Psychothriller

Arno Strobel liest

von Jörg-Peter Schmidt

Arno Strobel, der als Erfolgsautor auf Psychothriller spezialisiert ist, machte während seiner derzeitigen Lesereise kürzlich Station in der Aula der Clemens-Brentano-Europaschule (CBES) in Lollar und bereitete den rund 50 Zuhörerinnen und Zuhörern einen spannenden, vergnüglichen und unterhaltsamen Abend.

Besonders gut kam an, dass es der Saarländer  (Jahrgang 1962, gebürtig aus Saarlois) nicht dabei beließ, aus seinem neuen Roman  „Sharing“ einige Kapitel vorzutragen und für Nervenkitzel zu sorgen, sondern zusätzlich im Dialog mit dem Publikum zu schildern, welche Sorgen auch einem Schriftsteller Corona bereitet und woher ein Autor seine Ideen zu seinen Krimis hernimmt.

Arno Strobel im Foyer der Aula der Lollarer Gesamtschule. (Foto: Jörg-Peter Schmidt).  

Schulleiter Andrej Keller berichtete in der Veranstaltung der CBES-Mediothek, wie sehr auch ihn „Sharing“  gefesselt hat, bevor der frühere IT-Unternehmensberater für eine große Bank sich und seinen aktuellen Thriller vorstellte. Er begann jedoch nicht sofort, aus dem Buch zu rezitieren, sondern kam auf die Problematik von Covid zu sprechen. Als das furchtbare Ausmaß von Corona zur Gewissheit wurde, habe er zunehmend  Ängste entwickelt: Angst um sein Leben und das seiner Mitmenschen sowie  die Sorge, seinen Beruf als Schriftsteller möglicherweise nicht mehr ausüben zu können, denn es habe sich bei ihm eine  gewisse Schreibblockade entwickelt. Er wollte einen neuen Roman beginnen, aber nichts ging mehr. Schließlich half ihm aus seiner Krise, dass er eine Kurzgeschichte zum Thema Corona verfasste, die er in Lollar  vortrug.

Idylle zerplatzt wie ein Luftballon

Strobel las dann bewusst nur Kapitel aus dem Beginn von dem im Fischer-Verlag erschienenen Krimi vor, um den Lesern nicht zu viel zu verraten.  Das genügte aber, äußerst neugierig zu werden, wie es in der Geschichte weitergehen würde, bei der es um folgende grauenhafte Situation geht: Das Ehepaar Bettina und Markus Kern beitreibt ein florierendes Sharing-Unternehmen, dessen Motto  es ist, dass sich Leute beispielsweise ein Auto teilen, um nachhaltig Energie zu sparen. Die Ehe funktioniert, der Betrieb ist erfolgreich –  dem Ehepaar geht es gut, bis diese Idylle innerhalb eines Tages jäh zerstört wird: Bettina Kern  wird entführt, worüber ihr Ehemann von den Verbrechern auch informiert wird. Markus muss am Bildschirm ansehen, wie immer mehr (offenbar gestörte, perverse)  Menschen im Darknet verfolgen, wie Bettina schwer misshandelt wird.  Einer der Entführer erklärt Markus, dass er seine Frau wieder erhält – aber er müsse  einige  Anweisungen befolgen…

Ideen durch Beobachtung des Alltags

Wie es dann vom Kapitel  zu  Kapitel weiter geht, verriet  Strobel  selbstverständlich nicht. Dafür aber viel über seinen Schriftstellerberuf,  was nicht minder unterhaltsam für den Abend war. Er ging jeweils von der Bühne auf  die Zuhörerinnen und Zuhörer zu, die Fragen stellten, um mit ihnen zu sprechen. Die Einfälle zu seinen ungewöhnlichen Geschichten ergeben sich vorwiegend aus Beobachtungen von Alltagsszenen.  „Setzten Sie sich einfach mal ein paar Minuten in ein Café und beobachten bewusst ihre Mitmenschen – Sie werden erstaunt sein… “, so sein Tipp für die Zuhörer in Lollar. 

Warum bestimmte Städte eine Rolle spielen

Warum er seine Storys  in bestimmten Städten spielen lässt, erläuterte der Autor ebenfalls. „Ich muss die Stadt schon mögen, über die ich schreibe“, unterstrich er. Um die jeweilige Metropole besser kennen zu lernen, verbringe er dort einige Tage, um zu recherchieren. Beispielsweise in Regensburg. Dort spielt „Der Trakt“ (2010), einer seiner früheren Psychokrimis: Eine Frau erwacht aus dem Koma, scheint völlig klar bei Verstand zu sein, muss aber feststellen, dass ihr Mann sie nicht kennen will und auch niemand bestätigt, dass sie einen Sohn hat…

Renommierte Hörbuchsprecher

Warum er selbst nicht Hörbuchsprecher seiner Romane ist? „Das machen Experten, die dafür ausgebildet sind, einfach viele besser“, hob Strobel hervor.  Seine Romane lesen für die Hörbücher  Sascha Rotermund, die Synchromstimme beispielsweise von Benedict Cumberbatch, und Dietmar Wunder, Stimme unter anderem von „James Bond“ Daniel Craig.

Sinn für Humor

Dass er durchaus Sinn für humorvolle, sarkastische, satirische Storys hat, bewies der Verfasser von Bestsellern als Abschluss des Abends mit einer weiteren Kurzgeschichte von ihm. Darin geht es um einen voll besetzten Fahrstuhl, der zeitweise stecken bleibt, und einen windig-einfallsreichen Vertreter, der Menschen dazu animiert, vorzeitig Verträge über ihre Feuerbestattung zu unterschreiben.  

Im Namen der CBES dankten Schulleiter  Andrej Keller und Birgitta Oschinski (Mediothek) unter dem langen Applaus des Publikums Arno Strobel, dass er die Zuhörer so packend und informativ  unterhalten hat.

Titelbild: Arno Strobel (Mitte) dankte dem Publikum in Lollar und Schulleiter Andrej Keller und Birgitta Oschinski von der  Mediothek der CBES wiederum bedankten sich bei ihm für einen spannenden, unterhaltsamen Abend. (Fotos: Jörg-Peter  Schmidt)

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