Ilona Nolte

Interview zur Ausstellung in Bad Nauheim

Fünf lachende alte Damen auf der Saunabank, drei ältere Herren, die die Köpfe zusammenstecken und schelmisch grinsen: Die Bilder der nordhessischen Künstlerin Ilona Nolte sind farbenfroh, dynamisch und immer positiv. Die Evangelischen Frauen im Dekanat Wetterau zeigen vom 14. bis 18. September 2022 ist die Ausstellung „Lebenslust“ mit Bildern von Ilona Nolte im Gemeindezentrum Wilhelmskirche in Bad Nauheim und interviewten die Künstlerin.

Frau Nolte, Sie haben inzwischen eine ganze Reihe von unterschiedlichen Bildern zum Thema Lebenslust gemalt. Wie kamen Sie zu diesem Thema?

Ilona Nolte: Das Motto Lebenslust ist aus einer schwierigen Lebensphase heraus entstanden. Über 7 Jahre lang habe ich ein Familienmitglied häuslich gepflegt. Das war für mich mit Anfang 40 eine sehr schwere Situation. Ich habe mich ausgebremst gefühlt und war frustriert. Ist es wirklich das, was im Alter auf mich wartet? Geht es jetzt nur noch bergab? Das wollte ich nicht hinnehmen. Da habe ich mir überlegt, dass das Alter auch etwas ganz Anderes sein kann und sein muss. Aus dieser Zeit heraus sind die Lebenslust-Bilder entstanden. Das erste waren vor rund 12 Jahren die Sauna-Damen, die lachend in der Sauna sitzen und sich am Leben erfreuen. Da geht es um Humor, Haltung, Prinzipien und Zusammengehörigkeit.

Wo finden Sie Ihre Motive? Was inspiriert Sie?

Ganz oft sind es Erinnerungen. An die 60er Jahre, meine Kindheit, an Menschen um mich herum, an Typen, die wir alle kennen. Momentaufnahmen aus dem Alltag. Ich male keine bestimmten Personen, außer es sind Porträts. Vielmehr male ich Alltagsmomente. Mich interessieren Menschen, ihre Haltung, ihre Mimik, ihre Bewegungen und ihre Gestalt als solche. Drei Damen, die auf einer Bank sitzen und die Knie zusammenpressen, um ihre Taschen zu halten. Mit vorgehaltener Hand flüstert die eine der andern etwas zu. Solche Momente kennt jeder. Oft erlebe ich, dass Betrachter Verwandte oder Bekannte dort wiederkennen.

Welches Umfeld brauchen Sie zum Malen?

Ich brauche immer Musik! Ich male nie ohne Musik. Ich höre unterschiedliches, von den Beatles über Klassik und deutsche Lieder. Und ganz oft irische Musik. Die Musik zieht mich immer wieder hoch.

Wann haben Sie angefangen zu malen?

Anfang der 90er Jahre, mit Volkshochschulkursen. Das Malen war immer ein Ventil – in guten wie in schwierigen Zeiten – und hat mich mein Leben lang begleitet. Malen erdet mich, egal wie turbulent gerade alles ist.

Wie lange dauert es, bis ein Bild fertig ist?

Das ist sehr unterschiedlich. Ich male manchmal an mehreren Bildern im Wechsel. Das kann ein Tag sein, das können Wochen sein. Aber ich habe schon einen relativ schnellen Strich.

Haben Sie Lieblingsbilder?

Das wechselt oft. Ich hänge an sehr vielen meiner Bilder, weil ich ihnen immer ein Stück von mir selbst mitgebe. Die Saunadamen, das erste Bild der Lebenslust, wird immer eines meiner Lieblingsbilder sein. Lieblingsbilder setzen sich bei mir aber vor allem durch meine Lieblingsfarben zusammen. Das kann genauso ein Stillleben sein wie eine Städteansicht.

Hat sich Ihr Blick auf Menschen im Laufe der Jahre geändert?

Das kann ich so nicht sagen. In der Pandemie hat sich vieles verändert, was den Zugang zu Menschen und die Nähe angeht. Es ist jetzt schwieriger, solche Momente überhaupt noch mitzubekommen. Wenn ich in Städten unterwegs bin, sitze ich gerne in Cafés und schaue Menschen hinterher – oftmals den Älteren! Die haben eine Schönheit, die mich fasziniert. Ich möchte die positiven Seiten des Alters zeigen – bunt und in Farbe und nicht in schwarz-weiß, wie es oft dargestellt wird. Besonders freut es mich, wenn ältere Menschen auf mich zukommen und sich dafür bedanken, dass ich sie sehe und sie so dynamisch, kraftvoll und positiv darstelle. Ich lege sehr viel Wert darauf, dass Betrachter mit den Menschen auf den Bildern lachen, dass sie von der Freude angesteckt werden. Man soll das Gefühl haben, die Personen könnten jeden Moment zum Leben erwachen. Die Bilder des Lebens sind bunt!

Titelbild: „Trockenschwimmen“ von Ilona Nolte

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