Nachruf auf David Bowie

UnBowiesterblicher „Major Tom“

von Jörg-Peter Schmidt

Vor gut 40 Jahren hat Landbote-Autor Jörg-Peter Schmidt erstmals „Space Oddity“ von David Bowie gehört – und er war elektrisiert. Sein Nachruf auf den Musiker.

Die Kontrollstation verliert den Kontakt

Es muss wohl Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre gewesen sein: Ich hörte im Musikkeller „Haarlem“ in Gießen elektrisiert erstmals „Space Oddity“: David Bowie singt über „Major Tom“, der von seinem Raumschiff auf den wunderschönen blauen Planeten Erde hinunter schaut. Der Song endet nicht optimistisch: Die Kontrollstation verliert den Kontakt zum Raumschiff, das im All entschwindet…


1969 war nicht nur das Jahr der Mondlandung, sondern durch „Space Oddity“ auch des musikalischen Raketenaufstiegs von David Bowie, der jetzt wie Major Tom tatsächlich die Erde verlassen hat: Am 10. Januar 2016 erlag er im Alter von 69 Jahren in New York City einem Krebsleiden.

Der Astronaut Tom taucht wieder auf

Im Radio und im Fernsehen erklingt zu den Nachrufen immer wieder sein erster Hit, von dem er sich trotz seiner musikalischer Weiterentwicklung nie distanziert hat. Ganz im Gegenteil: 1980 tauchte der Astronaut Tom, der doch 1969 in der Unendlichkeit des Welltalls verschwunden war, in dem Song „Ashes to Ashes“ wieder auf: als Junkie. Damit spielte Bowie auf seine eigene Drogenabhängigkeit an. Er bekämpfte sie in den siebziger Jahren, als er in West-Berlin lebte und dort eine seine besten Platten – „Heroes“ – aufnahm, mit dem kalten Entzug, von dessen Qualen Bowies Kumpel John Lennon in seinem Song „Cold Turkey“ sang.
Die Science-Fiction-Atmosphäre von „Space Oddity“ prägte im Laufe der nächstem Jahrzehnte Bowies künstlerisches Schaffen, beispielsweise als Hauptdarsteller im Film „Der Mann, der vom Himmel fiel“ (1976): Ein Außerirdischer taucht auf der Erde auf, weil er Wasser für seine Heimatwelt sucht; er zerbricht an der menschlichen Kälte, die ihm viele Menschen entgegenbringen. Und auch das legendäre Album „The Rise and Fall of Ziggy Stardust an the Spiders from Mars“ (1972 erschienen) weist Zukunftsvisionen auf. Das Album „Diamond Dogs“ (1974) ist von Gorge Orwells Roman „1984“ beeinflusst.

Immer ein Zeitalter voraus

David Bowie war immer ein Zeitalter voraus: In der Mode mit spektakulärer Kleidung und der Musik, wo er den Glamrock beieinflusste sowie viele andere musikalischen Richtungen; seine Freunde, zu denen Lou Reed und Iggy Pop zählten, halfen ihm, wenn er wieder mal neue Soundrichtungen kreiert hatte. Und auch bei seinem kurz vor seinen Tod veröffentlichten, von den Kritikern hochgelobten Album „Blackstar“ war er allen wieder eine Nasenlänge voran: Bowie verband Popmusik mit Jazz, womit er jüngere Musikerkollegen zum Nachahmen animierte.
Vielleicht gibt es den einen oder anderen älteren „Landboten“-Leser, der David Bowie auf einem Konzert oder seiner Zeit in Berlin erlebt hat. Ich habe ihn nie auf der Bühne erleben können – kenne ihn nur von seinen Alben her. Und da es in unserem Haushalt einen hervorragenden funktionierenden Schallplattenapparat gibt, lege ich die Platte mit der Geschichte von Major Tom auf: jetzt nicht den gar nicht mal so schlechten Hit von Peter Schilling (1983), sondern den Song von David Bowie. In „Space Oddity“ heißt es: „Planet earth ist blue and there’s nothing I can do.“ „Blue“ bedeutet in der Übersetzung nicht nur „blau“, sondern auch „traurig“. „Die Erde ist traurig“ singt Bowie, in der Tat traurig wegen des Todes dieses großartigen Künstlers , der sicherlich noch das eine oder andere wegweisende Album aufgenommen hätte.

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