Kunst in Kirchen 2017

„Aufbrechen“ – Einladung zum Dialog

Von Corinna Willführ

Die Reihe „Kunst in Kirchen“ in der Wetterau wird im Sommer bereits zum fünften Mal veranstaltet. Thema der Veranstaltung zum Jubiläumsjahr 500 Jahr Reformation: „Aufbrechen“. In sechs Kirchen längs des Abschnitts des Lutherwegs 1521 in der Wetterau werden sechs Künstlerinnen und Künstler in einem ökumenischen Projekt ihre künstlerischen Ideen zu dem Thema in sechs Gotteshäusern umsetzen und mit den Besuchern der Kirchen diskutieren. Die Reihe, so der Wetterauer Landrat Joachim Arnold bei ihrer Vorstellung, könnte Menschen zusammenbringen, „die sich sonst vielleicht nicht treffen.“

Fixe Strukturen aufbrechen

Ulrike Obenauer (Fotos: Willführ)

Ulrike Obenauer hat sich die Evangelische Kirche in Wölfersheim für ihr Kunstprojekt ausgewählt. Der zentrale Raum in der Mitte des Gotteshauses hat sie angesprochen, dort eine Installation zu verwirklichen. Sie wird aus zwei Gruppen Blechwürfeln mit unterschiedlicher Oberflächenstruktur bestehen. Würfel, die die Menschen bewegen können und sollen. Zwei Ziele verfolgt die Bleichenbacher Künstlerin damit: „Dass die Besucher ein Gefühl für das Gestalten bekommen und angeregt werden, fixe Strukturen aufzubrechen.“
„Aufbrechen“ ist im Jubiläumsjahr „500 Jahre Reformation“ das Motto der fünften Folge der ökumenischen Veranstaltungsreihe in Kooperation mit dem Wetteraukreis. In 2008, 2011, 2013 und 2015 hatten sich Künstlerinnen und Künstler in Sakralbauten jeweils mit einem der vier Elemente – Feuer, Wasser, Erde und Luft – auseinandergesetzt.
Ein „Aufbrechen“ könne sich in vielfältiger Form zeigen: in ein Aufbrechen in einen neuen Tag, zu einer eine Pilgerreise, in eine ungewisse Zukunft oder in ein neues Zeitalter wie das der Reformation, so Joachim Albert. Albert ist zum zweiten Mal künstlerischer Leiter und Kurator des Wetterauer Projekts „Kunst in Kirchen“. Der 46-jährige Medienwissenschaftler stellte es jetzt im Friedberger Kreishaus vor. Mit einer Powerpoint-Präsentation, die stilvoll mit Musik der Renaissance in der Interpretation von Sabine Dreier (Flöten) und Ursula Enke (Monochord) – umrahmt wurde.

Wechselwirkung von Zeit, Raum und Licht

Werner Cee

Den Auftakt von „Kunst in Kirchen 2017“ macht am 19. August Werner Cee mit einer Raum-Klang-Licht-Installation unter dem Titel „Anthropozän“ in der Evangelischen Stadtkirche, dem größten Sakralbau der Wetterau. Einen „Sehraum zur Kontemplation“ zu schaffen, hat sich Nicole Ahland mittels ihrer analogen Fotografien für den Innenraum der katholischen Kirche in Rosbach-Rodheim vorgenommen. Thema der Fotografin: die Wechselwirkung von Zeit, Raum und Licht. Auf eine anregende Auseinandersetzung mit den Kirchenbesuchern über ihre Arbeiten sind auch Cornelia Rößler in der Evangelischen Pfarrkirche Nieder-Weisel, Katharina Meister in der Evangelischen Markuskirche Butzbach und der finnische Künstler Jukka Korkeila in der Katholischen Kirche St. Bonifatius in Karben gespannt. Korkeila wird in einer Rauminstallation seine Gedanken und Ideen zum Verhältnis Martin Luther und Papst Leo X. umsetzen.

Menschen in einen Dialog bringen

Dass die Veranstaltung bereits im zehnten Jahr durchgeführt wird, ist für den Wetterauer Landrat Joachim Arnold ein Beleg, dass „ein in 2008 begonnenes Projekt sich etabliert hat.“ Gerade die Begegnung mit zeitgenössischer Kunst, die so Arnold, „eher nicht zum Erwartungsspektrum in einer Kirche gehört“ mache den Reiz und die Spannung von „Kunst in Kirchen“ aus, indem sie Menschen und Einrichtungen, Gläubige und Nicht-Gläubige in einen Dialog bringen könne. Mit nachhaltiger Wirkung. Und: „Das Kooperationsprojekt des Kreises mit den evangelischen und katholischen Kirchen zeigt: Wir leben in der Ökumene in der Wetterau sehr gut.“

Freuen sich, über das „Aufbrechen“ mit vielen Menschen ins Gespräch zu kommen: Birgit Moskalenko (Rahmenprogramm), Werner Cee, Nicole Ahland, Ulrike Obenauer, Cornelia Rößler, Jukka Korkeila und Joachim Albert, Projektkoordinator und künstlerischer Leiter. Auf dem Foto fehlt, die Künstlerin Katharina Meister, die zur Zeit in ihrer Wahlheimat Australien ist.

So gut, dass Birgit Moskalenko, als Eventmanagerin in der Projektgruppe zuständig für das Rahmenprogramm der Reihe, „Kunst in Kirchen“ als einen „Leuchtturm der Ökumene“ bezeichnete. Zum Rahmenprogramm (jeweils an den Wochenenden während der Ausstellungszeit) gehören unter anderem ein Konzert, ein Poesieabend und ein Workshop mit Pater Paulus Terwitte. „Menschen durch Kunst in die Kirche zu bringen“, so Moskalenko, „kann auch eine große Chance für die Gemeindearbeit sein.“
Das Projekt „Kunst in Kirchen“ des Wetteraukreises mit den Evangelischen und Katholischen Kirchen wird von den Evangelischen Dekanaten Wetterau und Büdinger Land, dem Bistum Mainz, dem Kultursommer Mittelhessen und der Kulturförderung regionaler Kreditinstitute unterstützt. Die teilnehmenden Kirchen sind vom 19. August bis 24. September an Wochentagen montags bis freitags von 12 bis 18 Uhr geöffnet. An den Wochenenden auch länger – aber nicht während der Gottesdienste.

Die Entwicklung des Projekts lässt sich im Internet auf Facebook verfolgen. Detaillierte Informationen zu den Künstlern, Kirchen und allen Terminen unter kunstinkirchen-wetterau.de

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