RÖNTGENSTRAHLEN

Entdeckung per Zufall

Freitagabend am 8. November 1895 entdeckte der Physiker Wilhelm Conrad Röntgen an der Universität in Würzburg eher zufällig das Phänomen der nach ihm benannten Strahlen. Heute ist Röntgenstrahlung aus Medizin, Forschung und Industrie nicht mehr wegzudenken. Der Internationale Tag der Röntgenstrahlung am 8. November erinnert an diesen Tag und an den Namensgeber.

Bezug zu Mittelhessen

Wilhelm Conrad Röntgen( Foto: Wikipedia, Erwin Hanfstaengel

Der Wissenschaflter hat einen engen Bezug zu Mittelhessen, berichtet die Pressestelle des Regierungspräsidiums (RP) Gießen: 1923 ist Röntgen  auf dem Alten Friedhof in Gießen beigesetzt worden. In den fünf mittelhessischen Landkreisen sind derzeit knapp 3.000 Röntgenanlagen in Betrieb. Genehmigt und überwacht werden sie vom achtköpfigen Strahlenschutz-Team des RP Gießen.

Strenge Kontrollen

„Die Spanne reicht vom klassischen Röntgengerät beim Zahnarzt oder Orthopäden über universitäre Forschungseinrichtungen bis hin zu industriellen Anwendungen wie Schweißnahtprüfungen“, erklärt der kommissarische Abteilungsleiter Dr. Jens Gerlach. Ziel ist es, die sichere Anwendung für alle Beteiligten zu gewährleisten, vom Personal bis zu den Patienten. Dazu gehören Genehmigungen, Anzeigen und regelmäßige Begehungen vor Ort. Dass alle Röntgenanlagen streng kontrolliert werden, hat einen einfachen Grund: Ionisierende Strahlung kann bei zu hoher Dosis Gewebe schädigen. Gleichzeitig ist sie aus der modernen Diagnostik und Therapie nicht mehr wegzudenken.

Neue Medizinentwicklungen
Das Mammographie-Screening zur Brustkrebsfrüherkennung ist eines von zwei zugelassenen Verfahren, bei denen die Vorsorge mittels Röntgenstrahlen erlaubt ist. (Foto: RP Gießen)

Die Vorsorge mit Röntgenstrahlen in der medizinischen Diagnostik ist eine vergleichsweise neue Entwicklung. Röntgenuntersuchungen zur Früherkennung sind nur dann erlaubt, wenn sie zuvor durch das Bundesumweltministerium zugelassen wurden. Entscheidend ist, dass der Nutzen das Strahlenrisiko deutlich überwiegt. Erst nach der Genehmigung durch das RP Gießen darf eine Einrichtung die Untersuchung anbieten.

Derzeit gibt es in Deutschland nur zwei zugelassene Verfahren zur Früherkennung mittels Röntgenstrahlen: Das vor 21 Jahren eingeführte Mammographie-Screening-Programm zur Brustkrebsfrüherkennung bei Frauen zwischen 50 und 75 Jahren sowie das seit 2024 mögliche Lungenkrebs-Screening mittels Low-Dose-CT für starke (Ex-)Raucher in derselben Altersspanne. Im Februar 2026 wurde die Altersgrenze in der Brustkrebsfrüherkennungsverordnung auf 45 Jahre herabgesetzt und durch den neuen Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses in diesem Monat wurde das Mammographie-Screening-Programm angepasst.  Früherkennung richtet sich an symptomlose Menschen und soll Krankheiten in einem frühen, gut behandelbaren Stadium entdecken, mit dem Ziel, die Heilungschancen deutlich zu verbessern.

Der historische Moment
Röntgens berühmtes Röntgenbild der Hand seiner Ehefrau Anna Bertha, präsentiert vom Professor Ludwig Zehnder 1896. (Quelle: Wikipedia)
 

Was heute zum medizinischen Alltag gehört, begann mit einer einfachen Beobachtung: Als Wilhelm Conrad Röntgen vor 131 Jahren bemerkte, dass eine unbekannte Strahlung sogar durch Holz und Papier dringt, erkannte er deren Bedeutung sofort. Das erste Röntgenbild, die Hand seiner Frau, gilt bis heute als Symbol für den Beginn einer neuen Ära der Medizin.

Röntgen und Gießen

Und was hat er mit Gießen zu tun? 1879 wurde Röntgen als ordentlicher Professor für Physik an die Justus-Liebig-Universität Gießen berufen und lehrte dort fast ein Jahrzehnt lang. In seiner Gießener Zeit publizierte Röntgen fast zwei Dutzend wissenschaftliche Aufsätze. Die Entdeckung der nach ihm benannten Strahlen gelang ihm, wie eingangs erwähnt,  jedoch erst später während seiner Tätigkeit an der Universität Würzburg. 

Der Stadt Gießen blieb er jedoch lebenslang eng verbunden. Nicht umsonst wollte er auf dem heutigen Alten Friedhof begraben werden. Im Theaterpark in der Gießener Südanlage erinnert seit 1962 ein markantes Denkmal des Künstlers Erich Fritz Reuter an die wissenschaftliche Sensation und ihren Urheber: mit einem dunklen Naturstein, der von silbernen Metallstäben durchdrungen wird, was symbolisch die Entdeckung der X-Strahlen darstellt.

Sonderbriefmarke zum 150. Geburtstag von Röntgen und zum 100. Jahrestag der Entdeckung der Röntgenstrahlen  (Quelle: Wikipedia, http://staff.imsa.edu/wlang/gr/gr3/exercises/Wiss.html, Deutsche Bundespost, Landgericht München (AZ 21 S 20861/86) http://www.juraforum.de/forum/urheberrecht/urheberrecht-briefmarken-320291
 

Titelbild (Ausschnitt): Das von Erich Fritz Reuter geschaffene Denkmal in Gießen in der Südanlage zu Ehren des bedeutenden Wissenschaftlers (Foto: Wikipedia,  Norbert Fust)

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