Politiker unter Verdacht

Banker soll Millionen veruntreut haben

Vier Millionen Euro soll der Limeshainer laut Staatsanwaltschaft bei der Sparkasse Oberhessen veruntreut haben –  trotzdem behält er sein Mandat.  Kann jemand, der eine schwere Straftat zugegeben hat, noch ein hohes politisches Amt ausüben? Auf Bundesebene wäre das ein No-Go. In Limeshain wird der Verdächtige dagegen im Amt toleriert. Noch.

Parlamentschef unter Verdacht

Polizisten klingelten am 6. April 2017 an der Wohnungstür des Sparkassen-Angestellten Maik Handlos in Hainchen – einem Ortsteil der Wetterau-Gemeinde Limeshain. Gründlich durchsuchten sie die Räume, um Beweise für eine groß angelegte Veruntreuung von Geldern seines Arbeitgebers zu sichern. Die Sparkasse Oberhessen hatte Strafanzeige gestellt, nachdem sie vier Millionen Euro vermisste und ihren langjährigen Angestellten Handlos als möglichen Täter ausgemacht hatte.

Der 44-Jährige räumte die Tat in ersten Vernehmungen ein, berichtet der Giessener Staatsanwalt Thomas Hauburger. Wie er das Geld im Laufe der letzten acht bis zehn Jahre beiseite geschafft habe – das müsse noch untersucht werden. Der Verdächtige sei „kooperativ“ und in seinem Wohnort verwurzelt. Deshalb gelte keine Fluchtgefahr – Maik Handlos bleibt deshalb vorerst auf freiem Fuß, wurde von der Sparkasse aber fristlos gekündigt. Die Kunden des Geldinstituts haben durch die Veruntreuung keinen Schaden erlitten, versicherte der Unternehmenssprecher Bernd Kunzelmann. Drei der fehlenden vier Millionen seien bei Handlos sichergestellt worden.

Normalerweise wird der Name eines Tatverdächtigen nicht öffentlich  genannt. In diesem Fall lässt sich das aber kaum vermeiden. Denn Maik Handlos ist nicht irgendwer, sondern eine Person des öffentlichen Lebens. Der Familienvater aus Hainchen ist seit vielen Jahren aktiver Sozialdemokrat. Seit 2011 sitzt er im Gemeindeparlament von Limeshain. Nach der Kommunalwahl von 2016 wählten ihn die Abgeordneten einstimmig zum Vorsitzenden der Gemeindevertretung. Handlos ist damit der ranghöchste Bürger Limeshains.

Selbst-Freistellung per Whatsapp

Was nun? Legt Handlos sein politisches Mandat nieder, um Schaden von seiner Partei und der Gemeinde abzuwenden? Zunächst  nicht. Auf eine telefonische Anfrage reagierte er nicht. Handlos wolle seine Funktion als Parlamentsvorsitzender vorerst nicht aktiv wahrnehmen, sagte Limeshains Bürgermeister Adolf Ludwig (SPD)  auf Anfrage. Am 10. April habe Handlos ihm dies per Whatsapp mitgeteilt. Ein direktes Gespräch darüber habe es nicht gegeben.  „Wir werden einen ganz kühlen Kopf behalten“, so Ludwig. Die Vorwürfe müssten zunächst aufgeklärt werden. Maik Handlos habe als Politiker „Hervorragendes geleistet. Es ist ein Ehrenamt – und das hat er gut gemacht“, sagte der Verwaltungschef und Parteifreund des unter schweren Verdacht geratenen Bankkaufmanns. Laut Adolf Ludwig wird auf Wunsch von Handlos seine Fraktionskollegin Kirsten Breithaupt  die nächsten Parlamentssitzungen leiten. Sie war seine Vorgängerin im Amt.

„Es hat mich vom Stuhl gehauen“

Auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Schönfeld stärkt dem von einer Gefängnisstrafe bedrohten Parlamentschef den Rücken. Das Ermittlungsverfaren „muss keine Konsequenzen haben“, sagt Schönfeld. „Ich kenne Handlos sehr gut. Wenn ein Schritt erforderlich ist, wird er ihn selber tun“. Schönfeld leitet die mit Abstand größte Parlamentsfraktion in Limeshain. Die SPD hat 18 Abgeordnete, die CDU dagegen nur sechs.

Deren Fraktionschef Klaus Geschke bekennt: „Es hat mich vom Stuhl gehauen, als ich von den Vorwürfen erfuhr“. Wenn sie stimmen, „ist es sicher nicht angemessen, ein Mandat in der Gemeindevertretung zu haben.“ Doch vorerst sei nichts Konkretes bekannt. Deshalb wolle er noch keinen Rücktritt fordern.

Das wagt bislang nur der Grünen-Fraktionschef Klaus Wörner. „Ich hätte Handlos so eine Tat niemals zugetraut“, bekennt der Vorsitzende der dreiköpfigen Fraktion. Aber schon in dieser Phase des Ermittlungsverfahren „müsste er sein Mandat niederlegen“, findet der Grünen-Politiker. Erst  eine  Woche  später legt Handlos laut Bürgermeister Ludwig sein Mandat als Gemeindevertreter nieder.

2 Gedanken zu „Politiker unter Verdacht“

  1. Gut recherchiert, Herr Nissen! Nachfolgendes Zitat fand ich
    „Weiter zeichnete der Kreisfußballwart in seiner Ansprache Maik Handlos vom SV Rohrbach mit der Großen Verdienstnadel aus. Seit 17 Jahren ist Handlos Kassenwart des Sportkreises Büdingen – für Schröder die optimale Besetzung, schließlich habe er eine Führungsposition bei der Sparkasse inne. „Es ist schon besonders, dass er trotz dieser Belastung noch Zeit für diese Ämter findet“, sagte Schröder.“ Link: http://schiedsrichter-buedingen.de/schugard-und-schroder-ehren-budinger-funktionare/
    Meine Vermutung ist, dass sich hinter der Causa Handlos möglicherweise Umfassenderes befindet. Meine Gedankenkette: Sportsponsoring, Sportförderung, Vereinskonten, Sparkasse Oberhessen. Möglicherweise auch Hilfe bei der Geldanlage für die Vereinskassenwarte. Es soll ja angeblich kein Privatkonto betroffen sein.
    Schönen Gruß PGH

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