gewiss auch versuchen , Bidens großes Programm für mehr klimaneutrale Energie wiederaufleben zu lassen.

Klimadiskussion nicht aufzuhalten!

Der für den Rest seiner Amtszeit durch die Wahlniederlage zur „lame duck“ (lahmen Ente) gewordene US-Präsident wird es nicht verhindern können, dass die Begriffe Klimawandel und Klimaschutz in die öffentliche Diskussion zurückkehren. Die unerbittlich fortschreitende Erderwärmung, mehr und mehr davon betroffene Bürger und die nur zeitweilig politisch entmündigte US-Klimawissenschaft werden dafür sorgen.

Bricht nun frei nach Wolf Biermanns „Ermutigung“ auch in Amerika das Grün wieder aus den Zweigen? Selbst republikanische Wähler dürften nichts dagegen haben, wenn die von Trump aufgehobenen Luftreinhalte-Vorschriften wieder zur Geltung kommen. Dass die Nationalpark-Verwaltungen ausreichend Personal zurückerhalten, um ihre Aufgaben zu erfüllen, dürfte ebenfalls des Volkes Wille sein.

Hoffnung auf grüne Politikwende

Wieviel „grüne“ Politik die neue Kongress-Mehrheit durchsetzen kann und will, lässt sich nicht mit Bestimmtheit voraussagen. Aber eine neue Richtung wird ganz offenbar gewollt. Ohne sie ist der hochnotdringliche Kampf gegen den Klimawandel in der Welt nicht zu gewinnen. Der Erdrutschsieg der US-Demokraten ermutigt uns, Hoffnung zu schöpfen.

Dr. rer. pol. Dietrich Jörn Weder war Jahrzehnte lang leitender Umweltredakteur und Fernsehkommentator des Hessischen Rundfunks. Seit seiner Pensionierung arbeitet er als freier Autor für Print- und Audiomedien. Er betreibt den Blog Wachposten Frankfurt, auf dem er Kommentare zu aktuellen Themen veröffentlicht. Wachposten

Titelbild: Blick auf die Kühlanlagen und Notstromaggregate eines Rechenzentrums von NTT in Mesa, Arizona. (Bildquelle: Wikipedia)

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