Trockenheit

Hessenweit Wassernotstand ausrufen

In Hessen muss der Wassernotstand ausgerufen werden, fordert die Schutzgemeinschaft Vogelsberg (SGV). Nur so könnten Kommunen zum Wassersparen gezwungen werden. In Frankfurt werden trotz Wassermangel Sportplätze mit Trinkwasser bewässert.

„Alle Proteste gegen den Raubbau im Vogelsberg und die Trinkwasserverschwendung der Metropole lassen Frankfurt kalt. Die Stadtregierung verweigert weiterhin eine stärkere Eigenversorgung trotz gegenteiliger Gutachten. Und trotz der katastrophalen Dürrejahre. Jetzt hilft nur noch ein landesweiter Wassernotstand“, schreibt die Schutzgemeinschaft in einer Pressemitteilung.

Zum Wassersparen zwingen

„Vor dem Hintergrund der katastrophalen Dürreperioden und dem Ausbleiben von Nassjahren seit 2003 muss das Land Hessen endlich den Mut aufbringen, sofort und auf unbestimmte Zeit einen landesweiten Wassernotstand auszurufen. Dann wären alle Kommunen und die Landesbehörden dazu gezwungen zu handeln anstatt sich um effektive Maßnahmen herumzudrücken“, erklärt Sascha Spielberger, stellvertretender Vorsitzender der SGV und Bürgermeister von Freiensteinau. 1991 und 1992 hätten dem damaligen Umweltministerium schon zwei Trockenjahre hintereinander dafür ausgereicht. „2022 laufen wir bereits in das fünfte, harte Trockenjahr in Folge. Wiesbaden muss jetzt dafür sorgen, dass der Trinkwasserbedarf und damit die Grundwasserentnahmen auf das absolut notwendige Minimum beschränkt werden. Denn der Wassernotstand ist zumindest für den Naturraum vielerorts schon längst eingetreten und wird noch recht lange anhalten“, so Spielberger.

Der Sportplatz Frankfurt-Preungeshain wurde am 18. Juli 2022 munter mit Trinkwasser bewässert. (Foto: C. Michel)

Frankfurt behaupte, es sei auch künftig nicht dazu in der Lage, sich zu mehr als zu 25 Prozent mit Wasser selbst zu versorgen. Damit reagiere die Frankfurter Stadtregierung „weiterhin stur und tatenlos auf die massiven Proteste der Bevölkerung, die vor wenigen Tagen im Vogelsberger Wasserlauf 2022 einen Höhepunkt fanden“, schreibt die SGV in ihrer Pressemitteilung. Die Stadtoberen widerspräche damit ihren eigenen Entwicklungskonzepten und Absichtserklärungen. Das neue Kommunale Wasserkonzept der Stadt weise nach, dass Frankfurt eine wasserreiche Metropole ist, die ihre Ressourcen weit stärker als bisher nutzen könnte, wenn sie denn wollte. Davon ausgehend komme der Bund für Umwelt und Naturschutz (Bund) Frankfurt in seiner fachlichen Überprüfung zu dem Schluss, dass künftig ein Versorgungseigenanteil von bis zu 50 Prozent möglich wäre. Die SGV sieht das auch so und geht in ihren Einschätzungen noch weiter: Wären die fortschrittlichen Frankfurter Trinkwassersparprogramme, die in den 90er Jahren begonnen wurden, konsequent weiter umgesetzt und nicht abgewürgt worden, wären zudem zwischen 1998 und 2022 viele Millionen Kubikmeter an Trinkwasser eingespart worden. Ein Reaktivieren der damaligen Programme auf dem heutigen Wissensstand in Kombination mit dem Hochfahren der Eigenversorgung müsste dafür allerdings ernsthaft und sofort angegangen werden.

Frankfurt blockiert stärkere selbstversorgung

Das sei von den Frankfurter Entscheidungsträgern offensichtlich nicht gewollt. Denn die heutigen Konzepte der Stadt enthielten lediglich theoretische Absichtserklärungen. Konkrete, rechtlich durchsetzbare Handlungsanweisungen, die in der Stadtentwicklung, in der Wasserversorgung oder von Bauträgern umzusetzen sind, fänden sich weder dort noch in den Bau- oder Versorgungssatzungen der Stadt. Dies beziehe sich insbesondere auf die dringend notwendige Entlastung der Trinkwasserversorgung durch Betriebswasser, das im Stadtgebiet massenhaft und sofort verfügbar wäre. So fehle im Kommunalen Wasserkonzept jede verbindliche Vorgabe, bei allen Neu- und Umbauten entsprechende Maßnahmen wie ein doppeltes Leitungssystem nach dem Stand der Technik zu realisieren. Und im brandneuen städtischen ‚Klimaanpassungskonzept 2.0‘ werde für die Betriebswassernutzung in Gebäuden lediglich eine ‚Wirtschaftlichkeitsprüfung‘ angekündigt. Frankfurt verfolge damit gegenüber den Grundwasserliefergebieten und den Behörden weiterhin seine bekannte Hinhaltetaktik, ohne etwas am bestehenden System zu verändern. Sein gewinnbringender Wasserhandel klettere damit vor allem in Trockenzeiten auf Rekordwerte.

„Die Schutzgemeinschaft Vogelsberg fordert die Frankfurter Politik angesichts der sich häufenden Trockenjahre ultimativ auf, ohne Wenn und Aber endlich damit aufzuhören, die stärkere Eigenversorgung der Metropole zu blockieren, denn das Hinauszögern konkreter Maßnahmen ist schon seit vielen Jahren wesentliche Ursache für das Importieren viel zu großer Grundwassermengen aus dem Vogelsberg“, sagt die SGV-Vorsitzende Cécile Hahn. „Es fehlen weder das technische Knowhow von ausgewiesenen Fachleuten noch die gesetzlichen Voraussetzungen dafür, alle stadteigenen Ressourcen zur Bedarfsdeckung heranzuziehen. Was lediglich fehlt, ist der politische Wille und die Bereitschaft der Metropolregion, zugunsten einer nachhaltigen Wasserbewirtschaftung die Geschäftemacherei mit dem Vogelsbergwasser zu beenden“, so Hahn.

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