Oberhessisches Museum

Thema Kolonialismus aufbereitet

von Jörg-Peter Schmidt

Kritisch-kontrovers wird das Thema Kolonialismus diskutiert. „Zwischen Sammelwut & Forschungsdrang. Koloniale Kontexte in Gießen“ ist das Thema der aktuellen Ausstellung im Oberhessischen Museum in Gießen, die bis zum 15. Januar 2023 bei freiem Eintritt zu sehen ist.

Ethnographische Sammlung besteht lange

Über die Ausstellung informierten die Kuratoren Manuela Rochholl und Mário Jorge Alves sowie  Oberbürgermeister (OB) Frank-Tilo Becher, die den Medien vor der öffentlichen Eröffnung, die am Donnerstag, 5. Mai 2022 um 19 Uhr im Alten Schloss am Brandplatz stattfindet. In dem Alten Schloss sind Räume des Oberheeischen Museums untergebracht. Frank-Tilo Becher wies darauf hin, dass es die ethnographische  Sammlung in Gießen bereits sehr lange gibt.  Bekannt ist, dass sie 1910 gegründet wurde. Dies geht auch aus der Zusammenstellung von Daten und Fakten hervor, die die Stadt Gießen und das Museum für die Presse zusammengestellt haben.

Die Kuratorin Manuela Rochholl bei den Arbeiten zu der Dokumentation. (Foto: Oberhessisches Museum).

Auch Forschung Theo Koch-Grünbergs wird erläutert

OB Becher, die Kuratorin und der Kurator luden zu einem Rundgang im ersten Stock des Museums ein, wo die Exponate und die Schautafeln platziert sind. Im Mittelpunkt der  Dokumentation  stehen zwei Forscher, die aus Hessen stammen.

Da ist zum einem  der gebürtige Grünberger Theo Koch-Grünberg (1872 – 1924), der zu den indigenen Menschen in Südamerika  unter anderem in  Venezuela und in Brasilien ins Amazonas-Gebiet reiste, respektvollen Kontakt zu den jeweiligen Stämmen aufnahm und mit Forschungsergebnissen,  Gegenständen der Kultur und Arbeit sowie Fotos und Filmaufnahmen zurückkehrte. Soweit man weiß, war der Wissenschaftler weit davon entfernt,  ein Kolonialist zu sein, der sich für seine Sammlungen Material in Herrschermanier mit  Gewalt nahm. Nach ihm ist die Gesamtschule im oberhessischen Grünberg benannt. Sein Geburtstag hat sich in diesen Tagen zum 150. Mail gejährt. Das Team des Museums beschäftigt sich zudem mit dem in Hanau geborenen Reinhard Houy, der  an Expeditionen in Afrika teilnahm.

Das Foto zeigt Theo Koch-Grünberg bei einer seiner Expeditionen. (Fotoquelle:  Ethnographische Sammlung, Philipps-Universität  Marburg).
Kunstvolle Arbeiten werden gezeigt

Welche Exponate sind in der Ausstellung zu sehen? Beispielsweise Rucksäcke, die die Menschen in der Amazonas-Gegend  anfertigten und die Theo Koch-Grünberg 1913 seiner Sammlung hinzufügte:  Mit einem elastischen Band aus Mauritia-Fasern, das über die Stirn gelegt wurde, wurde der Tragkorb befestigt. Für einen festen Halt auf dem Rücken  wurden Schlingen aus Palmfasern  oder geklopftem Baumbast angebracht. Koch hatte von seinen Reisen auch Perlmutt-Ketten sowie Panflöten mitgebracht. Aus der  Sammlung von Reinhard Houy sieht man beispielweise kunstvolle  Schalen. Zu Houy soll es  seitens des Museums-Teams noch weitere Forschungen geben.

Zu den Exponaten gaben Erläuterungen: Manuela Rochholl und Mário Jorge Alves (links) sowie der Gießener  Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher.  (Foto: Jörg-Peter Schmidt)
Zusammenarbeit mit Museen in Tansania und Kamerun

Wie die Kuratoren erläuterten und auch aus der Pressegrundlage des Museums hervorgeht,  recherchiert das Oberhessische Museum seit November 2020 zusammen mit der Ethnographischen Sammlung der Philipps-Universität Marburg und gemeinsam mit zwei Museen aus Tansania und Kamerun die kolonialen Hintergründe der Ethnographischen Sammlung, macht Forschungslücken sichtbar und versucht sie zu schließen. Darüber informiert diese sehenswerte Ausstellung auf spannende Weise.

Die durch das „Deutsche Zentrum Kulturverluste“ geförderte Forschung  wird weitergeführt, wurde bei der Pressekonferenz angekündigt. Dabei wird auch den Fragen nachgegangen: Warum wurden Objekte währen der Kolonialzeit gesammelt und welche Rolle spielten dabei  Handel, Wissenschaft und Gewalt? 

Blick in die Ausstellung (Foto: Jörg-Peter Schmidt)
Weitere Termine zu dem Thema

Die Ausstellung ist im Alten Schloss geöffnet: Di bis So 10 bis 16 Uhr, Lange Donnerstage (z.B. 21. 7. und 11. 8.) bis 19 Uhr.

Es gibt noch weitere Termine zu dem Thema:  

Kunstpause mit der Kuratorin Manuela Rochholl
Mi. 25. 5.2022, 12.30 Uh

Öffentliche Konferenz „Colonial Traces: Provenance Research in Giessen and Marburg“. (16. 5. 2022 in Gießen, 17. 5. 2022, Marburg). Gemeinsam mit der Ethnographischen Sammlung der Philipps-Universität Marburg.

Kurator*innenführungen mit Manuela Rochholl und Mário Jorge Alves, Do. 9. 6.2022, 18 Uhr

Vortrag „Objekt(ive) Perspektive“:
Die Ethnologin Manuela Rochholl und der Kulturanthropologe Mário Jorge Alves geben Einsichten in die Ethnographische Sammlerwelt des Oberhessischen Museums und verdeutlichen dabei die sehr unterschiedlichen Aneignungsformen von Objekten aus Afrika und Südamerika sowie deren visuelle Vermittlungsformen. Weitere Infos unter der Adresse giessen.de/Oberhessisches_Museum/

Titelbild: Sicherlich großes Interesse dürfte es für die Ausstellung geben, auf die vor dem Eingang  des Museums weithin sichtbar hingewiesen  wird. (Foto: Jörg-Peter Schmidt)

Die Kuratorin Manuela Rochholl bei den Arbeiten zu der Dokumentation. (Foto: Oberhessisches Museum).

Das Foto zeigt Theo Koch-Grünberg bei einer seiner Expeditionen. (Fotoquelle:  Ethnographische Sammlung, Philipps-Universität  Marburg).

Zu den Exponaten gaben Erläuterungen: Manuela Rochholl und Mário Jorge Alves (links) sowie der Gießener  Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher. 

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