Hans G. Hilgert

Wein-Pionier gestorben

Der Winzer Hans Gerhard Hilgert aus Horrweiler ist im Alter von 84 Jahren gestorben. Er hat sein Leben der Entwicklung von Wein ohne Schwefel-Zusatz gewidmet. Mangels Nachfolger steht sein Betrieb nun vor der Auflösung.

Schlüsselerlebnisse

Hans G. Hilgert hatte für seine Weine ohne Sulfitzusatz eine treue Fangemeinde, zu der auch der Verfasser dieser Zeilen zählt. Sulfit ist giftig, wenn die Dosis zu hoch ist. Ein 70 Kilogramm schwerer Mensch könne lebenslang 49 Milligramm Schwefeldioxid pro Tag aufnehmen, „ohne gesundheitliche Schäden davonzutragen. Diese Menge wird bereits durch den Genuss eines Viertel Liter Weins erreicht, der 200 mg/l Gesamtschwefelsäure enthält“, schreibt das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit.

In der traditionellen Kelterei gilt die Schwefelung als unverzichtbar, um Qualitätswein zu erzeugen. Hilgert (geboren am 30. April 1941) kam zu einer anderen Überzeugung. Er nennt dafür zwei Schlüsselerlebnisse: 1959 hatte steril gefilterter Traubensaft in 25-Liter-Ballonflaschen unbeabsichtigt begonnen zu gären. Es sei ein „wunderbarer, fehlerfreier Wein“ entstanden, schwärmte Hilgert. Seither filterte er grundsätzlich den Saft vor der Gärung. Das zweite Erlebnis: Die Grenzwerte für Schwefel wurden erhöht, weil Weine die Grenze überschritten hatten. Das sei der Anstoß für seine Forschungen zur Senkung des Sulfit-Gehaltes gewesen, erklärte Hilgert.

Wein ohne Sulfitzusatz

Seit 1982 brachte Hilgert, der 1958 die Verantwortung für die Weinerzeugung im 1899 gegründeten elterlichen Betrieb übernommen hatte, seinen ersten Wein ohne Sulfitzusatz auf den Markt. Es kam bis 1989 zu großen Rückschlägen: Essigbildung, Trübung in der Flasche, Oxidation. Seit 1994 baute er schließlich alle Weine ohne Sulfitzusatz an. Für 2007 lautete seine Erfolgsmeldung: Die Sulfitgehalte aller Weine liegen unter 10 mg/l. damit entfällt der Warnhinweis ‚Enthält Sulfite‘. In allen Weinen ist Histamin nicht nachweisbar, die Essigsäure liegt unter dem Durchschnitt sulfithaltiger Weine, alle Weine sind vegan.“

Dennoch bekam Hilgert für seine Weine keine amtliche Prüfnummer. „Das ‚Weinministerium‘ will für sulfitfreie Weine keine eigenständige Typizität anerkennen. Als Leitbild gilt weiterhin der mit Sulfit maskierte Geschmack“, klagte er.

Wer einmal Hilgert-Wein probiert, der kann die Angst der Schwefelwein-Lobby verstehen: Da hat einer gezeigt, dass sehr leckerer Wein ohne Schwefelzusatz entstehen kann. Es geht also nicht nur ohne Schwefel, es geht sogar besser.

Nun scheint der Traum vom schwefelfreien Hilgert-Wein ausgeträumt. Hans Gerhard Hilgert ist am 12. Februar 2026 nach schwerer Krankheit gestorben. Ein Nachfolger, der den Betrieb weiterführt, wurde nicht gefunden. Nun wird aus dem Weingut Hilgert voraussichtlich ein Feuerwehrstützpunkt der Gemeinde Horrweiler.

Die letzten Bestände der Kelterei werden zum Sonderpreis von fünf Euro pro Flasche verkauft. Wer noch etwas von dem leckeren Trank ergattern möchte, kann das online auf www.hilgertwein.de tun.

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