Laufen auf Mallorca

Training auf der Via Verda

von Michael Schlag

Und was jetzt? Der nächste Halbmarathon in Sicht, aber auf den gewohnten Laufstrecken in Mittelhessen wechseln sich Frost und Schneematsch ab. Wie soll ein Mensch da vernünftig trainieren. Und dann auch noch eine gerade abgeklungene Erkältung in den Knochen. Laufband? Langweilig. Aber es gibt ja Möglichkeiten: ab nach Mallorca, und in kurzen Hosen auf den Grünen Weg, die Via Verda.

Start in Manacor

In fremdem Terrain trainieren kann tückisch sein. Man will ja ordentlich durchziehen und nicht alle halbe Kilometer die Lauf-App herausholen. Die Strecke ansagen lassen funktioniert halbwegs gut, aber eigentlich stört das auch. Besser, man hat einen festen Weg vor sich, auf dem man sich nicht verlaufen kann; es sollen ja auch nicht aus Versehen zu viele Kilometer werden, immer schön im Plan bleiben.

Start der Via Verda in Manacor, Mallorca

14 Grad im Januar

Wie gemacht dafür ist die Via Verda in Mallorca. Fast immer flach, wenige leichte Steigungen, hin und wieder ein Pfosten mit Kilometerangabe. Der Weg beginnt in Manacor, 14 Grad im Januar, schöne Sonne, kurze Hose, auf geht’s. 56 Jahre lang war das eine Eisenbahnstrecke, von 1921 bis 1977 fuhren hier Dampfloks. Die Wiederinbetriebnahme scheiterte 2008, seit 2014 ist die Strecke ausgebaut als Fahrrad- und Wanderweg.

Immer schön flach, verlaufen unmöglich
Es läuft sich so schön

Knapp 30 Kilometer ist die Strecke lang, wer im Frühjahr einen Marathon vor sich hat, kommt hier auf seine Kosten. In meinem Fall ist nur der Halbmarathon beim Frühjahrslauf in Gießen geplant, aber wenig trainiert die letzten Wochen, Erkältung gerade erst kuriert, also realistisch bleiben, erstmal 16 km. Doch dann läuft es sich so schön, zur Linken grüne Olivenbäume und gelb blühende Felder, zur Rechten Kakteen im Sonnenschein, unter einem Viadukt her und durch einen alten Eisenbahntunnel, der Weg allzeit trocken.

Via Verda durch einen Eisenbahntunnel
Vorbei am alten Bahnhof

So bald schon auf den Rückweg gehen, wäre doch fahrlässig, und der Flug von Frankfurt hierher soll sich doch gelohnt haben. Komm, die 10 km mache ich voll, am alten Bahnhof von Sant Llorenç will ich noch vorbei, auch das Städtchen dahinter sehen.

Der alte Bahnhof von Sant Llorenç
Jeder Kilometer zählt doppelt

Bis mir an der 12-km-Marke klar wird: Hier zählt jeder Kilometer doppelt, ich muss die Strecke ja noch zurück. Der Hinweg lief leichten Fußes im Sonnenschein, aber im deutschen Winter schlecht trainiert wurde es zurück ab 18 km beschwerlich. Und dann kam noch Wind auf der Insel dazu. Jetzt erstmal Pause, die Waden gut gestreckt, und übermorgen auf ein Neues. Ist ja auch noch etwas hin bis zum Gießener Frühjahrslauf in der Wieseck-Aue.

Die alte Bahnstrecke von Manacor nach Artà auf Mallorca

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