Grüne Wetterau

Ein Mandat – zwei Bewerberinnen

Von Klaus Nissen

Jetzt gibt es endlich mal wieder einen spannenden Wahlkampf“, sagt der grüne Kreistagsabgerodnete Marcus Stadler. Der Umweltberater aus Nidda und viele andere Wetterauer Grüne freuen sich über Annalena Baerbocks Anspruch auf das Kanzleramt. Sie sehen eine echte Chance, dass die 40-jährige Brandenburgerin Nachfolgerin von Angela Merkel wird. Am Samstag wollen sie entscheiden, wen sie als Direktkandidaten für den Bundestag nominieren. Anders als bei Habeck und Baerbock ist diese Position umkämpft.

Grüne benennen Bundestagskandidaten

Dass sie mit Baerbock und Habeck gleich zwei Spitzenleute für die Bundesregierung haben, war nach Ansicht von Stadler und der Büdinger Kreistagsabgeordneten Sylvia Klein ein schönes „Luxusproblem“. Nun hat man sich geräuschlos auf Baerbocks Kandidatur geeignet.

Auf der Webseite der Grünen sind die Pressefotos schon aktualisiert: Sie steht vorn.

Diese Teamfähigkeit sei beispielhaft, finden auch Gudrun Neher aus Florstadt und der Bad Vilbeler Grünen-Vorsitzende Clemens Breest. Das sei ein Kontrastprogramm zum „Hickhack“ bei der CDU, so Breest. Der grüne Teamgeist werde sich gegen die Union und deren „Egoshooter“ Markus Söder und Armin Laschet durchsetzen. Deren Kanzlerkandidat werde auf jeden Fall beschädigt in den Wahlkampf gehen. Breest glaubt, dass die Wählerinnen und Wähler das CDU-Debakel auch bei der Bundestagswahl am 24. September noch nicht vergessen haben. Nach dem Eindruck von Marcus Stadler ist die CDU so stark mit sich selbst beschäftigt, dass sie die Pandemie-Bekämpfung aufgegeben habe. „Sie spielt uns vor, wie man es nicht machen sollte.“

„Jetzt müssen andere ran: junge Frauen!“

Deutschland brauche dringend eine „Politik der Inhalte“, finden die Wetterauer Grünen-Politiker. Am wichtigsten sind neben der Pandemie-Bekämpfung wirksame Klimaschutz-Maßnahmen, die Schaffung einer offenen, toleranten Gesellschaft und Generationengerechtigkeit, so Stadler. Man müsse eine Zukunft schaffen, „die es unseren Enkeln ermöglicht, in einer lebenswerten Welt aufzuwachsen.“

Die dazu nötige System-Änderung an vielen Punkten können Baerbock und die Grünen anstoßen, glaubt die Florstädter Kreistagsabgeordnete und Kreis-Vorstandsfrau Gudrun Neher. „Wer Annalena Baerbock zuhört, merkt, dass sie was drauf hat.“ Dass viele nur Männern wie Robert Habeck die Staatsführung zutrauen, glauben Neher, Stadler, Klein und Breest nicht. Die alten weißen Männer haben es ja erkennbar „vergeigt“, meint Marcus Stadler. „Jetzt müssen andere ran: junge Frauen!“ In vielen Führungspositionen hätten sich Frauen in den letzten Jahren schon bewährt.

Knut Kiesel, Direktkandidat der Grünen für den Bundestag imWahlkreis 175 Wetterau-Ost. Der 31-jährige Physiker lebt in Maintal. Foto: Grüne Main-Kinzig

Die Wetterauer Grünen konnten bisher nie eigene Abgeordnete in den Bundestag schicken. Das soll sich am 24. September 2021 ändern. Für den Wahlkreis 175 (Wetterau-Ost, Schotten und Teile des Main-Kinzig-Kreises) ist aber keine Frau nominiert, sondern der 31-jährige Physiker Knut Maximilian Kiesel aus Maintal. Er setzte seine Kandidatur schon im vorigen Dezember gegen einen Konkurrenten aus Freigericht durch. Ende Januar platzierten die hessischen Grünen Kiesel auf Platz 22 der Landesliste. Das kann ihn durchaus nach Berlin bringen, glaubt der frühere Grünen-Kreisgeschäftsführer Clemens Breest. Bisher sitzen zwar nur fünf hessische Grüne im Bundestag. „Für das nächste Mal rechnen wir mindestens mit doppelt so vielen Mandaten. Und in den großen Städten wie Kassel, Gießen und Frankfurt können wir auch Direktkandidaten nach Berlin bringen.“ Wenn die Grünen dann Regierungsposten zu vergeben hätten, würden auch Nachrücker von der hessischen Landesliste Bundestagsmandate bekommen.

Die 29-jährige Jana Peters hat die Unterstützung ihres Heimat-Verbandes Bad Vilbel als Direktkandidatin für den Wahlkreis 177 Wetterau-West. Foto: Grüne Bad Vilbel

Das gilt nach Breests Hoffnung auch für Jana Peters aus Bad Vilbel. Die 29-jährige Bad Vilbelerin steht auf Platz 21 der Landesliste. Peters fungierte von 2018 bis 2020 als Wetterauer Parteivorsitzende. Ihr Heimat-Ortsverband ist der größte im rund 360 Mitglieder zählenden Grünen-Kreisverband. Die Bad Vilbeler empfahlen Jana Peters vorige Woche einstimmig als Spitzenkandidatin der Wetterauer Grünen. Denn die als Kommunikationsberaterin bei einem großen Unternehmen arbeitende Frau könne auch Wechselwähler und -wählerinnen für die Grünen gewinnen, so Breest. Er hält es sogar für denkbar, dass Peters dem Kreistagsvorsitzenden und CDU-Direktkandidaten Armin Häuser das Direktmandat für den Bundestag vor der Nase wegschnappt. Bis vor einem Jahr gehörte es Oswin Veith, der es dann gegen einen Vorstandsposten beim Versorgungsunternehmen OVAG eintauschte.

Auch Michaela Colletti aus Rosbach will für die Grünen in den Bundestag. Ob sie Direktkandidatin wird, entscheiden die Mitglieder am 24. April 2021 ab 16Uhr in der Rosbacher Reichwein-Halle. Foto: Nissen

Ob Jana Peters wirklich Direktkandidaten der Wetterauer Grünen wird, entscheidet die Kreisversammlung am Samstagnachmittag in Rosbach. Gestern meldete auch die Kreissprecherin Michaela Colletti aus Rosbach ihren Anspruch an. Der Bad Vilbeler Parteivorsitzende Clemens Breest wirkt darüber nicht gerade begeistert. Nach seiner Meinung wäre es besser, wenn die Grünen auch auf der kommunalen politischen Ebene Geschlossenheit zeigten.

Die in Rosbach wohnende Wirtschaftsdolmetscherin Michaela Colletti steht auf dem wohl aussichtslosen Platz 27 der Grünen-Landesliste für den Bundestag. Etwas bessere Aussichten hat noch Isabella Mc Nicol aus Niddatal auf Platz 25. Der in Friedberg wohnende Grünen-Kreissprecher Thomas Zebunke ist auf Platz 28 der vierte Wetterauer auf der Grünen-Landesliste.

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