Flucht im Kunstunterricht

Ausstellung im Rathaus Gießen

von Ursula Wöllfluchtaus1

Bilder über Flucht sind allgegenwärtig. Wie verarbeiten Jugendliche diese Bilder? Die Klassen 7a, 7b und 7c sowie der 11er Grundkurs Kunst der Ricarda-Huch-Schule in Giessen verarbeiteten ihre Reflexionen zu eigenen Kunstwerken. Daraus entstand eine sehenswerte Ausstellung, die bis zum 4. Juli 2016 im Rathaus Gießen zu sehen ist.

25 Werke zur Flucht

Die etwa 25 Werke hängen im Foyer der Ausländerbehörde im Erdgeschoss. Während die Kunsthalle am 22. Mai, dem Museumstag, geöffnet hat, bleibt dieser Trakt sonntags leider geschlossen. Das ist schade, denn manchem Betrachter werden die SchülerInnenarbeiten vielleicht besser gefallen als die karge und rätselhafte Kunsthallenausstellung. Die jungen KünstlerInnen haben ihre Gemälde mit einem kurzen Text kommentiert, so dass man die Vorüberlegungen nachvollziehen kann.

Mario Rinn (11) etwa schreibt unter sein Bild „Grenzpatrouille“: „Bei fluchtaus2Flucht denkt man an Grenzen. Mittlerweile bewacht man sie auch wieder in Europa. Sie sind teilweise geschlossen, unüberwindbar. Wo sind Offenheit und Freiheit? Das ist krass.“ Vorbereitet wurden die Gemälde durch direkte Kontakte mit Geflüchteten und Experten oder auch durch kunsthistorische Streifzüge. So sind die Ideen sehr breit gefächert. Marisa Schmidt  etwa ließ sich für ihre Arbeit „Das neue Floß der Medusa – Flüchtlinge im Schlauchboot“ von dem berühmten Géricault-Gemälde „Das Floß der Medusa“ inspirieren, das 1819 entstand.

„Mein Mann ist Iraner“

Sehr nahe rückt das Thema in der Arbeit „Meine Vorfahren waren fluchtausauch Flüchtlinge“. Die namentlich gezeichneten Porträtfotos haben große Sprechblasen, in denen zu lesen ist: „Meine Schwiegermutter kam aus Schlesien“, „Die Familie meiner Mutter floh aus Masuren“, ich stamme von Hugenotten ab“, „Mein Mann ist Iraner“, „Verwandte wanderten in die USA aus“ , meine Oma kommt aus dem Egerland“ usw.  Die Klassen 7 wiederum versetzten sich unter dem Titel „Stillleben“ in das harte Los von Flüchtlingen. Sie überlegten und schrieben auf, was sie mitnehmen würden, wenn sie selbst fliehen müssten. Die wenigen lebensnotwendigen Gegenstände sind erstaunlich gekonnt  gezeichnet, oft finden sich außer einem Brot auch Familienfotos darunter, als Seelennahrung.

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