Mopedmarathon

Ein „harter Ritt“ für sechs „Wilde Hesse“

Von Corinna WillführMopedmarathon2

Über vier Pässe, 5500 Höhenmeter und 238 Kilometer führte der Ötztaler Mopedmarathon XVI. Sechs „Wilde Hesse“ aus dem Wetteraukreis waren dabei. Als einzige Frau in der Truppe auf einer Simson, Baujahr 1979: Dr. Vera Rupp, Direktorin der Keltenwelt am Glauberg (Foto).

238 Kilometer, 5500 Höhenmeter

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Die Strecke des Mopedmarathons.

Sie stehen um 6 Uhr in der Früh am Start in Sölden, Österreich, und haben nur ein Ziel: Die „Wilde Hesse“ wollen den Ötztaler Mopedmarathon XVI durchstehen, unbedingt die 238 Kilometer lange Strecke mit ihren 5500 Höhenmetern und vier Pässen bewältigen. Um sie herum der Höllenlärm von 1111 Mopeds. Die Bergluft auf 1370 Meter Höhe geschwängert vom typischen Zweitakter-Gemisch. 6.30 Uhr, endlich Abfahrt in einem Pulk mit 200 Bikern, begleitet von jubelnden Zuschauern und Kuhglockengeläut.
Rund neun Stunden später haben sie es auf ihren 50-Kubikzentimeter-Maschinen geschafft, sind erschöpft und überglücklich.

Simson, Kreidler und Zündapp

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Dr. Vera Rupp auf einer Simson. .

„Das war ein harter Ritt für Mensch und Maschine“, fasst Dr. Vera Rupp, Archäologin und bekennender Oldie-Fan aus Ober-Mörlen, die Tour zusammen, „aber ein einzigartiges Erleben mit einem Bombengefühl im Ziel.“ Ihr Gefährt: eine Simson, Baujahr 1979, aus dem VEB Fahrzeug- und Jagdwaffenbetrieb Suhl in der ehemaligen DDR. Franz Schnabl, Vorsitzender des Butzbacher Automobil- und Motorsport Clubs (AMC) wagte „den harten Ritt“ auf einer Kreidler RS, Gerhard Philippi aus Wölfersheim-Södel auf einer Kreidler, Typ Almdudler. Mit Fahrern aus drei Generationen ging die Familie Nagelschmidt aus Kefenrod auf die Strecke: Mit Helmut (69) auf einer Herkules MP 4, Baujahr 73, mit René (41) im Sattel einer Zündapp Werksteiger aus dem Jahr 1971 und Christoph, der eine Zündapp C 59 Super von 1971 lenkte. Mit 15 Jahren gehörte Christoph Nagelschmidt zu den jüngsten Teilnehmern. Wie für alle 1111 Fahrer- innen galt es für die Truppe den Berg Isel bei Innsbruck, den Brenner, den Jaufenpass (2095 Meter) und das in 2509 Meter Höhe gelegene Timmelsjoch zu überqueren. „Den Brenner hoch ging es locker, den Jaufenpass hoch aber nur noch komplett im ersten Gang. Danach musste der Motor erstmal abkühlen“, berichtet Vera Rupp.

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Die sechs „Wilde Hesse“
Eine Maschine übersteht den Mopedmarathon nicht

Für Helmut Nagelschmidt war bedauerlicherweise schon vor den höchsten Höhen Schluss. „Leider hat die Maschine versagt. Wegen thermischer Probleme“, sagt sein Sohn. Versöhnlich für das dreiköpfige Familiengespann: „dass auch so viele andere ausgefallen sind.“ Vater und Sohn Nagelschmidt hielten bis zum Ende durch: „Trotz aller Beschwerden in Rücken, Hüfte und Hintern.“ Ob derer sie den ein oder anderen Streckenabschnitt auf den Mopeds im Stehen absolvierten.
Für Franz Schnabl war der Abschnitt am Timmelsjoch die größte Herausforderung. „Ein Horror, denn ich musste kilometerlang im ersten Gang fahren.“ Nachdem der 79-jährige bereits neun Stunden von der Wetterau ins Ötztal gebraucht hatte, um die Maschinen an den Start zu bringen. Er lacht: „Aber das war doch schon zwei Tage vorher.“
Auch wenn die „Wilde Hesse“ am Ziel alle ziemlich erschöpft waren, war es ein unvergessenes Erlebnis, an das sie auch die Finisher-Medaille am Bande erinnert und das Foto, das die Organisatoren von jedem Biker am Start hatten machen lassen. Zu sehen auf Facebook.
Christoph Nagelschmidt hat für seine Medaille schon einen festen Platz gefunden: in einer Vitrine, in der er eine Sammlung Modellautos hat. Denn als Enkel von Opa Helmut, einem leidenschaftlichen Fan alter Mobilfahrzeuge jedweder Art, insbesondere aber von Fabrikaten der Firma Adler, will auch er weiter beim Motorsport der eher langsamen Art bleiben, strebt kein Rennen in der Formel-1-Kategorie an. Auch Vera Rupp wird es wieder gemütlicher angehen lassen, mit ihrer Quickly durch den Taunus fahren. „Wie Schalten geht , das weiß ich jetzt“, lacht sie. Und Franz Schnabl: „Viele werden für uns für verrückt halten, aber es war ein Highlight.“

Für alle, die beim Ötztaler Mopedmarathon XVI nicht dabei sein knnten: Der AMC Butzbach veranstaltet am 30. Und 31. Juli 2016 sein Oldie-Treffen mit Teilemarkt und Ausfahrt (Mittelhessen-Cup für Zweiräder ) am Segelfliegerplatz in Butzbach. Näheres unter www.amc-butzbach.de

Ein Gedanke zu „Mopedmarathon“

  1. Hier das dicke End von der Geschicht‘: Frau Dr. Rupp, wieder zuhause,,schaltete den Lichtschalter des Museums, um ihrem Keltenfürsten zu erzählen, dass heute die Pferde Benzin statt Hafer fressen. Sie erstarrte. Der Füst hatte seine riesigen Lauscherohren heruntergeklappt, denn er hatte den Lärm noch in der Wetterau gehört. Auch war sein rechter Arm verändert: Mit der Hand hielt er sich die Nase zu. Nun ist guter Rat teuer, denn die (aufrechten) Lauscher sind ja das Logo des Museums.

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