Spanischer Bürgerkrieg

Entscheidung in Spanien

von Michael Schlag

Fast drei Jahre dauerte der Spanische Bürgerkrieg von Juli 1936 bis April 1939, es folgten fast 40 Jahre Diktatur in Spanien. Ein neues Sachbuch rollt das ganze Drama dieses Bürgerkrieges noch einmal auf – und zwar aus dem Blick der zahlreich beteiligten Journalisten und Literaten in diesem Krieg. Denn der Spanische Bürgerkrieg „gehört zu den wenigen Kriegen, deren Geschichte die Verlierer geschrieben haben“, schreibt Paul Ingendaay in dem äußerst lesenswerten Buch „Entscheidung in Spanien“.

Literaten an der Front

Was Rang und Namen hatte, ging als Korrespondent nach Spanien, berichtete für die großen Zeitungen und schrieb anschließend ein Buch: Darunter George Orwell („Mein Katalonien“), Ernest Hemingway („Wem die Stunde schlägt“), die Kriegsreporterin Martha Gellhorn, der Fotograf Robert Capa („Der gefallene Soldat“), Pablo Picasso schuf in Paris das Ölgemälde „Guernica“. Willy Brandt kam mit norwegischem Pass für die sozialistische Arbeiterpartei nach Barcelona, die deutsche Fotografin Gerda Taro bezahlte ihren Einsatz mit dem Leben. Auf sie alle geht das bis heute gültige Bild von der heroischen Niederlage der Spanischen Demokratie gegen die vereinten Faschisten zurück. Und was man gerade heute hinzufügen muss: auch vom Verrat der damaligen europäischen demokratischen Mächte.

Internationale Brigaden

Solidarität gab es, durch die Internationalen Brigaden mit Freiwilligen aus 60 Ländern. Sie kamen, um in einem fremden Land die Demokratie zu verteidigen, die ja längst in ganz Europa bedroht war. Klaus Mann berichtet für das deutsche Exilblatt Pariser Tageszeitung über von deutschen und italienischen Flugzeugen zerbombte Häuser und schreibt noch 1938 vom ungebrochenen Willen zum Widerstand. Auch die spanischen Schriftsteller, allen voran Federico Garcia Lorca, traten ein „für die Politik, an die sie glauben, und manche von ihnen werden ebenso umstandslos erschossen wie feindliche Militärs,“ schreibt Ingendaay. Das Buch ist in vier Kapitel aufgeteilt – die vier Kriegsjahre 1936 bis 1939 – und es schildert das Geschehen Tag für Tag. So kann man der Geschichte als Leser immer gut folgen und ist bald davon gefesselt.

Unfassbarer Hass

Dieser Bürgerkrieg wurde mit unfassbarem Hass geführt. Nach der Besetzung von Sevilla im ersten Kriegsjahr ruft der aufständische General Gonzalo Queipo de Llano über das Radio auf, „Unruhestifter wie Ungeziefer zu jagen“, einschließlich Vergewaltigung: „Diese Kommunistinnen und Anarchistinnen haben das verdient. Haben sie nicht freie Liebe gespielt?“ Die größten Städte aber, Madrid und Barcelona, bleiben lange republikanisch. Die Gewerkschaften organisieren den Widerstand, „UGT und CNT zählen im ganzen Land mehr als drei Millionen Mitglieder, und als sie endlich Waffen in die Hand bekommen, treten sie den Militärs entgegen.“

Fotografen prägen das Bild bis heute

Am 19. Juli 1936 beginnen die Kämpfe, 4000 aufständische Soldaten rücken aus den Kasernen aus. Hans Namuth und Georg Reisner, als Sozialisten 1933 vor der Gestapo nach Frankreich geflohen, haben einen echten Auftrag an Land gezogen, sie berichten für das französische Magazin Vu. Auch Robert Capa und Gerda Taro kennen als jüdische Fotografen die Repression des NS-Regimes, auch sie gerade noch rechtzeitig nach Frankreich geflohen. Sie fotografieren den jugendlichen Optimismus der Revolution, die kommunistischen Frauenmilizen beim Drill am Strand von Barcelona, ihre Fotos prägen bis heute unser Bild vom Spanischen Bürgerkrieg. Spanien zerfällt bald in zwei Zonen mit unversöhnlichen, hasserfüllten politischen Lagern. Paul Ingendaay: „Manche werden als Klassenfeind erschossen, als Bourgeois, als Unternehmer oder Kapitalist. Andere als Gewerkschaftler, Lehrerinnen oder Bürgermeister.“ Am 18. August 1936 wird der Schriftsteller García Lorca in Granada verhaftet, einen Tag später zusammen mit anderen in den Bergen erschossen. Die andere Gewaltgeschichte betrifft den Klerus. „In den ersten Monaten des Bürgerkriegs ermorden linke und anarchistische Milizen fast 7000 Geistliche, darunter 13 Bischöfe.“

Paul Ingendaay ©Timm Kölln Photography
Waffen aus Deutschland und Italien

Entscheidend für die Faschisten war die italienische und deutsche Waffenhilfe. Franco schreibt einen Brief an Hitler und bittet um zehn Flugzeuge und fünf Jagdflieger, um seine Truppen von Marokko nach Andalusien zu bringen. Hitler liefert mit zwanzig Junkers und sechs Heinkel Kampfbombern sowie Geschützen gleich das Doppelte. Es ist der Beginn der geheimen Legion Condor, dem „Unternehmen Feuerzauber“, so nennt es Hermann Göring. Am Tag der Eröffnung der Olympischen Spiele in Berlin, am 1. August 1936, trifft die erste deutsche Lieferung von Panzern und Flugabwehrgeschützen ein.

