Genug Platz für neue Himmelsstürmer
Von Klaus Nissen
In der Wetterau wächst die Bevölkerung noch. Doch die Geburtenzahlen gehen schon zurück. In Hessen sind 1,3 Prozent weniger Kinder als vor einem Jahr in der Obhut von Kitas und Tageseltern. In der Wetterau stagniert ihre Zahl laut Landratsamt bei 13 500 Kindern in 203 Einrichtungen. Auch in Karben sinkt der Belegungs-Druck. Trotzdem werden hier neue Kitas gebaut.Neue Kindergärten für Karben
Die Himmelsstürmer-Knirpse machen große Augen, als sie den Reporter im Flur ihrer Rendeler Kita erblicken. „Wie heißt du?“ fragt ein Mädchen. „Was machst du hier?“ und wundert sich, dass im großen Spielzimmer auch Bürgermeister Guido Rahn auf einem Mini-Drehstuhl hockt. Gemeinsam mit der stellvertretenden Fachbereichsleiterin Tanja Fischer, der städtischen Architektin Natalija Soborka und der Kita-Leiterin Anja Tschischka beweist er am Donnerstagmorgen, dass die Kinderstühle auch Erwachsene aushalten.

Da drinnen merkt man kaum, dass alle in einem provisorischen Container-Kindergarten sitzen. Nebenan stand bis 2025 Jahr der Fertigteil-Altbau aus den frühen Siebzigerjahren. „Er war einfach fertig. Es roch muffig darin“, erinnert sich Anja Tschischka. Momentan betreut sie mit ihrem Team rund 90 Kinder in den Containern und im früheren Lehrer-Wohnhaus an der Klein-Karbener Straße. „Es waren schon mal mehr“, sagt Tschischka. Kurzfristig könne sie noch sechs Zwerge aufnehmen.
Zuschussbedarf: Zwölf Millionen Euro
Insgesamt betreuen die 13 städtischen, zwei kirchliche, die Montessori- und die Roggauer Müze-Kita knapp über tausend Kinder, sagt Bürgermeister Rahn. Die laufenden Kosten der Stadt beziffert er auf rund 17, 8 Millionen Euro. Weil die Eltern und staatliche Zuschüsse davon nur 5,6 Millionen abdecken, bleibt die Stadt dieses Jahr auf einem Zuschussbedarf von 12,2 Millionen Euro sitzen – etwa eine Million mehr als 2025. Das muss die Zukunft ihr wert sein.

So bringt die Stadt gut vier Millionen für den Neubau der Himmelsstürmer-Kita an der Rendeler Jahnstraße auf. Im März 2026 soll es neben der provisorischen Kita losgehen; im Sommer 2027 können die Kids aus den Containern in den Massivbau umziehen. Er kann bis zu 124 Kinder in sechs Gruppen aufnehmen.
Ebenfalls vier Millionen steckte die Stadt bereits in den Neubau der Kita Fuchsbau am Rande Petterweils. Bis zum Ende der Sommerferien wird auch dessen Obergeschoss von den Kindern bezogen. 136 Plätze gibt es da insgesamt.
Neue Häuser für Kloppenheim und das Brunnenquartier
Die Glückskinder in Kloppenheim bekommen ebenfalls ein neues Haus, obwohl das alte noch proper aussieht. Doch im vorigen Sommer hatten Jugendliche gezündelt. Der Brand schädigte die Statik des Hauses Am Hang. Den Neubau finanziert die Versicherung. Architektin Natalija Soborka sichtet gerade die Angebote der Baufirmen; wahrscheinlich wird das Haus auf der vorhandenen Bodenplatte in Fertigbauweise errichtet, so Bürgermeister Rahn. Binnen eines halben Jahres könne es fertig sein.

In drei Jahren will die Stadt dann weitere vier Millionen in den Bau einer zusätzlichen Kita stecken. Sie entsteht im zentralen Neubaugebiet Brunnenquartier. Denn rundum baut man dort und auf dem früheren Rapps-Gelände gut tausend Wohnungen. In die viele junge Familien ziehen werden.
„Das Team ist wichtiger als die Bauten“
„Das Team ist wichtiger als die Bauten“, meint der Bürgermeister beim Treffen in Rendel. Für das Hüten von tausend Kindern braucht sie Stadt gut 140 Angestellte. Er sei froh, dass die Stadt genügend Betreuungspersonal finde. Es kommen genug Bewerbungen herein, berichtet Tanja Fischer. Das liege an einem „Karben plus-Bonus“ in Höhe von gut 200 Euro aufs tarifliche Monatsgehalt. Und daran, dass beispielsweise im Vogelsberg und anderswo die Kinderzahl stagniert oder zurückgeht. Einzelne Kitas würden da geschlossen, das Personal suche sich neue Jobs in Orten wie Karben. Nicht nur Erzieherinnen, sondern auch Küchenpersonal und Alltagshelferinnen, die sehr wichtig für den Betrieb der Kitas seien.

Die Stadt finde nun auch Erzieher – Männer gibt es laut Fischer nun in jeder Kita. „Das ist gerade für die Jungs über drei Jahre wichtig“, sagt die Kita-Leiterin Anja Tschischka. „Die suchen jemanden, an dem sie sich orientieren können.“
Nicht nur der gebremste Anstieg der Kinderzahlen entspannt die Lage an der Karbener Kita-Front. Die Stadt profitiert auch davon, dass seit der Corona-Pandemie viel mehr Eltern zu Hause arbeiten. Sie bringen ihren Nachwuchs zwar weiter in die Kitas, aber die Fahrtwege werden kürzer. Deshalb muss die Stadt nur noch in wenige Kitas einige Kinder früh ab sieben Uhr und spät bis 17 Uhr betreuen.