Inheidener See

Protest gegen Gewerbepark

Das Hungener Stadtparlament entscheidet am Dienstag, 13. Dezember 2022, über das Schicksal des Inheidener/Trais-Horloffer Sees. Ein 22 Hektar großes Gewerbegebiet soll in unmittelbarer Nähe des See errichtet werden. In einer Petition fordern über 2200 Bürger, den Gewerbepark auf 12 Hektar zu verkleinern, um den beliebten Badesee zu schützen.

Inheidener See bedroht

Für den Gewerbepark würde bester Wetterauer Ackerboden zerstört und der wegen seiner hervorragenden Wasserqualität beliebte Badesee könnte beeinträchtigt werden. Deshalb haben der Verein der Seefreunde, die Anliegergemeinschaft Hörgersweiden und der Naturschutzbund (Nabu) Horlofftal die Petition initiiert. Sie soll vor der Parlamentssitzung dem Stadtverordnetenvorsteher übergeben werden.

„Bis heute haben insgesamt 2.220 Bürger online und per Unterschriftenliste die laufende Petition zur Verkleinerung des geplanten Gewerbeparks in Hungen unterzeichnet. 87 Prozent stammen aus der näheren Region (maximal 20 km). Alle haben einen direkten Bezug zu Hungen und dem Naherholungsgebiet. Die weitaus grösste Gruppe der Unterzeichner sind Bürger und Wähler direkt aus der Gemeinde Hungen“, heißt es in einem Schreiben der Initiatoren der Petition an den Stadtverordnetenvorsteher, den Bürgermeister und die Fraktionsvorsitzenden.

Die hohe Beteiligung zeige die Betroffenheit der lokalen Bürger und Wähler über das Gewerbevorhaben an dem Standort direkt an zwei Wohngemeinden und dem unmittelbar angrenzendem Naherholungs- und Vogelschutzgebiet. Die politischen Gremien werden aufgefordert, die betroffenen Bürger und die besonderen Schutzgüter Naherholungs- und Vogelschutzgebiet durch eine Verkleinerung des Gewerbeparks auf 12 Hektar als Kompromisslösung zu bewahren. Es müsse gezielt auf die Ansiedelung von Gewerbe und Unternehmen aus Technologie und Wissen gesetzt werden. „Industrie ist hier fehl am Platz“, heißt es in dem Schreiben.

Der Inheidener See ist Kulturgut

Die zahlreichen Kommentare in der Petition belegen den persönlichen Bezug der Unterzeichner zu Hungen, dem See und der Region, stellen die Initiatoren der Petition fest. Es seien Bürger, die hier leben oder Hungen und den See kennen, nutzen oder einen familiären Bezug haben. „Sie schätzen den Standort und wünschen, dass Natur und Klima, Naherholungs- und Vogelschutzgebiet geschützt und die Bodenversiegelung auf ein Mindestmaß begrenzt werden“, heißt es in dem Schreiben an die Parlamentarier. Als Beispiel wird ein Kommentar zitiert: „Ich unterschreibe, weil ich in Obbornhofen, in unmittelbarer Nähe aufgewachsen bin. Der See ist Kulturgut für sämtliche Ortsteile rund um Hungen und Umgebung, Anlaufstätte in der Freizeit (gerade im Sommer). Zusätzlich zieht es, vor allem im Sommer, haufenweise Menschen von außerhalb zum See, man sieht auf dem Parkplatz regelmäßig Kennzeichen aus Frankfurt, Offenbach, MKK, LDK und viele mehr. Diesen See, beziehungsweise die umliegende Natur, für die Industrie zu zerstören, ich hoffe, dass keiner vor Ort, so ‚dumm‘ ist, das ernsthaft im Erwägung zu ziehen.“

In dem Schreiben an die Parlamentarier heißt es: „Wir appellieren an Verwaltung und Stadtverordnete, den Bürgerwillen zu respektieren und die Planung des Gewerbeparks anzupassen. Tragen Sie den dramatischen Veränderungen Rechnung und helfen Sie, Natur, Klima und Boden zu bewahren.Unsere Kinder und Enkel haben das Recht darauf, gut zu leben!“