Verraten von den Demokratien

Die Republik auf der anderen Seite stand allein: 27 Länder unterzeichneten im September 1936 einen „Nichteinmischungspakt“ – keine Waffen für die Spanische Republik, Frankreich schließt die Grenzen. Was bleibt ist der Schwarzmarkt der Waffenhändler, und hier wird die Spanische Republik systematisch betrogen, allen voran von der Sowjetunion. Das Kriegsgerät der Verteidiger „besteht aus einem museumsreifen Sammelsurium“: zehn verschiedene Gewehrtypen, sechs verschiedene Kaliber, acht Herkunftsländer. Die ersten Freiwilligen der Internationalen Brigaden treffen Mitte Oktober in Alicante ein und werden nach Sprache und Nationalität sortiert: Deutsche, Franzosen, Osteuropäer, Engländer, es gibt auch ein jüdisches Bataillon.

Sowjetische Militärhilfe

Am 12. Oktober 1936 erreicht das zweite Schiff mit sowjetischer Militärhilfe Spanien, mit T-26-Panzern zur Verteidigung von Madrid. Doch „die Bewaffnung dieser im Kampf tapferen, aber völlig desorganisierten Männer ist jämmerlich.“ Die Legion Condor bombardiert die Vororte von Madrid. Russische Flugzeuge, Polikarpow, stellen sich den deutschen Ju-52 und den italienischen Fiat entgegen. Doch was unser Bild von der Verteidigung Madrids prägt, ist die Volksmobilisierung, bis hin zu dem berühmten Bataillon „Figaro“ der Friseure oder den „Roten Löwen“, den Madrider Kellnern. Die Fotos von Robert Capa geben ihnen jenes heroische Image, das sich in der Welt verbreitet.

Guernica, Hemingway und Picasso

Im März 1937 kommt Ernest Hemingway nach Madrid, er ist der bestbezahlte Kriegsreporter von allen, für eine einzige Reportage wird er tausend Dollar erhalten. Bilbao im Baskenland ist immer noch in republikanischer Hand. Die Deutschen beginnen den Bombenkrieg zunächst gegen die Kleinstadt Durango, dann Guernica. Wolfram von Richthofen, Stabschef der Legion Condor, überfliegt Guernica vier Tage nach dem Angriff und notiert „völlige Vernichtung – Bombenlöcher auf Straßen noch zu sehen, einfach toll.“ Picasso in Paris hatte bereits einen Auftrag der spanischen Regierung für ein Wandbild der Pariser Weltausstellung. Mit „Guernica“, acht Meter breit, entsteht eines der berühmtesten Gemälde des Jahrhunderts. Gezeigt wurde es zuerst im Juli 1937 zur Eröffnung des spanischen Pavillons (parallel dazu gab es in München die Nazi-Ausstellung „entartete Kunst“). Am 30. September 1938 trifft Guernica in London ein, aber das Interesse ist mäßig, nur 3000 Besucher wollen es sehen.

Das Münchner Abkommen

Am selben Tag wurde das Münchner Abkommen unterzeichnet, „das Spaniens Schicksal endgültig besiegelt“. Hitlers Annexion der Tschechoslowakei lenkt die Aufmerksamkeit weg vom Spanischen Kriegsschauplatz, Mussolini sagt, man habe „mit der Eroberung von Prag praktisch auch schon Barcelona eingenommen.“ Wie England zusammen mit Frankreich knapp zwei Jahre zuvor die Spanische Republik fallen ließ, lassen sie nun auch die Tschechoslowakei im Stich, so Ingendaay. Nach dem 30. September habe es auch für Stalin Wichtigeres gegeben als den Bürgerkrieg am Südwestrand Europas, die Sowjetunion zieht sich aus Spanien zurück. Die amerikanische Kriegsreporterin Martha Gellhorn hatte das schwindende Interesse schon vorher zu spüren bekommen. Am 16. März 1938, nach der Bombardierung Barcelonas durch die Legion Condor und die italienische Luftwaffe, will sie für ihre Zeitung Collier’s über die Flüchtlinge und die Rettung der Verwundeten schreiben, erhält als Antwort der Redaktion jedoch: „Kein Interesse an Barcelona-Story.“ Sie soll stattdessen nach Frankreich, England und die Tschechoslowakei fahren.

Das Ende der Internationalen Brigaden

Ende September 1938 löst die spanische Regierung die Internationalen Brigaden auf, von ursprünglich 35.000 Mann aus 60 Ländern ist fast jeder siebte gefallen. Doch wohin sollen die Überlebenden? Die Deutschen waren vor Hitler erst nach Frankreich, dann nach Spanien geflohen, den bulgarischen Interbrigadisten wurde ihre Staatsangehörigkeit entzogen, die 400 Schweizer haben bei Rückkehr mit Haftstrafen zu rechnen. Viele können gar nicht mehr in ihre Länder zurück. Manche Spanische Kinder aber werden noch, von ihren Eltern getrennt, in andere Länder gerettet. In Argentinien gab es im Jahr 2025 noch zwölf spanische Kriegskinder, alle jenseits der 90 Jahre.

Was bleibt von diesem ungeheuer eindringlichen Buch? Man wird das heutige Spanien, die heutige Politik in Madrid nur verstehen, wenn man sich zumindest einmal mit dem Spanischen Bürgerkrieg beschäftigt hat.

Paul Ingendaay: Entscheidung in Spanien – Der große Kampf der Literatur 1936-1939, Verlag C.H.Beck, ISBN 978-3-406-84363-1
Erschienen am 20. März 2026, 352 S., mit 23 Abbildungen und 2 Karten
28,00 €, als E-Book und als Hörbuch 23,99 €

Blick ins Buch:
https://www.chbeck.de/ingendaay-entscheidung-spanien/product/39976653

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