Exerzierplatz Butzbach

Natur erobert Ex-Militärgelände

Baumpieper, Neuntöter und Schmetterlinge haben den ehemaligen Exerzierplatz bei Butzbach erobert und in Tümpeln tummeln sich massig Kaulquappen. Das einstige Militärareal ist zum ambitioniertesten Naturschutzprojekt der Stadt geworden.

Neuntöter, Schmetterlinge und Molche

Bei einer von den Ortsverbänden von Naturschutzbund (Nabu) und Bund organisierten Wanderung über das Gelände informierte der Landschaftsökologe Matthias Gall über erste Erfolge. Baumpieper und Neuntöter hätten die halboffene Landschaft angenommen und besiedelt. Auch erste Schmetterlinge – zum Beispiel Exemplare des Schwalbenschwanzes – seien auf den Magerflächen beobachtet worden. Die neu angelegten Tümpel seien von diversen Molchen angenommen worden. Zu sehen waren sie bei der Wanderung allerdings nicht, weil sie in ihrer Entwicklung schon fortgeschritten waren und die Gewässer bereits verlassen hatten. Dafür konnten Kaulquappen in großer Anzahl in dem vom umgebenden Bewuchs befreiten großen Tümpel gezeigt werden. Die im vergangenen Jahr begonnene Beweidung mit schottischen Hochlandrindern soll ab Anfang Juni wieder aufgenommen werden, berichtete Gall.

Kaulquappen im großen Tümpel

Im Jahr 2015 war das ambitionierteste Naturschutz-Projekt Butzbachs gestartet worden: die Bewahrung und Entwicklung der vielfältigen, halboffenen Landschaft, die nach dem Abzug der Aus-Truppen auf dem Areal entstanden war. Butzbachs artenreichster Lebensraum drohte durch das Aufkommen monotoner Kieferngebüsche verloren zu gehen. Für die Stadt Butzbach ist das Projekt eine Ausgleichsmaßnahme für Eingriffe in Natur und Landschaft andernorts. Mit der Planung wurde an das in Butzbach ansässige Büro Gall beauftragt. Das Forstamt hatte darauf hingewiesen, dass ein beachtlicher Teil der noch vor 15 Jahren offenen Flächen inzwischen als Wald gelten müsse. Damit standen sie für den Naturschutz nicht mehr zur Verfügung.

Der artenreiche Lebenraum war bedroht

Matthias Gall erläuterte die Historie des Geländes und die Planungen

Von den 24 Hektar, die zu Beginn des Jahrtausends Offenland gewesen waren, konnten nur noch 13 Hektar in das Konzept einbezogen werden, teilte die Stadt Butzbach damals in einer Pressemitteilung mit. Acht Hektar wurden „entkusselelt“, wie die Beseitigung junger Gehölze genannt wird. Schlehen- und Weißdorn-Hecken sowie Ginsterheiden, die vor allem im Westen des Gebiets vorkommen, blieben ebenso erhalten wie Pioniergehölze mit Zitterpappel oder Hänge-Birke oder junge Erlen-Birken-Bruchwälder. Sichergestellt wurde, dass die Wege über die „Pfingstweide“, so der viel sagende alte Flurname, ganzjährig offen bleiben. Die Fläche des Naturschutzprojektes wurde in drei Umtriebsweiden unterteilt. Die extensive Beweidung mit Robustrindern durch „einen in der Landschaftspflege äußerst erfahrenen Landwirt“ gehört zu den Landschaftsschutzprojekt. Vom Büro Gall wurden fast 200 Pflanzenarten festgestellt, „darunter zahlreiche bemerkenswerte“. Mehr als 20 Heuschreckenarten sowie mehr als 40 Tagfalterarten seien einzigartig für Butzbach und könnten nur hier erhalten werden. Bei den Vögeln sei mit einer Rückkehr seltener Arten wie etwa Heidelerche, Neuntöter, Kuckuck oder Bluthänfling zu rechnen. Profitieren werde aber auch die großen Greifvögel des Umfelds, allen voran Rotmilan und Wespenbussard. Letzterer sei auf eine hohe Vielfalt von Hummeln und Wespen angewiesen sei, die sich ebenso wie Honig- und Wildbienen rasch vermehren würden, so die Prognose der Planer vor zwei Jahren.

https://youtu.be/yvyZ9MzqjeE

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