Die Kernforderungen der Petition sind: Dauerhafte Begrenzung der Fläche auf 12 Hektar mit Anpassung des Bebauungsplans. Kein zusätzlicher Flächenverbrauch zum Beispiel durch die Beteiligung von Wölfersheim. Ein qualifizierter Kriterienkatalog zur Ansiedlung bevorzugt heimischer Gewerbebetriebe und zukunftsorientierter Firmen mit nachhaltigem Arbeitsplatz- und Steuernutzen für die Stadt Hungen. Dauerhafte Sicherstellung der hervorragenden Wasserqualität im Trais-Horloffer/Inheidener See: ausschließlich Einleitung von Oberflächenwasser in Trinkwasserqualität.

Gewerbepark standortgerecht ausgestalten

Argumente für eine Verkleinerung des Gewerbeparks werden aufgelistet: Äußerst ertragreiche Ackerböden gehen unwiederbringlich verloren mit Folgen für Bodenversiegelung, Nahrungsproduktion, Grundwasserspiegel, Hochwasser am See, Nahrungs- und Rastflächen für die Tierwelt. Der Standort direkt am Naherholungs- und Vogelschutzgebiet verlangt den sensiblen Umgang mit jedem qm Fläche und der Art der Ansiedelung. Der Flächenbedarf von Hungen für Gewerbe liege bei rund 8 Hektar. Großflächige, rund um die Uhr arbeitende Industrie sei nicht standortadäquat. Kein Flächenverbrauch durch andere Gemeinden zu Lasten von Naherholungs-/Schutzgebiet und der Lebensqualität in Hungen. Die ökonomischen und ökologischen Bedingungen haben sich dramatisch verändert. Es ist heute unsere Verantwortung, das Ganze zu sehen und unsere Lebensgrundlage sowie die unserer Kinder und Enkel entschlossen zu schützen.

Für eine standortgerechte Ausgestaltung des Gewerbepark wird in der Petition gefordert: Kleinteilige Erschließung mit angepasster Verkehrsführung innerhalb des Gebiets / kein weiterer LKW-Verkehr über die enge Ezetilstraße. Ansiedelung von Gewerbe, Technologie und Wissen. Keine emissionsbelastende 24/7 h Industrie am Naherholungsgebiet/See (Schwerlastverkehr, Feinstaub, Lärm, Luft, Abrieb) / insb. keine Großlogistik, Online-Versand, Betrieb oder Lagerung von Gefahrenstoffen. Wasserversorgung im Trennsystem (Frisch- vs. Brauchwasser). Besserer Lärmschutz: zusätzlicher Lärmschutzwall in Richtung Naherholungsgebiet/See und Wohngebiet Inheiden. Durchführung einer Verkehrsprognose mit Folgen für Zufahrtsstraßen (Utphe, Inheiden), Verkehrsknotenpunkte und Lärmaufkommen im Plangebiet. Eindeutige Vorgaben für den Einsatz regenerativer Energien (Photovoltaik) und Vermeidung von Lichtsmog. Keine Entfernung von gesunden Bäumen und Gehölz entlang der Halde.

Mit diesen Maßnahmen werde sichergestellt, dass der Gewerbepark den Besonderheiten des Standorts gerecht werde, langfristig eine hohe Attraktivität der Region gewährleistet bleibe und die Stadt Hungen einen hohen Arbeitsplatz- und Steuernutzen erziele.

„Wir appellieren an Verwaltung und Stadtverordnete, den Bürgerwillen zu respektieren und die Planung des Gewerbeparks anzupassen. Tragen Sie den dramatischen Veränderungen Rechnung und helfen Sie, Natur, Klima und Boden zu bewahren.Unsere Kinder und Enkel haben das Recht darauf, gut zu leben!

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