Straßen vernichten Land

 Äcker bei Wöllstadt werden asphaltiertB3 Wöllstadt Landfraß

Die meisten Brücken sind fertig – nun werden die Äcker um Nieder- und Ober-Wöllstadt planiert, damit dort 2016 die Bundesstraße 3 verlaufen kann. Bilder zeigen, wie viel fruchtbares Land damit unter Schotter und Asphalt verschwindet.

Die Straße frisst das Land

Bundesweit gesehen ist die neue Umfahrung von Wöllstadt nur ein kleines Projekt. Der Bund investiert 30 bis 40 Millionen Euro, damit die Autos ab 2017 nicht mehr die beiden Ortsteile der rund 6000 Einwohner zählenden Gemeinde zerschneiden. Knapp 30 Hektar besten Ackerlandes werden für die 9,1 Kilometer lange Bundesstraßen-Trasse geopfert. In ganz Deutschland verschwinden laut Wikipedia jeden Tag 73 Hektar Natur  für neue Straßen und Gebäude.

Raupenschlepper haben in den letzten Wochen die gut 30 Meter breite Trasse freigeschoben. Der klebrige Lößlehm liegt in großen Haufen an den Seiten. 2016 werden die Lastwagen tausende Tonnen Schotter und heißen Asphalt auf den schweren braunen Boden schütten. Anfang 2017 fahren dann die ersten Autos darüber – knapp 30 000 pro Tag.

B3 Wöllstadt Kreuzungsbauwerk B 45
Ein breites braunes Band zieht sich über den grünen ehemaligen Acker. Im neuen Jahr wird es asphaltiert. Foto: Klaus Nissen

Im Moment werkeln die Arbeiter im staatlichen Auftrag an den großen Brückenbauwerken südlich von Friedberg, zwischen Ober-. und Nieder-Wöllstadt, über die bisherige Bundesstraße 3 am Rosbach und über die Eisenbahn zwischen Ilbenstadt und Nieder-Wöllstadt.  Eine Karte der Planer zeigt den genauen Verlauf. Sie ist hier Übersichtsplan_Ortsumgehung_Wöllstadt zu sehen.

B3 Wöllstadt kreuzung B 45
Unter dem Kran entsteht gerade eine Brücke, die die neue B3 von Nordosten (links) kommend nach rechts weiter ins Bachtal führt. Die braune Fläche im Vordergrund ist das Endstück der neuen B45, das unter der Brücke hindurch nahe Ober-Wöllstadt auf die alte Bundesstraße trifft. Im Hintergrund überspannt eine Feldweg-Brücke (Eselsweg) schon die künftige B45. Foto: Klaus Nissen

Besonders auffällig ist die Baustelle südlich von Friedberg, wo täglich tausende Autofahrer um einen riesigen Erdhaufen und ein daneben liegendes Loch herumkurven müssen. Hier wird im nächsten Jahr das etwa 20 Meter nach Norden verschwenkte  Anschluss-Stück an die neue B3 gebaut. Von der Einmündung aus können die aus Friedberg-Süd und Bad Nauheim kommenden Autos in Richtung Süden über eine neue, 29 Meter lange Brücke gen Frankfurt rauschen. Die Brücke  überquert die bald tiefer verlaufende alte Bundesstraße 3. Letztere verläuft etwa bis zum Judenfriedhof direkt neben der neuen B3. Die vom Verkehr entlastete Zufahrt nach Ober-Wöllstadt soll später mit einem Radweg bereichert werden.

Die Autos auf der B3 haben Vorfahrt

Ähnlich aufwendig wird der neue Knoten mitten im Feld gebaut, an dem die B3 und die von Ilbenstadt her über die Main-Weser-Bahn kommende Bundesstraße 45 sich treffen. Die Autos auf der B3 werden Vorfahrt haben. Sie überqueren die neue B45 auf einer Brücke, die gerade gebaut wird. Zuvor kann man rechts über ein Straßenohr auf die neue, ins Erdreich abgesenkten Zufahrt nach Nieder- und Ober-Wöllstadt abbiegen.  Über das Ohr kommen Linksabbieger auch auf die neue B45. Auf einem immer höheren Damm läuft die neue B3 dann nach Südwesten aufs Bachtal zu. Sie überquert die  jetzige Bundesstraße 3 und den Bach. Die im Rohbau stehende Brücke überspannt 96 Meter. Die Bahnlinie wird von der neuen B45 über zwei hohe Dämme mit einer 65 Meter langen Brücke überquert.

Schon bevor die  Ortsumfahrung Ende 2016 oder Anfang 2017 eröffnet wird, muss die Gemeinde Wöllstadt im kommenden Jahr die Ilbenstädter Straße in Nieder-Wöllstadt zurückbauen. Das wird nicht ohne einspurigen Verkehr mit Ampelregelungen gehen, bedauert Bürgermeister Adrian Roskoni. Die Trasse ist dann noch Bundesstraße, über die jeden Morgen viele tausend Pendler aus Niddatal kommend in Richtung Frankfurt streben. Der vorzeitige Umbau ist laut Roskoni notwendig, weil die Gemeinde sonst keine Zuschüsse vom Bund bekäme. Beim Rückbau wird die Fahrbahn dauerhaft schmaler gemacht. Die Anwohner bekommen neue Wasser- und Abwasserleitungen, außerdem breitere Bürgersteige. Sie müssen sich mit einem eigenen Beitrag an dieser Umgestaltung beteiligen, der sich nach der jeweiligen Länge der Straßenfront bemisst.

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